Grippeimpfungen in Pandemie-Zeiten: mehr Schutz für Risikogruppen, Kinder und medizinisches Personal

Grippeimpfungen in Pandemie-Zeiten: mehr Schutz für Risikogruppen, Kinder und medizinisches Personal

Berlin

Während sich der Sommer langsam, aber sicher verabschiedet, können wir bereits die ersten Vorboten des Herbstes beobachten. Die Temperaturen sinken und am Abend wird es früher dunkel. Die Übergangszeit zwischen der warmen und der kalten Jahreszeit ist angebrochen. Eine Zeit, in der sich jedes Jahr wieder besonders viele Menschen mit Grippeviren infizieren. Dem bevorstehenden Zusammentreffen von saisonalen Grippeerkrankungen und der anhaltenden Corona-Epidemie sehen viele Ärzte mit Sorge entgegen. Von der Ausweitung der Grippe-Impfungen raten die meisten Mediziner dennoch ab. Vor allem Menschen, die Risikogruppen angehören, sowie Kinder sollten geimpft werden. Für die Experten der Helios Arbeitsmedizin zählen dazu auch Ärzte und Pflegekräfte. Wir erklären die Hintergründe.

Grippeimpfungen für Risikogruppen: wer zählt dazu?

Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie begleiten uns nun schon seit mehr als einem halben Jahr. Bereits zu Beginn der Krise haben Ärzte und Virologen vor einem Aufeinandertreffen von Sars-CoV-2 und saisonal auftretenden Influenza-Viren gewarnt. Nun hat sich die Ständige Impfkommission (STIKO) in einer aktuellen Stellungnahme gegen eine allgemeine Impfempfehlung für die gesamte Bevölkerung ausgesprochen und rät stattdessen, Grippeimpfungen für Risikogruppen klar zu fokussieren. Die Kommission betont in ihrem Schreiben, dass „[…] der größte Effekt zum Schutz der Menschen und zur Entlastung des Gesundheitssystems erzielbar sei, wenn die Influenzaimpfquoten entsprechend der STIKO-Empfehlung vor allem in den Risikogruppen erheblich gesteigert werden.“ Zu den Risikogruppen zählen laut des Expertengremiums Senioren und chronisch Kranke.

Viele Kinderärzte empfehlen die Impfungen gegen die Grippe mittlerweile auch für die Jüngsten unserer Bevölkerung. In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ betonte Johannes Hübner, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, dass viele Kinder jeden Winter mit starken Grippesymptomen stationär aufgenommen werden und in einigen Fällen sogar mit Sauerstoff versorgt werden müssten. Die Impfung für Kinder falle somit auch unter die derzeitige gesellschaftliche Verpflichtung, gefährdete Mitmenschen besonders zu schützen. Zudem empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Influenza-Regelimpfung für Kinder bereits ab einem Alter von sechs Monaten. Und auch Gesundheitsminister Jens Spahn begrüßt die Vorsorge-Maßnahmen. Der „Welt am Sonntag“ sagte er: „Gleichzeitig eine größere Grippewelle und die Pandemie kann das Gesundheitssystem nur schwer verkraften.“ Umso wichtiger erscheint in diesem Zusammenhang die zusätzliche Empfehlung der STIKO, auch Ärzte, Pflegekräfte, Schwangere und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen mit dem Impfstoff auszustatten und so nicht nur den Schutz von Patienten, sondern auch die Gesundheit von den in den Kliniken und Pflegeheimen tätigen direkten Kontaktpersonen zu garantieren.

 

Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Patienten: Arbeitsschutz in Kliniken

Zusätzlich zu ihrer dringenden Empfehlung, die Influenza-Impfquote besonders in den Risikogruppen stark zu erhöhen, appelliert die STIKO somit auch an Ärzte und Pflegekräfte. Für diese gilt zudem bereits seit 2015 das sogenannte Präventionsgesetz, im Rahmen dessen Träger haftbar gemacht werden können, wenn Mitarbeiter die Patienten oder Bewohner in Kliniken oder Heimen anstecken. Für ältere Menschen und Schwangere oder Patienten, die chronisch krank sind oder eine Immunschwäche aufweisen, kann die Grippe-Erkrankung schlimmstenfalls sogar lebensbedrohlich sein. Dies gilt es mit den richtigen Präventionsmaßnahmen zu verhindern. Ein weiterer Aspekt ist jedoch auch der Schutz der Ärzte und Pflegekräfte.

„Ärzte und medizinisches Fachpersonal sind tagtäglich für die Gesundheit ihrer Patienten verantwortlich. Mit der Grippeimpfung schützen sie aber auch ihr eigenes soziales Umfeld und vor allem sich selbst“, bestätigt Dr. med. Ivonne Hammer, Fachärztin für Arbeitsmedizin und Ärztliche Leiterin der Helios Arbeitsmedizin.

Für die Durchführung der Impfung sind in den Häusern entweder der betriebsärztliche Dienst oder externe Betriebsärzte zuständig. Wie wichtig die Impfung der Mitarbeiter für einen reibungslosen Klinikalltag ist, macht ein weiterer Passus des Präventionsgesetzes deutlich. Dieser schreibt vor, dass Klinik- und Heimleitungen verpflichtet sind, nicht-geimpften Mitarbeitern einen alternativen Arbeitsplatz zuzuweisen, um Patienten und Bewohner, aber auch Kollegen nicht zu gefährden. Dies könnte besonders dann, wenn die Zahl der Corona-Infektionen wieder stark ansteigen sollte, zu erheblichen Engpässen in der medizinischen Versorgung führen. Helios-Expertin Dr. Ivonne Hammer rät aus diesem Grund dazu, frühzeitig auf Ärzte und Pflegekräfte zuzugehen und die Vorteile einer Impfung proaktiv zu kommunizieren. Nur so könne das oftmals fehlende Vertrauen in die Sicherheit und die Effektivität des Impfstoffes wieder verstärkt werden.

 

Der richtige Zeitpunkt: wann ist eine Grippeimpfung am sinnvollsten?

Mit einem speziellen Flyer ruft das RKI in Berlin medizinisches Personal jedes Jahr dazu auf, sich gegen die Grippe-Viren impfen zu lassen. Einen konkreten Zeitpunkt benennt das Institut dafür jedoch nicht.  „Wichtig ist vor allem, dass die Impfung überhaupt vorgenommen wird. Sinnvoll ist es natürlich, sich im September oder Oktober impfen zu lassen, da sich im Anschluss meist die erste Grippewelle bemerkbar macht. Es ist aber ebenso möglich, sich beispielsweise noch im Dezember mit dem Impfstoff auszustatten“, erklärt Dr. med. Ivonne Hammer.  Für die kommende Grippesaison rechnet die STIKO in ihrem Empfehlungsschreiben mit etwa 25 Millionen Dosen Impfstoff - einer deutlich höheren Menge als in den vergangenen Jahren. Wie sich die Krankheitsverläufe in Kombination mit den Corona-Viren entwickeln werden, bleibt dennoch weiterhin abzuwarten. Neben den Präventions- sind es jedoch vor allem die kontaktreduzierenden Schutzmaßnahmen, die auch im kommenden Herbst für Entlastung sorgen könnten. So sei bereits während der Kontaktbeschränkungen im März eine deutlich geringere Anzahl an Grippefällen festgestellt worden. Eine durchaus positive Entwicklung, die durch eine erhöhte Influenza-Impfquote mit Sicherheit noch einmal verstärkt werden könnte.