Interview mit Dr. Reza Ghotbi

Anfang April hat das Helios Klinikum München West für mehrere Tage vorsorglich jegliche Patientenaufnahmen und Entlassungen gestoppt. Der Grund war ein gehäuftes Auftreten von Covid-19-Fällen. Nach einer umfassenden Testung von rund 1.200 Personen – Patienten wie Mitarbeiter – entspannte sich die Situation schnell wieder. Der Ärztliche Direktor Dr. Reza Ghotbi berichtet im Interview über die besonderen Tage und erzählt, was sich mit Corona im Pasinger Krankenhaus verändert hat.

Wie haben Sie die vergangenen Tage und Wochen im Helios Klinikum München West erlebt?
In den vergangenen Tagen gab es sehr viel zu tun. Ich war mit den veränderten Prozessen innerhalb des Krankenhauses beschäftigt. Dabei musste geklärt werden, in welchen Bereichen welche Ärzte und Pflegekräfte eingesetzt werden, um eine optimale räumliche und personelle Trennung zwischen Covid-19 positiv und negativ getesteten Patienten zu gewährleisten. Mein besonderer Dank gilt dabei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir erfahren gerade einen enormen Zusammenhalt und viel Verständnis für die verschiedenen Maßnahmen. Alle geben jeden Tag ihr Bestes.

War der Aufnahmestopp notwendig?
Mithilfe dieser Maßnahme konnten wir uns einfacher restrukturieren. Das Ziel war die wichtige Trennung zwischen den Corona-Stationen und den anderen Abteilungen wiederherzustellen. Bereits seit Beginn der Corona-Krise haben wir am Klinikum eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die aktuelle Situation täglich neu bewertet und entsprechende Schritte einleitet. Als ein wesentlicher Baustein eines dynamischen Prozesses, der immer wieder Änderungen verlangt, haben wir gelernt, die neuen Entwicklungen zeitnah zu reflektieren und unsere Maßnahmen nachzujustieren.

Um welche Maßnahmen handelt es sich dabei? 
Wir hatten bereits eine Covid-19-Ambulanz mit eigenem Zugang, konnten die räumlichen Umstrukturierungen aber nochmal überprüfen und anpassen, um den Schutz der Patientinnen und Patienten sowie Beschäftigten zu erhöhen. Zudem sind alle Mitarbeiter angehalten, mit einem Mund-Nasen-Schutz zu arbeiten und es gelten erweiterte Social-Distancing-Vorgaben. Zusätzlich haben wir ein Stufenprogramm entwickelt, um unsere Mitarbeiter regelmäßig auf eine Covid-19-Erkrankung zu testen. Dabei greifen wir auch auf eine SARS-2 Antikörperbestimmung zurück, um mit diesem neuen Test Erfahrung zu sammeln und Zusammenhänge im Verlauf zu erkennen. Nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern auch sämtliche Patienten, die wir stationär aufnehmen werden auf Covid-19 getestet.

Gibt es weiterhin genügend Schutzausrüstung?
Aktuell verfügen wir über ausreichend Schutzausrüstung. Aber natürlich stehen auch wir vor der Herausforderung, dass die Ressourcen weltweit knapp sind. Wir haben den Vorteil, Teil des Helios-Konzerns zu sein, der auf der ganzen Welt Schutzausrüstungen ordern kann. Das Material wird innerhalb des gesamten Konzerns gut verteilt.

Kommen zurzeit weniger Menschen in die Notaufnahme aus Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken?
Das kann ich nicht bestätigen. Die Patienten mit Vorerkrankungen (Herz-Kreislauf, Diabetes, Lungenerkrankungen bzw. Tumorerleiden) sind in dieser Krise aber besonders gefährdet, daher an dieser Stelle an alle nochmal der dringende Appell: Wenn Sie eine ernsthafte Erkrankung oder Verletzung haben, zögern Sie bitte nicht, den Notruf 112 zu wählen oder die nächstgelegene Notaufnahme aufzusuchen. Die Kapazitäten für Notfälle jeglicher Art sind vorhanden. Außerdem werden Covid-19-Verdachtsfälle und -Patienten bei uns in unterschiedlichen Ambulanzen aufgenommen, behandelt und dann getrennt auf Stationen versorgt, so besteht kein erhöhtes Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion.

Wie hat sich die Behandlung von onkologischen Patienten durch die Corona-Pandemie verändert? 
Die Versorgung der onkologischen Patienten geht bei uns natürlich weiter – und zwar unter besonderen Schutzvorkehrungen. Neben zusätzlichen Hygienemaßnahmen gilt eine räumliche Trennung zu Covid-19-Verdachtsfällen und -Patienten. Es gibt eine separate Wegeführung, gesonderte Zugänge und eine räumlich getrennte Unterbringung auf Station. In der überwiegenden Anzahl der Fälle ist eine effektive Behandlung der Krebserkrankung wichtiger als Unterbrechungen oder Verschiebungen der Therapien. In wenigen Fällen ist zum Schutz der Patienten aber eine Anpassung des Therapieplans sinnvoll. Dies wird individuell mit dem jeweiligen Patienten abgestimmt.

Wie ist die aktuelle Situation in der Geburtshilfe?
Die Corona-Pandemie stellt für werdende Eltern eine belastende Situation dar. Ich kann aber versichern, dass wir eine sichere Aufnahme und Behandlung der werdenden Mütter gewährleisten können. Das gesamte Geburtsteam wurde auf das Virus getestet, um eine Übertragung von Covid-19 zu unterbinden. Der Eingang der Geburtshilfe ist vom Eingang der Covid-19-Ambulanz getrennt, bei planbaren Entbindungen wird bei den Schwangeren fünf Tage vor dem Geburtstermin ein Covid-19-Test durchgeführt. Zum Schutz der Patientinnen und des Personals dürfen Schwangere nur noch ohne Begleitperson zu den Anmeldesprechstunden und den Untersuchungsterminen ins Klinikum kommen. Nur zur Geburt selbst darf eine Begleitperson, die symptomfrei ist und keinen Kontakt zu einem Covid-19-Erkrankten hatte, mit in den Kreißsaal. Zudem erstellen wir gerade eine digitale Kreißsaalführung, die bald auf unserer Webseite online sein wird, um die werdenden Mütter und Väter auch in Zeiten von Corona bestmöglich über die Geburtsmöglichkeiten in unserem Klinikum zu informieren.


Herzlichen Dank für das Interview.