Sport war schon immer ihr Leben. Marathon laufen, Radfahren, Schwimmen, Wandern – Bewegung gehörte für Gabi Riedel aus Leipzig selbstverständlich zum Alltag. Doch mit der Zeit wurde selbst eine kleine Belastung zur Herausforderung. Immer häufiger geriet ihr Herz aus dem Takt. Was zunächst nur gelegentlich auftrat, entwickelte sich über mehrere Jahre zu immer stärkeren Anfällen von Vorhofflimmern – begleitet von Herzfrequenzen von bis zu 200 Schlägen pro Minute und der ständigen Angst vor einem Schlaganfall. Heute, wenige Monate nach der Behandlung mit einer sogenannten Pulsed Field Ablation, ist die 62-jährige Gymnasiallehrerin wieder flimmerfrei und kann ihr aktives Leben genießen.
Wenn das Herz plötzlich aus dem Rhythmus gerät
Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Dabei geraten elektrische Signale im Herzen durcheinander. Statt regelmäßig zu schlagen, arbeitet das Herz unkoordiniert und oft deutlich zu schnell. Betroffene spüren Herzrasen, Luftnot, Erschöpfung oder Leistungseinbußen. Gleichzeitig steigt das Risiko für einen Schlaganfall.
Bei Gabi Riedel spielte ihr persönliches Umfeld eine große Rolle. In ihrer Familie hatte sie erlebt, dass es nach einer Ablation mit einem älteren Verfahren zu schweren Komplikationen gekommen war. „Diese Erfahrungen haben mich jahrelang davon abgehalten, selbst einen Eingriff machen zu lassen. Die Angst war einfach riesig“, so Gabi Riedel. Trotz gesunder Ernährung, regelmäßiger Bewegung und einer insgesamt sehr bewussten Lebensweise nahmen die Beschwerden immer weiter zu. Was anfangs nur alle paar Monate auftrat, wurde schließlich zu stundenlangen Episoden mit extremer körperlicher Erschöpfung. „Ich konnte mich nicht mehr auspowern. Alles, was mir Freude gemacht hat, wie Sport treiben oder in die Sauna gehen, konnte einen Anfall auslösen. Irgendwann hat das mein ganzes Leben bestimmt“, erzählte die Gymnasiallehrerin.
Schonende Behandlung mit elektrischen Impulsen
Ende 2025 wendete sich Gabi Riedel an die Rhythmologie des Herzzentrums Leipzig. Nach ausführlichen Untersuchungen rieten die Herzspezialisten zu einer interventionellen Therapie mittels Pulsed Field Ablation, einem modernen Verfahren zur Behandlung von Vorhofflimmern. Neben der neuen Technologie werden am Herzzentrum Leipzig auch routiniert thermale Energieformen, wie Radiofrequenz- (Hitze) und Kryoablation (Kälte), verwendet.
Vor dem Eingriff wird das Herz mithilfe eines MRTs präzise dargestellt. Während des Eingriffs können die behandelnden Ärzte die Bereiche des Herzens kartografieren, von denen die störenden elektrischen Impulse ausgehen, und diese gezielt behandeln. Für Gabi Riedel war gerade diese Präzision und das geringere Komplikationsrisiko entscheidend: „Als ich gesehen habe, wie genau mein Herz vorher untersucht wurde, hat mich das unglaublich beruhigt. Ich wusste: Die wissen genau, wo das Problem sitzt.“
Der Eingriff fand noch im Dezember 2025 statt und verlief erfolgreich. Bereits am nächsten Tag konnte Gabi Riedel die Klinik verlassen. Nach einigen Wochen Schonung kehrte sie Schritt für Schritt zu ihrer gewohnten Aktivität zurück. Der entscheidende Moment kam zwei Monate später im Skiurlaub. „Wir sind die Pisten gefahren wie früher. Da habe ich zum ersten Mal gespürt: Es ist wirklich vorbei“, erinnert sich die 62-Jährige.
Heute ist sie wieder körperlich belastbar, geht walken, fährt Rad, schwimmt und genießt ihre Zeit in der Natur. Ihre Smartwatch, die früher regelmäßig Episoden von Vorhofflimmern dokumentierte, zeigt seit dem Eingriff keine Auffälligkeiten mehr. Rückblickend bereut Gabi Riedel nur, dass sie sich so lange von ihren Ängsten hat leiten lassen: „Ich würde jedem raten: Warten Sie nicht zu lange. Informieren Sie sich über die heutigen Möglichkeiten. Die Medizin hat sich enorm weiterentwickelt.“
Besonders dankbar ist sie für das Vertrauen, das sie während der gesamten Behandlung gewinnen konnte: „Ich habe mich jederzeit in kompetenten Händen gefühlt. Das hat mir den Mut gegeben, diesen Schritt zu gehen“, blickt Gabi Riedel zurück.
Für sie bedeutet der Eingriff weit mehr als die Behandlung einer Herzrhythmusstörung. „Diese Zeit hat mich Dankbarkeit gelehrt. Heute freue ich mich über jeden Tag, an dem mein Herz einfach ruhig und regelmäßig schlägt“, sagt Gabi Riedel mit einem Lachen.