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Einmaliges Studiendesign generiert Daten für Kinder mit angeborenen Herzfehlern beim Schwimmen

Schwimmen ist ein ideales und beliebtes Hobby für Kinder. Doch Kinder mit angeborenen Herzfehlern wurden beim Schwimmsport bisher teils beschränkt. Der Grund hierfür ist eine unzureichende Studienlage. Das Herzzentrum Leipzig erforscht daher aktuell nach mehreren erfolgreichen Vorstudien mit einem weltweit einmaligen Studiensetting Herz- und Kreislaufparameter von Kindern mit angeborenen Herzfehlern im Schwimmbad. Ziel der Studie ist, die Datenlücke zu schließen und Kindern mit angeborenen Herzfehlern eine sichere Teilnahme am Schwimmen zu ermöglichen und ggf. unnötige Ängste zu nehmen. Gerade für Kinder mit Herzkreislauferkrankungen ist ein aktiver Lebensstil wichtig.

29.04.2026 Lesedauer: - Min.
Studienproband Carlo im Wasser

Bisher wurden in den kardiologischen Leitlinien Patienten:innen mit angeborenen Herzfehlern teils mit Limitationen in Bezug auf die Teilnahme am Schwimmen versehen. Die Gründe sind insbesondere auf eine unzureichende Datenlage und daher besonders gebotene Vorsicht zurückzuführen.

Studienteam mit 9-jährigem Carlo und Kooperationspartner Therapiezentrum Angerbrücke

Herzzentrum Leipzig

Geschäftsführender Leitender Oberarzt

Das Thema beschäftigt uns bereits länger und wir haben uns in mehreren Vorstudien der Frage genähert, ob eine pauschale Einschränkung des Schwimmens und Tauchens wirklich indiziert ist. Die Herausforderung der Studie liegt insbesondere in der Erhebung der nötigen Herz- und Kreislaufdaten im Wasser und fehlender Geräte, die dies in Schwimmaktion messen können. Wir sind daher sehr stolz, dass wir nach intensiver Vorbereitung, kreativen Ideen und technischer Unterstützung verschiedener Partnerinnen und Partner das Studiensetting erfolgreich aufbauen konnten.

9-jähriger Carlo schwimmt und taucht im Rahmen der Studienteilnahme
Teil der Studie ist auch der 9-jährige Carlo. Er ist mit einer Fallot-Tetralogie auf die Welt gekommen. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um einen komplexen angeborenen Herzfehler. Die damit verbundenen Anomalien führen zu einem Sauerstoffmangel; sichtbar z.B. an einer Blaufärbung der Lippen. „Über den angeborenen Herzfehler wurden wir bereits in der 12. Schwangerschaftswoche im Rahmen der Pränataldiagnostik informiert. Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass unser Sohn nach der Entbindung eine Herz-Operation benötigen wird. Nach der Entbindung entwickelte sich Carlo aber zunächst ganz normal. Erst mit sechs Monaten sank seine Sauerstoffsättigung und er wurde am Herzzentrum Leipzig operiert“, erinnert sich Mama Virginia Gruhne zurück. Kurz vor dem 1. Lebensjahr erhielt Carlo dann eine zweite, korrigierende Operation in Leipzig. „Carlo ist jetzt 9 Jahre alt und sehr sportlich. Er spielt im Volleyball-Verein und bewegt sich auch gern im Wasser. Die Studienanfrage war daher für uns sehr interessant. Außerdem halte ich es für eine gute Sache, wenn wir mit der Teilnahme auch anderen Kindern mit angeborenen Herzfehlern helfen können“, ergänzt Mutter Virginia.

Weltweit erstmalig erhobenen Datensatz
Die Studie findet in der gesamten Durchführung unter ärztlicher Aufsicht statt. Ein Rettungsequipment ist stets unmittelbar verfügbar. An der Studie können Kinder mit angeborenen Herzfehlern ab einem Alter von sechs Jahren teilnehmen. Die Daten werden sowohl bei gesunden als auch bei betroffenen Kindern erhoben. Die Datenerhebung findet in Kooperation im Therapiezentrum Angerbrücke statt. Zusätzlich wird die Studie sowohl von der Deutschen Herzstiftung auch als von der Kinderherzkammer gefördert.

Herzzentrum Leipzig

Geschäftsführender Leitender Oberarzt

Die Daten, die wir erheben, sind weltweit einmalig und daher absolut bahnbrechend. Sport hat für Kinder und Jugendliche weit mehr als nur eine körperliche Bedeutung. Er stärkt das Selbstbewusstsein, das soziale Miteinander und wirkt langfristig positiv auf die Herzgesundheit. Es wäre unverhältnismäßig und benachteiligend, wenn Kinder mit angeborenen Herzfehlern teils nicht Schwimmen und Tauchen könnten, nur weil es keine ausreichende Datenlage dazu gibt. Wir vermuten, dass diese betroffenen Kinder ohne großes Risiko Schwimmen können und möchten dies nun mit einer sicheren Datenlage belegen.

Die Studie wurde im Januar gestartet und läuft voraussichtlich bis Ende Juni.