„Wir wollen, dass sie bleiben – genau das ist Integration“

„Wir wollen, dass sie bleiben – genau das ist Integration“

Daniel Weindt ist 30 Jahre alt, seit vier Jahren examinierte Pflegekraft und seit eineinhalb Jahren Praxisanleiter und Stationsleiter der 2K – einer Gefäß-, Viszeral- und Thoraxchirurgie-Station. Die Entwicklung seiner Station geht er genauso motiviert an wie seine eigene. Seit Ende 2019 nahm er mit seinem Team drei portugiesische Pflegekräfte auf. Mit viel Engagement und Herz wurden diese im Helios Park-Klinikum und in der neuen Heimat integriert. Daniel Weindt erzählt.

„Ursprünglich wollte ich mal Gesundheitskaufmann werden. Das ist ja eher Krankenkasse und Büro. Aber als ich einmal hier gearbeitet habe, machte die Praxis – der Kontakt mit den Patienten und Patientinnen – doch irgendwie mehr Spaß!“, erzählt Daniel Weindt über seine Anfangszeit. Er leistete 2012 seinen Bundesfreiwilligendienst im Park-Klinikum, auch damals schon auf der 2K. „Das Team hat mich inspiriert – ich wollte ja eigentlich nicht Krankenpfleger werden. Aber mit diesem Team im Rücken!“, schwärmt er über sein Kollegium. 2013 bis 2016 macht er also die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Und entwickelt sich schnell weiter: „Man muss sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dass ich nach vier Jahren, die ich ausgelernt bin, hier Praxisanleiter und Stationsleitung bin. Es wird hier wirklich versucht, Kompetenzen zu erkennen und zu fördern. Und nicht nur davon zu sprechen.“

Ich wollte ja eigentlich nicht Krankenpfleger werden. Aber mit diesem Team im Rücken!

Daniel Weindt ist Stationsleiter der 2K im Helios Park-Klinikum Leipzig

Diese Herangehensweise praktiziert er auch als Führungskraft. Der moderne Führungsstil sei nicht mehr von oben herab, es sei wichtig, alle miteinzubeziehen und Raum zur Weiterentwicklung zu geben. „Für mich ist es ein Job geworden, der viel mit Organisation zu tun hat und mit Weitergeben, Menschenkenntnis, Einfühlungsvermögen und Teamentwicklung. Und das macht Spaß“, fasst Daniel zusammen. Für ihn bedeute Führung, eine Vorbildfunktion zu erfüllen: „Vorleben, wie es geht, statt ihnen meine Wertevorstellung einfach überzustülpen.“

Sie leben anders als wir. Sie sind ausgelassener, sorgloser, machen nicht alles komplizierter als es sein muss.

Daniel Weindt kümmert sich als Teil des Integrationsteams auch um ausländische Pflegekräfte
Daniel Weindt, Stationsleiter Helios Park-Klinikum Leipzig
Daniel hat in seinem Team drei Pflegekräfte aus Portugal integriert und ist stolz auf die Entwicklung seiner Schützlinge.

Anfang 2019 kommen 20 portugiesische Pflegekräfte an den Helios Standort Leipzig. Drei von ihnen arbeiten heute auf der 2K – Joana, Pedro und Marianna. Dabei wird versucht, den Start in der neuen Heimat so leicht wie möglich zu gestalten. Während jeweils zwei Welcome-Wochen werden die Neuankömmlinge bei Amtsgängen begleitet, durch die Häuser geführt, besuchen den ersten Deutsch-Unterricht und haben Kontakt zu ihren zukünftigen Kolleginnen und Kollegen. Die Zeit zwischen der Ankunft in Deutschland und der Prüfung zur Anerkennung ihrer Ausbildung soll genutzt werden können. Dank des Mentoring-Programms muss niemand alleine in den Beruf einsteigen: „Es läuft wie bei der Einarbeitung. Die neuen Kolleginnen und Kollegen sind über mehrere Wochen und Monate im gleichen Dienstrhythmus wie ihr Mentor. Das heißt, sie haben eine lange Zeit den gleichen Ansprechpartner und sind zusammen unterwegs.“ Daniel Weindt glaubt fest an die Erfolge des Integrationsprogramms – und sieht die Bereicherungen: „Sie leben anders als wir. Sie sind ausgelassener, sorgloser, machen nicht alles komplizierter als es sein muss. Die hohe Motivation und dem Mut, die man benötigt, um in ein anderes Land zu gehen, bringen sie hier mit ein. Und wir wollen ja, dass sie hierbleiben und nicht nach drei Jahren wieder zurückgehen: Genau das ist Integration.“

Ich glaube, dass Joana am Anfang um Anerkennung kämpfen musste. Aber das Team hat schnell verstanden, dass sie fachlich richtig was kann und nur die Sprache dazwischensteht.

Daniel Weindt
Daniel Weindt vom Helios Park-Klinikum Leipzig
Als Stationsleiter ist Daniel auch für die persönliche Entwicklung seiner Team-Mitglieder verantwortlich. Gerade die Sprachbarrieren waren anfangs eine Herausforderung, das hat sich aber geändert.

Auf der 2K ist diese Integration – nach anfänglicher Skepsis – gelungen. Die portugiesischen Pflegekräfte kommen hochqualifiziert nach Deutschland. Das erklärt Daniel auch seinem Team. Doch die Sprachbarriere stimmt das Team anfänglich zurückhaltend. „Ich denke, man muss die Bedenken ernstnehmen und viel, viel Aufklärung betreiben. Hinterfragen, was eigentlich wirklich das Problem ist“, sagt der Stationsleiter und fügt erleichtert hinzu: „Häufig ist es Pillepalle, was sich schnell klären lässt.“

Die erste Portugiesin auf der 2K war Joana. Ihre Geschichte steht stellvertretend für eine erfolgreiche Integration. Daniel Weindt fasst ihre Entwicklung strahlend zusammen: „Ich glaube, dass Joana am Anfang um Anerkennung kämpfen musste. Aber das Team hat schnell verstanden, dass sie fachlich richtig was kann und nur die Sprache dazwischensteht. Inzwischen hat sie einen super Stand. Mir hat es Spaß gemacht, mit Joana zu arbeiten. Ich musste rausfinden, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und wie ich sie herausfordern kann. Am Anfang ging nur ‚Hallo‘ und ‚Tschüss‘ und der Rest irgendwie Englisch und Gestik. Inzwischen können wir eine Stunde telefonieren. Die Entwicklung macht einfach Freude! Dass sie inzwischen Sarkasmus versteht, das finde ich wahnsinnig interessant – das ist die hohe Kunst einer Sprache – und einfach mein stilistisches Mittel! Joana hat ihre Prüfung bestanden und ist als volle Kraft mit eingesetzt.“

Bara kam aus Syrien an den Helios Standort Leipzig

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