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Pflegepädagogik bei Helios: Juliette Nadine Becker über Freiraum, Haltung und Weiterentwicklung

Wie sieht eine typische Woche einer Pflegepädagogin aus? Was macht guten Pflegeunterricht eigentlich aus? Und warum sollte Diversität im Klassenzimmer längst keine Ausnahme mehr sein, sondern Normalität? Im Interview gibt es Antworten aus erster Hand.

30.09.2026 Lesedauer: - Min.
Juliette Nadine Becker Berufsfachschule

Die Antworten auf diese Fragen liefert Juliette Nadine Becker, stellvertretende Schulleitung an der Helios Medizinischen Berufsfachschule Leipzig. Im Interview gibt sie einen Einblick in ihren Berufsalltag als Pflegepädagogin.

Wie sah Ihr Berufsweg vor Helios aus und was hat Sie zu Helios gebracht?

Nach meiner Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin habe ich mich initiativ bei Helios beworben und so meine erste Stelle auf der IMC und der Intensivstation im Helios Park-Klinikum Leipzig bekommen. Während dieser Zeit habe ich in Teilzeit Medizinpädagogik studiert, zunächst den Bachelor. Anschließend habe ich als Medizinpädagogin an einer anderen Einrichtung gearbeitet und dort praktische Unterrichtserfahrung gesammelt. Als die Medizinische Berufsfachschule Helios Leipzig am Standort eröffnet wurde, hat es mich zurück zu Helios gezogen.

Wie sieht eine typische Woche für Sie aus?

Meine Wochen sind sehr individuell und abwechslungsreich. Als Lehrerin bereite ich meinen Unterricht vor und nach, unterrichte und schreibe Klassenarbeiten, Klausuren und Testate. Dabei überlege ich immer wieder, wie ich meinen Unterricht aktuell und spannend halten kann. Ich unterrichte hauptsächlich die Fachbereiche Psychiatrie und das Wahlpflichtfach Diversität. Dazu kommt der Austausch mit den Auszubildenden im Rahmen ihrer Ausbildung. Ich organisiere und begleite außerdem Praxisbegleittermine und plane außerunterrichtliche Projekte für die Auszubildenden, zum Beispiel den bundesweiten Aktionstag „Schichtwechsel“ oder die Teilnahme an anderen externen Austauschformaten.

Neben dem Unterricht gibt es in unserem Team feste Termine, die den Schulalltag strukturieren. Im Pädagogischen Zirkel tauschen wir uns einmal im Monat zu Unterrichtsthemen und Auszubildenden aus, in der monatlichen Dienstberatung geht es um alles Organisatorische rund um den Schulbetrieb. Zweimal im Jahr treffen wir uns beim Netzwerktreffen mit Praxisanleitenden aus den Kliniken und dem Lehrpersonal der Schule, und dreimal im Jahr nehmen wir an einer Supervision teil, in der wir Themen aus dem Schulalltag vertieft besprechen. Einmal im Jahr findet außerdem eine Klausurtagung zur Schul- und Unterrichtsentwicklung statt, und vor und nach den Prüfungsphasen gibt es ein eigenes Austauschformat.

Was macht für Sie guten Pflegeunterricht aus?

Guter Pflegeunterricht ist für mich auszubildendenorientiert, aktuell und divers. Er ist fachlich anspruchsvoll, aber nicht nur reine Stoffvermittlung. Die psychiatrische Perspektive sehe ich dabei nicht losgelöst, sondern integriert in Fallsituationen, die in jedem pflegerischen Setting auftreten können, etwa die Angst vor Operationen, die psychische Belastung von Angehörigen oder der Umgang mit Autonomie und Fremdbestimmung. Auch Diversität ist für mich kein Sonderthema, sondern Normalität. Es geht darum, die eigenen Annahmen und Privilegien zu erkennen und die eigene Perspektive zu erweitern: Was ist anderen Menschen wichtig, und wie sehen ihre Lebensrealitäten aus? Genauso wichtig ist mir Fehlerfreundlichkeit. Auszubildende brauchen einen Raum, in dem Fehler angesprochen werden können und in dem wir gemeinsam Strategien entwickeln, um daraus zu lernen. Und nicht zuletzt geht es darum, eine Haltung zu entwickeln: Pflege ist nicht nur das Ausführen von Anordnungen oder die Körperpflege, sondern hat eigene Aufgaben, die diesem Beruf vorbehalten sind.

Wie viel Freiraum haben Sie, Ihren Unterricht selbst zu gestalten und weiterzuentwickeln?

Ich habe sehr großen Freiraum. Wichtig sind mir dabei der enge Austausch mit meinen Kolleg:innen und die gemeinsame Arbeit am Curriculum. Auch die Evaluation des eigenen Unterrichts spielt eine große Rolle, ebenso wie die eigene Weiterbildung. Künstliche Intelligenz zum Beispiel bleibt nicht vor den Klassenzimmern stehen, und auch damit setze ich mich auseinander.

Wie arbeiten Sie im Team am Bildungszentrum zusammen, gerade wenn es um Unterrichtskonzepte oder Prüfungen geht?

Der Austausch findet vor allem im Pädagogischen Zirkel, in der Dienstberatung, in der Supervision und bei der Klausurtagung statt. Dazu kommen die Netzwerktreffen und ganz klassisch die Gespräche in der Mittagspause.

Was schätzen Sie am Netzwerk der Helios Bildungszentren, auch im Austausch mit anderen Standorten?

Ich habe mehrfach am klinischen Kongress in Berlin teilgenommen, immer mit eigenen Beiträgen, und bin seitdem sehr am Austausch zu verschiedenen Projekten interessiert. Aktuell stehe ich zum Beispiel mit der Pflegedirektion eines anderen Helios Standorts im Austausch, wenn es um Ansprechpersonen für unser Erasmusprojekt geht. Auch zum Thema Diversität hatte ich schon die Möglichkeit, standortübergreifend ein Wissensziel mit zu entwickeln. Die Erarbeitung und der Austausch in dieser Zeit waren sehr professionell. Wenn man Austausch möchte, ist man bei Helios richtig. Erfahrungen und Wissen werden hier geteilt.

Welche Angebote von Helios nutzen Sie selbst für Ihre fachliche und persönliche Weiterentwicklung?

Aktuell nehme ich an dem Programm Start-up Führung teil. Daneben nutze ich die Helios Zentralbibliothek, die Lernbar und LinkedIn, aber auch externe Angebote, vor allem im Bereich Schulentwicklung und Demokratiegestaltung.

Was würden Sie einer Pflegepädagogin bzw. einem Pflegepädagogen sagen, die oder der überlegt, zu Helios zu wechseln, aber noch zögert?

Ein Wechsel ist nie eine „kleine“, Entscheidung und nirgendwo ist alles perfekt. Was ich aber sagen kann: Uns verbindet eine gemeinsame Haltung. Es geht bei uns nicht nur um reine Wissensvermittlung, sondern darum, Auszubildende zu befähigen, Situationen zu hinterfragen und Pflege als eigene Profession zu verstehen. Dazu gehört ein offener Blick auf unterschiedliche Menschen, ihre Lebensrealitäten und ihre Welten, verbunden mit der Bereitschaft, das auch anzuerkennen. Bei uns zählen die pädagogische Haltung, Menschlichkeit, die eigene pädagogische Handschrift und die Lust auf Gestaltungsspielraum, ebenso wie die Möglichkeit, sich immer weiterzuentwickeln.