Trotz Corona zur Krebsversorge

Trotz Corona zur Krebsversorge

Dr. Wolfgang Blau, Leiter des Onkologischen Zentrums der Helios HSK Wiesbaden beantwortet Fragen zum Thema Krebs. Der Schwerpunkt liegt auf dem wichtigen Thema Vorsorge.

Die Corona-Pandemie sollte kein Grund sein, wichtige Vorsorgetermine oder Behandlungen nicht wahrzunehmen. Da an den Helios HSK aktuell 81Prozent der Mitarbeiter:innen geimpft sind, sind die Patienten sehr sicher. Dem zertifizierten Onkologischen Zentrum in Wiesbaden gehören zehn spezialisierte Organzentren an, die eng und fachübergreifend zusammenarbeiten.

Ab welchem Alter ist Krebsvorsorge sinnvoll und in welchen Abständen sollte die Vorsorgeuntersuchung wiederholt werden?

Die Darmkrebsvorsorge sollte ab einem Alter von 50 alle 10 Jahre durchgeführt, ein Test auf Blut im Stuhl zwischen 50 und 54 Jahren jährlich, ab 55 alle zwei Jahre. Wenn dieser positiv ist, erfolgt eine Abklärung durch eine Darmspiegelung. Ein Hautkrebsscreening wird ab 35 alle zwei Jahre und die klinische Untersuchung der Prostata ab 45 empfohlen. Die Brustkrebsvorsorge erfolgt beim Frauenarzt ab 30, die Mammografie als Screening alle zwei Jahre ab 50. Ebenfalls zur Vorsorge beim Frauenarzt gehört der Abstrich zur Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs ab 20. Er kann ab dem 35. Lebensjahr durch eine HP-Virusbestimmung abgelöst werden.

Welche Vorsorgeuntersuchungen werden ab wann von den Krankenkassen übernommen?

Von den genannten Vorsorgeuntersuchungen zahlen die Krankenkassen die vorsorgliche Darmspiegelung, den Stuhltest, das Hautkrebsscreening die klinische Untersuchung der Prostata und die jährlichen gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen.

Welche Symptome sollte man unbedingt vom Arzt abklären lassen?

Symptome wie Fieber, Nachtschweiß und ungewollter Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts und plötzliche Vergrößerungen von Lymphknoten sollten unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden. Wechselndes Stuhlverhalten zwischen Verstopfung und Durchfall können ein Hinweis auf Veränderungen im Darm sein. Eine hartnäckige „Lungenentzündung“ und Husten, insbesondere bei (Ex-) Rauchern sollte ebenfalls ein Arzt untersuchen.

Wie kann ich selbst das Risiko, an Krebs zu erkranken reduzieren?

Wer sein Krebsrisiko senken möchte, sollte auf das Rauchen, Alkohol und ungeschützte Sonneneinstrahlung verzichten. Präventiv wirkt moderater Ausdauersport von 150 Minuten pro Woche, Vermeidung von Übergewicht und eine Ernährung, die reich an Vollkornprodukten, Obst und Gemüse ist. Zucker- und fettreiche Nahrung sowie Wurst- und Fleischprodukte in größeren Mengen erhöhen das individuelle Krebsrisiko. Die Impfung gegen das Humane Papillom-Virus im Alter zwischen 14 und 18 Jahren schützt vor Gebärmutterhals- und Mund-Rachen-Krebs.

Bei welchen Krebsarten gilt man als erblich vorbelastet und sollte sich früh untersuchen lassen, wenn die Eltern an Krebs erkrankt sind?

Erbliche Krebserkrankungen sind insgesamt selten. Sie spielen vor allem bei Darmkrebs und Brustkrebs eine Rolle. Wenn Patienten sehr jung erkranken, bei speziellen Krebsformen und einer Krebsbelastung in der Familie bieten die behandelnden Ärzte eine spezielle humangenetische Beratung an.