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Wenn der Schmerz selbst die Krankheit ist: Nach 75 Jahren Kopfschmerzen endlich mehr Lebensqualität

Schwelm

Die meisten Menschen müssen nochmal nachfragen, wenn sie die Leidensgeschichte von Franz Harke hören: Seit über 75 Jahren war der Kopfschmerz sein ständiger Begleiter. Ein unglaublicher Zeitraum, der kaum vorstellbar ist. Der frühere Baufinanzierer hat irgendwann angefangen, den Schmerz zu verdrängen. Jedoch gab er nie auf und behielt immer die Hoffnung, Hilfe zu finden.
 
Die Behandlung durch Frau Dr. Ilka Waßerführer und ihrem Team in der Schmerzklinik des Helios Klinikums Schwelm half dem heute 85-Jährigen. „Ich habe über die Jahrzehnte so viele Behandlungen ausprobiert, doch die permanenten Kopfschmerzen blieben. Erst im Klinikum, direkt vor meiner Haustür, konnte mir geholfen werden“, erzählt Franz Harke.  
 
Mit 10 Jahren hatte der gebürtige Schwelmer einen Fahrradunfall und prallte mit seinem Kopf gegen einen Betonpfeiler. Es war nicht eindeutig festzustellen, ob der Unfall ausschlaggebend für seine spätere Erkrankung war, jedoch fing seine Krankengeschichte zu dieser Zeit an. „Ich dachte, dass ich die Schmerzen aushalten muss“, sagt der Patient rückblickend.   Im Helios Klinikum Schwelm erklärten ihm die Schmerzmediziner, dass die Kopfschmerzen wahrscheinlich nur anfangs eine Reaktion auf den Unfall gewesen waren. „Danach sind sie chronisch geworden und haben sich verselbstständigt“, erklärt Dr. Ilka Waßerführer, Oberärztin der Klinik für Anästhesie, perioperative Medizin und Schmerztherapie. „Die Kopfschmerzen hätten sofort behandelt werden müssen. Dann hätte sich vielleicht keine chronische Erkrankung entwickelt.“
 
Anfangs waren die Schmerzen auszuhalten und zu verdrängen. Doch zu dem anhaltenden Dauerkopfschmerz traten zusätzlich auf der linken Seite Attacken mit sehr starken stechenden Schmerzen hinter dem Auge auf. Seit fünf Jahren machten diese Anfälle das Leben für den Schmerzpatienten fast unerträglich. Bis zu 16 Mal am Tag traten die Schmerzattacken bei Franz Harke auf. Im Laufe der Jahre zog sich der Naturliebhaber immer mehr aus dem Alltag zurück. Das Autofahren musste er ganz aufgeben, weil er durch den ständigen Schmerz zu sehr beeinträchtigt war. Restaurantbesuche waren undenkbar, weil ihn die Geräuschkulisse zusätzlich anstrengte.
 

 
 
 
 
 
Nach persönlichen Schicksalsschlägen nahmen die Schmerzen und die Attacken weiter zu. „Trotzdem habe ich vor zwei Jahren nochmal geheiratet“, erzählt der Patient. „Meine Frau machte mir weiter Mut. Und erzählte mir von dem Angebot im Helios Klinikum Schwelm.“ Und tatsächlich: Die ganzheitliche Behandlung im Rahmen des zweiwöchigen Aufenthaltes in der Schmerzklinik zeigte schon nach zwei Tagen Wirkung. Im sogenannten Schmerztagebuch notierte Franz Harke die Häufigkeit und die Intensität seiner Kopfschmerzen. Mit den richtigen Medikamenten, Kopfmassagen, der Schröpftherapie, Gesprächen und weiteren Anwendungen ging es dem Schmerzpatienten schnell besser. Der Druckschmerz war deutlich weniger geworden und die Attacken konnten bis auf zwei am Tag reduziert werden. „Es ist wichtig, dass bei chronischen Schmerzpatienten ein ganzheitlicher, individueller Therapieplan erstellt wird“, erklärt Dr. Ilka Waßerführer. „Faktoren wie Stress begünstigten die Kopfschmerzattacken von Herrn Harke erheblich. Hier lernte er unter anderem, mit Medikamenten, Bewegung und einem strukturierten Alltag, seine Schmerzen zu behandeln.“
 
Den stationären Aufenthalt in der Schmerztherapie bezeichnet er selbst als Wohlfühlzeit, denn er konzentrierte sich nur auf sich. In jungen Jahren nahm Franz Harke seine Schmerzen zu wenig ernst und später, als sie chronisch waren, zu ernst. Diese Erfahrung machte er sein ganzes Leben lang, um schließlich zu erkennen, dass man Schmerzen nicht ertragen muss. „Viele Betroffene leiden, weil sie nicht wissen, dass ein Schmerztherapeut ihnen das Leben leichter machen kann“, sagt Franz Harke. „Auch ich habe nicht mehr damit gerechnet, dass mir jemand helfen kann. Ich bin unendlich dankbar.“
 

 

Weiterführende Informationen:

 
Der Patient leidet unter einem primären Kopfschmerz, der den ganzen Kopf betrifft und dauerhaft vorhanden ist. Dazu kommen starke Schmerzattacken, die stets auf der gleichen Kopfhälfte lokalisiert sind. Diese Form des Kopfschmerzes bezeichnen Mediziner als Hemicrania continua. Betroffene haben keine beschwerdefreien Phasen. Die Schmerzen treten täglich auf, und das mindestens über einen Zeitraum von drei Monaten. Sie werden als mittelmäßig und teilweise auch sehr stark empfunden und rufen zudem Begleitsymptome wie z.B. Augentränen hervor. Die Symptome ähneln dem Clusterkopfschmerz, so dass die Unterscheidung schwierig sein kann.  
 
Frau Dr. Ilka Wasserführer hat zum 1. Juli 2019 die Verantwortung im Bereich der ambulanten und stationären Schmerztherapie im Helios Klinikum Schwelm übernommen. Das Angebot richtet sich an alle Patienten mit chronischen Schmerzen. Dazu arbeiten in der Schmerzklinik verschiedene Berufsgruppen zusammen, von spezialisierten Ärzten und Pflegekräften, einer Pain Nurse, über Ergo- und Physiotherapeuten bis hin zu Psychologen.