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„Eltern müssen erst einmal verstehen, was passiert ist“

„Eltern müssen erst einmal verstehen, was passiert ist“

Duisburg

An der Helios St. Johannes Klinik unterstützt Pflegetrainerin Cornelia Kaiser Frühcheneltern in den ersten Wochen nach der Geburt. Portrait einer besonderen Berufung.

Mit nur wenigen hundert Gramm ungeplant auf die Welt zu kommen, bedeutet, kämpfen zu müssen – für das Frühchen, für seine Eltern, für die ganze Familie. Um die emotionalen, aber auch ganz alltäglichen Belastungen und Sorgen, die das mit sich bringen kann, weiß Cornelia Kaiser nur zu gut. Die gebürtige Moerserin begleitet an der Helios St. Johannes Klinik zu früh geborene Kinder und ihre Eltern auf dem Weg ins Leben und ist damit Teil des hauseigenen Perinatalzentrums Level 1, das auch kleinste Frühchen unter 1500 Gramm versorgt. Dort hat sie vorher viele Jahre als Kinderkrankenschwester gearbeitet: „Die Geburt eines Frühchens geschieht meist sehr plötzlich und wirft alle Beteiligten, aber vor allem die Eltern, in eine neue Situation, auf die sich niemand vorher vorbereiten kann.“ Deshalb nimmt sich Cornelia Kaiser der Eltern schon direkt nach der Entbindung an und besucht die Mutter in ihrem Patientenzimmer: „Dort alleine, ohne ihr Kind, welches zur Versorgung auf der Neugeborenen-Intensivstation liegt, müssen viele Mütter und auch Väter erst einmal verstehen, was passiert ist. Da kommt viel hoch und der Körper ist schneller als der Kopf.“ Die 54jährige nimmt die Eltern dann wortwörtlich an die Hand, begleitet sie zu ihren Kindern und erklärt in Ruhe, was all die Abläufe auf der Station und die beängstigenden Maschinen, an die das kleine Frühchen angeschlossen ist, zu bedeuten haben. „Meine ärztlichen und pflegerischen Kollegen machen das natürlich auch, aber sie sind zusätzlich anderweitig gebunden, etwa wenn ein anderes Kind akut versorgt werden muss.“

 

Die Zeit und Ruhe für all diese Themen zu haben und den Eltern damit Sicherheit und Unterstützung zu vermitteln, das ist es, was Cornelia Kaiser an ihrer aktuellen Arbeit am meisten schätzt. Und, dass es bei kleinen Patienten immer auch um die Familie dahinter geht. Seit 1986 ist sie schon an der heutigen Helios St. Johannes Klinik, hat 35 Jahre Erfahrung. „Abzüglich meiner Elternzeiten“, schmunzelt sie. Die Pflegetrainerin hat selbst zwei Kinder, was ihr natürlich auch bei ihrer Arbeit weiterhilft. „Besteht Gefahr für das eigene Kind, zieht einem das sofort den Boden unter den Füßen weg, das kann ich in jedem Fall nachvollziehen. Schon ein reifes Neugeborenes zu versorgen, ist eine Herausforderung, kommt das Kind aber krank oder akut pflegebedürftig auf die Welt, leben die Eltern in ständiger Alarmbereitschaft.“ Deshalb möchte sie für die Betroffenen Familien ein Halt, „ein roter Faden“, sein, der sich durch den Aufenthalt zieht. Neben dem emotionalen Beistand, für den auch eine Psychologin am Haus zur Verfügung steht, bietet Cornelia Kaiser den Eltern vor allem praktische Hilfestellung an, unterweist sie bei der Pflege und (medizinischen) Versorgung der Frühchen. „Damit kann man viel Angst nehmen. Besonders bei den ganz kleinen Frühchen haben Eltern oft Sorge vor Fehlern, weil sie einfach so unglaublich zart und verletzlich wirken.“ Zudem begleitet sie die Familien auch nach der Entlassung, besucht sie zuhause und vermittelt Unterstützung, etwa von den Frühen Hilfen oder anderen Einrichtungen. In regelmäßigen Gruppentreffen an der Klinik bietet sie den Eltern darüber hinaus die Möglichkeit, sich dauerhaft mit ihr und anderen Betroffenen austauschen zu können.

 

Die Entscheidung, Pflegetrainerin zu werden, reifte schon ein paar Jahre in Cornelia Kaiser, aktuell absolviert sie zusätzlich die Qualifizierung als Familienkrankenschwester. Dieser staatlich anerkannte interdisziplinäre Lehrgang befähigt die Absolventen für die Arbeit mit Schwangeren, Müttern, Eltern und ihren jungen Kindern, die besonderen Unterstützungs- und Hilfebedarf haben. Gleichzeitig baut sie seit 2020 als Teil des Teams im Perinatalzentrum am Standort St. Johannes den Bereich der Familienbetreuung weiter aus. Denn in der Kinderheilkunde ist diese Begleitung immer noch etwas Besonderes.

Sobald es die Entwicklung rund um Corona zulässt, wird sie zudem wieder spezielle Pflegekurse für Angehörige und Interessierte ins Programm nehmen. Dort können etwa Großeltern oder Freunde der Familie sich kostenfrei über das Thema Frühchenpflege informieren. Aber auch wenn der Schwerpunkt von Cornelia Kaiser auf der Arbeit mit Frühchen und ihren Familien liegt, betreut sie innerhalb der Kinderklinik ebenso andere Betroffene, etwa Eltern mit chronisch erkrankten Kindern. Sie kennt die Abläufe und Ansprechpartner im Haus, kann vermitteln und erklären. Die positiven und vor allem dankbaren Rückmeldungen der Eltern sind ein Teil ihres Lohns: „Das Gefühl, mit ausreichend Zeit und Empathie Familien in schweren Zeiten wirklich geholfen zu haben, ist mit nichts zu bezahlen.“