Dank Organspende drei Leben gerettet
Erste selbstständige Hirntoddiagnostik an Helios Klinik Erlenbach durchgeführt

Dank Organspende drei Leben gerettet

Erlenbach

Am Mittwoch, den 11. Juli 2019 konnte in der Helios Klinik Erlenbach eine erfolgreiche Organspende durchgeführt werden. Die letzte Organspende erfolgte 2014 in der Klinik. Im Rahmen der Voruntersuchungen konnte durch das Team vor Ort zudem erstmals selbstständig eine Hirntoddiagnostik ausgeführt werden. Die Spende rettete drei Menschen das Leben. Insgesamt finden in Deutschland jährlich etwa 950 Organspenden statt.

Der Tod eines geliebten Menschen trifft viele Angehörige meist unvorbereitet und stellt eine Ausnahmesituation dar. Manchmal sieht sich die Familie dann der Frage nach einer möglichen Organspende gegenüber. Für viele Angehörige und Patienten immer noch ein absolutes Tabu-Thema. Das Thema Organspende ist aktuell aufgrund der Widerspruchsdebatte in aller Munde. "Es geht hier um Menschenleben", so Dr. Mohamed Benghebrid, Chefarzt der Neurologie und Transplantationsbeauftragter der Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach, "Es ist notwendig, auf dieses Thema aufmerksam zu machen und darüber aufzuklären."

Bereits am Vortag der Explantation kündigte sich der Hirntod einer Patientin der Helios Klinik Erlenbach an. Organspende - Ja oder Nein? Intensive Gespräche mit den Angehörigen ergaben, dass sowohl die Familie als auch die Patientin zu Lebzeiten mit einer Organspende einverstanden gewesen wären. Bevor jedoch eine Organspende erfolgen kann, müssen verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden, um den Tod definitiv festzustellen. Man spricht hier auch von der Hirntoddiagnostik, also neurologischen, körperlichen Untersuchungen. Diese folgen strikten Richtlinien. Im Rahmen der Diagnose werden zuerst die Hirnstammreflexe getestet. Im Anschluss folgte ein Atemtest (Apnoe-Test), um zu prüfen, ob der Atemreflex noch vorhanden ist. Dabei wird der Patient stetig überwacht, um eine Sauerstoffminderung zu verhindern. Abschließend wird eine Computertomographie (CT) der Hirngefäße mithilfe eines Kontrastmittels durchgeführt (auch andere Ersatz-Untersuchungen, wie eine Hirnstrommessung (EEG) sind möglich), bei der keine Durchblutung des Gehirns mehr festgestellt werden konnte. Sind alle Ergebnisse negativ, ist der Tod festgestellt. Für die Helios Klinik Erlenbach war es die erste selbstständig durchgeführte Hirntoddiagnostik. Die gesamte Vorbereitung für die spätere Organentnahme wurde vom Krankenhausteam durchgeführt. "Alles lief reibungslos", fasst Dr. Benghebrid die Abläufe zusammen. Alle Beteiligten hätten hochprofessionell, motiviert und zügig zusammengearbeitet. "Wie ein Puzzle, das sich Stück für Stück zusammenfügt."

Bei einer Organspende ist die Zeit ein kritischer Faktor. Drei Organe konnten innerhalb von 24 Stunden entnommen werden: zwei Nieren und eine Leber. Glücklicherweise konnten für alle Organe passende Empfänger gefunden werden. "Das ist nicht selbstverständlich", so Dr. Benghebrid, "Dank der Organspende konnten drei Leben gerettet werden." Die Organentnahme wurde im engen Austausch mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) durchgeführt, die sich ebenfalls zufrieden über den reibungslosen Ablauf zeigte. DSO-Koordinator Kilian Weidner lobt das Engagement der Klinik sowie das professionelle und harmonische Miteinander aller Beteiligten, bei dem auch in sehr hohem Maße auf einen würdevollen Umgang mit dem Verstorbenen geachtet wurde. Die DSO begleitet als bundesweite Koordinierungsstelle für Organspende alle Abläufe in der Akutsituation Organspende. Im Fall einer Organspende begleiten und entlasten die Koordinatoren der DSO das Krankenhauspersonal in allen organisatorischen Abläufen.

Laut einer Statistik der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) nahm die Zahl der Organspenden im Jahr 2018 erstmals wieder zu. (Quelle: www.dso.de)

Dr. Siegfried Beller, Ärztlicher Direktor der Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach, freut sich über den Beitrag, den die Klinik hier leisten konnte: "Meines Erachtens ist der Organmangel in Deutschland unerträglich, wenn man bedenkt, dass derzeit über 9.400 Patienten auf ein Organ wie z.B. Herz, Leber, Lunge oder Niere warten." Jedes Jahr sterben fast 10 Prozent der Wartelisten-Patienten ohne ein Organ erhalten zu haben. 2018 haben deutschlandweit 955 Menschen Organe gespendet. Damit stieg die Zahl der Organspender seit 2010 zum ersten Mal wieder an.

Organspender in Europa: Deutschland schneidet schlecht ab. (Quelle: Health-Rise.de)

Exkurs: Organspende in Europa

Im Durchschnitt schenkt jeder Organspender drei schwerkranken Menschen eine neue Lebenschance. Leider ist Deutschland beim Thema Organspende im Europa-Vergleich sehr weit abgeschlagen. Health Rise zeigt in einer Grafik, dass Deutschland zu den Ländern in Europa gehört, in denen die wenigsten Organspender leben.