Bisher gab es in Deutschland kein Lungenkrebsfrüherkennungsprogramm, wie es beispielsweise in der Brust- oder Darmkrebsvorsorge existiert. Nun hat sich einiges getan. „Früherkennung hat ein klares Ziel: Sie soll Lungenkrebs in einem frühen Stadium aufspüren, in dem eine heilende oder längerfristig kontrollierende Behandlung noch möglich ist“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Joachim Schmidt, Leiter des DKG-zertifizierten Lungenkrebszentrums, Chefarzt der Thoraxchirurgie am Helios Klinikum und Direktor der Klinik für Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Bonn.
Lungenkrebs: häufig unentdeckt und häufig tödlich
Rund 45.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Lungenkrebs, damit ist dieser bei Männern die häufigste Krebs-Todesursache, bei Frauen die zweithäufigste. „Zu Beginn der Erkrankung verursacht Lungenkrebs kaum Beschwerden und wird daher häufig erst spät entdeckt, meist wenn bereits Metastasen vorliegen und der Krebs sich ausgebreitet hat,“ erklärt Prof. Schmidt. „Das systematische Lungenkrebsscreening ist nun ein großer Gewinn für die Betroffenen, da wir damit sehr viele Krebsfälle in frühen Stadien entdecken werden“, ergänzt Priv.-Doz. Dr. med. Selcuk Tasci, Chefarzt der Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin an den beiden Helios-Kliniken Bonn/Rhein-Sieg und Siegburg. Bisher wurde nur bei eindeutig auftretenden Symptomen wie langanhaltendem Husten oder Bluthusten eine radiologische Untersuchung als Kassenleistung verordnet.
Was ist die Lungenkrebsfrüherkennung?
Unabhängig von bereits auftretenden Beschwerden sind nun starke und langjährige Raucherinnen und Raucher ab 50 Jahren berechtigt, sich mit einem sogenannten Niedrigdosis-CT auf Lungenkrebs untersuchen zu lassen. Bei dieser radiologischen Untersuchung werden in einer Computertomografie räumliche Bilder der Lunge erstellt, auf denen Tumore bzw. verdächtige Gewebeverdichtungen in der Regel gut zu erkennen sind. Startpunkt für Personen mit Risiko einer Lungenkrebserkrankung ist ein hausärztliches Beratungsgespräch, auf das eine Überweisung an eine radiologische Praxis zum Screening folgt.
Starke Kooperation im Lungenkrebszentrum zur Befund-Abklärung und Prüfung
„Wer nach der CT-Untersuchung einen auffälligen Befund erhält, sollte sich an ein spezialisiertes Lungenkrebszentrum wenden. Dort stehen die erforderliche Erfahrung sowie Hightech-Ausrüstung für eine sichere Diagnose und Therapie zur Verfügung“, rät Prof. Schmidt.
Für das Lungenkrebsscreening in Bonn haben sich neben den vier Krankenhäusern des Lungenkrebszentrums auch die vier großen radiologischen Praxen der Region zusammengeschlossen, um eine optimale und reibungslose Versorgung für die Teilnehmer anbieten zu können. So können die Patient:innen bequem einen Termin zur Erstbefundung bei den radiologischen Praxen Kaiser-Passage, Radiologie am Rhein, Radiologie Siegburg und dem Praxisnetz vereinbaren. Kommt es zu Auffälligkeiten, werden die Bilder automatisch zur Zweitbefundung an die spezialisierten Häuser weitergeleitet. Auch für die Befundbesprechung unter der Expert:innen, die weitere Abklärung oder auch Operation stehen die Spezialist:innen des Lungenkrebszentrums zur Verfügung. „Alleine bei Helios behandeln wir Lungenkrebs über 32.000-mal pro Jahr und ermöglichen unseren Patientinnen und Patienten unabhängig vom Standort Zugang zu unseren Expertinnen und Experten“, sagt Dr. Tasci.
