„Im Herzzentrum werde ich ein Profi“

„Im Herzzentrum werde ich ein Profi“

Baraa Abdul Munam ist gelernter Gesundheits- und Krankenpflegehelfer. Im September hat er die Ausbildung zur examinierten Pflegekraft im Herzzentrum Leipzig begonnen. Aus familiären Gründen ist diese zeitweise pausiert. In der Zwischenzeit unterstützt er den Standort mit seiner überzeugten Arbeitsweise – die menschliche Nähe ist ihm dabei in Zeiten sozialer Distanz besonders wichtig.

Baraa hat seine Heimat Syrien vor acht Jahren verlassen. Nach zwei Jahren in der Türkei kam er 2015 nach Deutschland. Er lebt gemeinsam mit seinen zwei Kanarienvögeln in Leipzig, seine Eltern leben in Grimma. „Bei uns steht der Familienverbund immer an erster Stelle. Das gehört auch zur Menschlichkeit“, erzählt der 24-Jährige. Die Menschlichkeit und der unabdingbare Wille, anderen Gutes zu tun, sind die Basis seines Berufswunsches. „Ich möchte bis zu der letzten Minute in meinem Leben Menschen helfen.“ Die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpflegehelfer habe er vor allem in der Altenpflege und Reha verbracht. Doch die Medizin, vor allem die Kardiologie, finde er besonders interessant. Darum entschied er sich bewusst, seine weiterführende Ausbildung im Herzzentrum Leipzig zu beginnen. „Die Krankheitsbilder, die man hier sieht und lernt, finde ich spannend. Während meiner ersten Ausbildung in der Pflege habe ich die gar nicht gesehen“, berichtet Baraa Abdul Munam. Sein großes Ziel sei es, eines Tages Medizin zu studieren. Da sein syrisches Abitur in Deutschland nicht anerkannt wurde, entschied er, vorerst als Pflegekraft in die Branche einzusteigen.

Für mich ist es auch eine große Chance, weil mich das Thema Herz sehr interessiert und ich noch mehr darüber lernen möchte. Ich fühle mich hier gut aufgehoben.

Baraa Abdul Munam ist Gesundheits- und Krankenpflegehelfer

Unterstützung für die Covid-Stationen

Baraa erzählt, dass er sich im Haus von Anfang an sehr willkommen gefühlt habe. „In der ersten Zeit der Ausbildung waren alle für mich da, von der Schulleitung bis zu den Kollegen. Egal, was ich brauchte, man half mir.“ Als ein Mensch, der gerne viel fragt, freue er sich sehr darüber, dass seine Kolleginnen und Kollegen ihm stets geduldig Rede und Antwort stünden. So könne er sein Wissen durch ihre Erfahrung erweitern. Überzeugt sagt er: „Ich bin kein Profi, aber ich bin mir sicher, dass ich einer werde, wenn ich hierbleibe.“

Baraa macht eine Ausbildung am Herzzentrum Leipzig
Baraa erlebt die Auswirkungen der Corona-Pandemie täglich auf Station und im Alltag. Foto: Christian Hüller

Die Corona-Pandemie macht dem 24-Jährigen noch bewusster, wie wichtig sein Beruf für die Gesellschaft ist. Besonders der Gedanke der Menschlichkeit liegt ihm sehr am Herzen. Um seine Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen, hat er seinen Einsatz auf der Corona-Station angeboten. Die Hygienemaßnahmen und soziale Distanz sind für Baraa allerdings kein Grund für emotionale Distanz – im Gegenteil: „Es gibt Menschen, die über Wochen bei uns sind und keinen Besuch bekommen dürfen. Das ist sehr traurig. Wir sollen Distanz halten, aber wir müssen gleichzeitig trotzdem versuchen, Nähe zu vermitteln. Dazu brauchen wir mehr Gefühle.“ Außerdem brauche es Vertrauen und mehr Zeit für jeden einzelnen. Um seine Kollegen auf der Corona-Station zu unterstützen, nimmt Baraa auch persönliche Einschränkungen in Kauf. Seine Eltern gehören selbst zur Risikogruppe. „Ich war vorgestern bei ihnen und es war das erste Mal, dass ich mit Mundschutz dort war und sie nicht einmal angefasst habe. Normalerweise küsse ich ihre Hände und umarme sie, wenn ich reinkomme.“ Um weiterhin motiviert zu bleiben, halte er sich vor Augen, dass die Pandemie auch ein Ende haben wird. Und bis dahin wolle er helfen, dass viele Menschen gesund werden können.

Ich bin kein Profi, aber ich bin mir sicher, dass ich einer werde, wenn ich hierbleibe.

Respektvoller Umgang ist wichtig

Auf die Frage, was wir Deutschen von seiner Heimat Syrien lernen könnten, antwortet er: „Die Menschen haben eine andere Kommunikation miteinander. Es ist alles unkomplizierter. Wenn man einen Freund oder eine Freundin treffen möchte, verabredet man sich nicht. Man geht einfach bei ihnen klopfen und schaut, wer gerade da ist.“ Baraa erzählt, dass er stolz auf seine Heimat sei. Für den Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen wünscht er sich Respekt. „In jedem Land, egal wo auf der Welt, gibt es gute und schlechte Menschen. Wir können das nicht ändern. Mir ist wichtig, dass die Menschen so mit mir umgehen, wie ich mit ihnen umgehe.“

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Eva Santos ist eine von rund 20 portugisischen Pflegekräften, die 2019 ans Herzzentrum und Helios Park-Klinikum Leipzig kamen. Seit einem Jahr bereichert sie nun die IMC-Station ICKA im Herzzentrum und berichtet von ihrer spannenden Zeit.