Jedes Jahr erhalten rund 400.000 Menschen in Deutschland ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk. Am Helios Klinikum München West setzt das Team des Endoprothetikzentrums dabei seit 2022 auf roboter-assistierte Technik mit dem Mako-System. Im Interview erklärt Prof. Dr. Martin Thaler, Chefarzt und Leiter des Muskuloskelettalen Zentrums Oberbayern, was die Methode auszeichnet und für wen sie besonders sinnvoll ist.
Herr Prof. Thaler, was genau ist das Mako-System und wie funktioniert es?
Prof. Dr. Martin Thaler: Der Mako ist ein roboter-assistiertes Operationssystem. Es unterstützt uns bei der Implantation von Hüft- und Knieprothesen. Dazu erstellen wir im Vorfeld anhand einer Computertomografie, also einer speziellen Röntgenaufnahme mit 3D-Darstellung, ein exaktes Modell des Gelenks. So können wir den Eingriff millimetergenau planen und das individuell abgestimmt auf die Anatomie der Patientin oder des Patienten. Während der Operation führt der Roboter das Instrument exakt innerhalb der vorher definierten Grenzen. Weichen wir davon ab oder üben zu viel Druck aus, gibt das System einen spürbaren Widerstand. Es hilft uns also, die Prothese noch präziser zu setzen. Die Entscheidung liegt aber immer beim ärztlichen Team.
Welche Vorteile hat das für die Betroffenen?
Mehrere. Die exakte Platzierung der Prothese verbessert die Funktion und Haltbarkeit. Gerade für aktive Menschen ist das ein großer Pluspunkt. Außerdem haben viele nach der Operation weniger Schmerzen, sind schneller mobil und können früher nach Hause. Die Mobilisation beginnt fast immer bereits am Tag der OP. Das beschleunigt die Genesung und verringert das Risiko von Komplikationen. Auch langfristig zeigen Studien: Wenn die Prothese optimal sitzt, sind weniger Folgeoperationen nötig. Das erhöht die Lebensqualität natürlich deutlich.
Für wen ist das Verfahren besonders geeignet?
Grundsätzlich eignet es sich für alle, die regulär für ein künstliches Hüft- oder Kniegelenk infrage kommen – übrigens unabhängig vom Versicherungsstatus. Besonders profitieren Menschen mit komplexen Gelenkverhältnissen, etwa nach früheren Brüchen oder bei starken Fehlstellungen. Auch bei fortgeschrittener Arthrose, also Gelenkverschleiß, bietet die Technologie klare Vorteile. Und nicht zuletzt ist es ein Gewinn für jüngere oder sportlich aktive Menschen, die hohe Ansprüche an Beweglichkeit und Haltbarkeit stellen.
Wie verändert sich die Nachbehandlung durch die Technik?
Die roboter-assistierte Operation erlaubt eine sehr gewebeschonende Arbeitsweise. Das bedeutet: weniger Schwellungen, weniger Schmerzen, schnellere Mobilisierung. Bei vielen Betroffenen ist das neue Gelenk bereits am Tag der Operation voll belastbar. Dadurch verkürzt sich oftmals der Klinikaufenthalt. Wir entlassen unsere Patientinnen und Patienten, wenn sie sicher stehen, gehen und Treppen steigen können. Das ist oft schon nach wenigen Tagen möglich. Trotzdem begleiten wir sie engmaschig mit einem individuell abgestimmten Nachsorgeplan weiter.
Wie erfahren ist Ihr Team im Umgang mit dem System?
Ich selbst verwende den Mako-Operationsroboter bereits seit 2018. Im Helios Klinikum München West haben wir das System vor drei Jahren eingeführt. Seitdem haben wir mehrere hundert Eingriffe an Hüfte und Knie erfolgreich durchgeführt. Das gesamte Team wurde intensiv geschult. Zudem tauschen wir uns regelmäßig mit anderen erfahrenen Zentren aus. Ich selbst bilde auch Kolleginnen und Kollegen aus dem deutschsprachigen Raum aus. Die Erfahrungen, die wir sammeln, fließen direkt in unsere tägliche Arbeit ein. Davon profitieren letztlich die Menschen, die zu uns kommen.
Viele denken bei Roboter-Operationen an Technik statt Menschlichkeit. Wie passt das zusammen?
Sehr gut, ehrlich gesagt. Die Technik ist ein Werkzeug, das bei der Operation assistiert. Nicht mehr und nicht weniger. Sie gibt Sicherheit, unterstützt die Präzision und hilft uns dabei, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Aber sie ersetzt nicht den ärztlichen Blick, nicht das Gespräch oder die individuelle Einschätzung. Die persönliche Betreuung steht für uns an erster Stelle. Der Roboter ist eine sinnvolle Ergänzung.
Was möchten Sie Menschen mit auf den Weg geben, die vor einer Hüft- oder Knieoperation stehen und sich unsicher fühlen?
Ich kann gut verstehen, dass eine solche Entscheidung nicht leichtfällt. Was wir anbieten können, ist ärztliche Erfahrung, moderne Technik und ein individuelles, ehrliches Gespräch. Niemand soll sich zu etwas überreden lassen. Aber wer sich informiert, merkt oft schnell: Ein gut gemachter Gelenkersatz kann viel Lebensqualität zurückgeben, gerade dann, wenn Schmerzen und Bewegungseinschränkungen zum ständigen Begleiter geworden sind. Und wenn wir mit unserer Erfahrung dazu beitragen können, ist das für uns die größte Motivation.
Bildunterschrift: Prof. Dr. Martin Thaler ist Chefarzt für Endoprothetik am Helios Klinikum München West und Leiter des Muskuloskelettalen Zentrums Oberbayern (© Helios / Andreas Köhler)
Interview OP-Roboter in der Endoprothetik