In den spezialisierten Lungenkrebszentren werden Entscheidungen über eine individuelle Behandlung stets interdisziplinär mit dem geballten Wissen aus unterschiedlichen Fachrichtungen getroffen. Zudem werden moderne Verfahren wie Künstliche Intelligenz zur Unterstützung der Befundanalyse eingesetzt.
Moderne Diagnostik und Behandlungsmethoden: präzise und minimalinvasiv
Durch das Lungenkrebszentrum erhalten die Teilnehmenden an gleich zwei Standorten (Helios & Universitätsklinikum) Zugang zur Diagnostik mit dem innovativen roboterassistierte Bronchoskopie-System Ion. Dieses ermöglicht Ärztinnen und Ärzten durch eine KI-generierte 3D-Karte der Lunge, besonders tief vorzudringen und Proben von verdächtigem Lungengewebe zu entnehmen. Bestätigt sich der Verdacht auf ein Lungenkarzinom, kann dieses je nach Behandlungsplan in einem minimalinvasiven Verfahren mit dem robotischen Assistenzsystem DaVinci entfernt werden. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dies im besten Fall die Option auf einen früheren Behandlungsbeginn, möglichst schonende Eingriffe und schnellere Wundheilung.
Die vier klinischen Standorte sind jeweils als eigenständige Standorte von der DKG zu Lungenkrebszentren zertifiziert und bilden im Verbund mit den Helios Kliniken Bonn/Rhein-Sieg und Siegburg, dem Universitätsklinikum Bonn und den Johanniter-Kliniken Bonn außerdem ein kooperatives Lungenkrebszentrum mit vier Standorten. Das kooperative Lungenkrebszentrum ist eines der größten und ältesten (seit 15 Jahren DKG-zertifiziert) Lungenkrebszentren in Deutschland. Jährlich werden knapp 600 Primärdiagnosen gestellt und über 230 große Lungenkrebsoperationen durchgeführt.
Stationäre und ambulante Spezialist:innen für Pneumologie, Thoraxchirurgie und Onkologie sowie Expert:innen weiterer Fachdisziplinen setzen sich gemeinsam für eine optimale Betreuung von an Lungenkrebs erkrankten Menschen ein.
Wer ist für das Lungenkrebsscreening berechtigt?
In Deutschland haben nun aktive und ehemalige Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang stark geraucht haben, ab dem 1. April 2026 einmal jährlich Anspruch auf ein präventives Lungenkrebsscreening:
- Alter: Menschen zwischen 50 und 75 Jahren
- Dauer: Zigarettenkonsum ohne Unterbrechung seit mindestens 25 Jahren
- Höhe: Zigarettenkonsum entspricht mindestens 15 sogenannten „Packungsjahren“ (20 Zigaretten pro Tag über 15 Jahre hinweg)
- Bei starken Ex-Rauchern: Rauchstopp vor weniger als 10 Jahren
Offene Fragen abklären: Helios Live-Webinar am 23. April
Wer mehr über das Thema Lungenkrebsfrüherkennung erfahren möchte, kann sich aus erster Hand bei den Helios Lungenfachärztinnen und -ärzten informieren, wie das Screening abläuft und welche Möglichkeiten bestehen, falls dabei ein auffälliger Befund festgestellt werden sollte.
Das einstündige Webinar mit Chefarzt Prof. Dr. Tim Hirche, Co-Leiter des Lungenkrebszentrums der Helios HSK Wiesbaden, findet am Donnerstag, 23. April 2026, um 18:30 Uhr online statt und ist mithilfe von einem Laptop, PC, Smartphone oder Tablet möglich. Eine anonyme Teilnahme ist möglich. Persönliche Fragen können über den Chat gestellt werden, die von den Fachärztinnen und -ärzten unmittelbar beantwortet werden. Anmeldung zum Webinar unter: helios-gesundheit.de/lunge
Selbsttest
Screening-Interessierte können mit unserem Online-Selbsttest herausfinden, ob eine Untersuchung zur Lungenkrebsfrüherkennung für sie infrage kommt.
Erklärvideo Helios Patientenjourney: Was ist das Lungenkrebsscreening?