Juan Rios-Jiménez, Küchenchef an der Helios Frankenwaldklinik Kronach, ist einer unserer Kulturbotschafter für Spanien. Im Interview erzählt er von einer 3.000 Jahre alten Stadt am Meer, warum eine Abholung am Flughafen in Spanien niemals mit nur einem Auto funktioniert – und weshalb Kreuzkümmel, Zimt und Olivenöl für ihn nach Zuhause riechen.
Heimat & Wurzeln: Cádiz – wo Europa begann
Woher genau kommen Sie, Herr Rios-Jiménez?
Ich bin in Deutschland geboren. Meine Eltern kamen 1961 als Gastarbeiter nach Deutschland. Sie stammen aus Cádiz – das ist die südlichste spanische Provinz, ganz in der Nähe von Gibraltar. Dort haben wir als Kinder immer die Tante, die Cousins und Cousinen besucht. Spanisch ist meine Muttersprache, und mit fünf Jahren habe ich das erste Mal meine Ferien in Cádiz verbracht.
Was viele nicht wissen: Cádiz ist eine der ältesten Städte Europas – über 3.000 Jahre alt. Und 700 Jahre lang waren hier die Mauren, was man bis heute in der Architektur, im Essen und in der Musik spürt. Meine Eltern sind beide in der Altstadt von Cádiz geboren. Dort liegen meine Wurzeln.
Geheimtipp: Ein Park, das Meer und unendlich viele Schiffe
Haben Sie einen persönlichen Geheimtipp für uns?
Cádiz ist mein Energieort. Die Stadt ist eine Halbinsel – überall Meer, überall Licht. Mein liebster Platz ist der Garten von Alameda, ein kleiner Park mit einem wundervollen Blick aufs Meer. Dort könnte ich unendlich lange Schiffe beobachten. Es ist kein spektakulärer Touristenort, sondern ein stiller Platz, an dem ich zur Ruhe komme und Energie tanke. Wenn ich die Augen schließe und an Zuhause denke, dann sehe ich diesen Blick.
Kulinarik: Wenn Kreuzkümmel nach Heimat riecht
Wenn Sie an das Essen in Spanien denken, was kommt Ihnen sofort in den Sinn?
Drei Dinge: Comino – also Kreuzkümmel –, Zimt und natürlich Olivenöl. Das sind die Düfte meiner Kindheit. Wenn ich diese Aromen rieche, bin ich sofort wieder in der Küche meiner Großmutter.
Mein Lieblingsgericht ist Hähnchen in Weißweinsauce mit Safran und Reis. Das hat meine Oma gekocht, meine Mutter hat es übernommen, und ich koche es bis heute. Es ist ein Gericht, das durch drei Generationen wandert – und jedes Mal schmeckt es nach Familie.
Gibt es noch ein Rezept, das Sie besonders mögen?
Arroz Caldoso – eine spanische Reissuppe, ähnlich wie Risotto, mit Meeresfrüchten und Safran. Wörtlich übersetzt heißt es einfach „Reis mit Brühe". Klingt schlicht, schmeckt aber nach Meer und Sonne. Als Küchenchef schätze ich daran die Einfachheit: wenige, gute Zutaten, die zusammen etwas Großartiges ergeben.
Traditionen: Flamenco ist mehr als ein Tanz
Welche Traditionen schätzen Sie an Ihrer Heimat besonders?
Ich verbinde viel Tradition mit dem Flamenco – aber wirklich erst als Erwachsener. Als Kind war mir das nicht so bewusst, aber heute weiß ich: Das ist einfach spanische Kultur in ihrer reinsten Form. Neben dem Tanz gehören die Kleidung und die Musik untrennbar dazu. Es ist Ausdruck von Leidenschaft, Stolz und Lebensfreude.
Gibt es eine besondere Anekdote, die die spanische Mentalität zeigt?
Oh ja! Immer wenn wir nach Spanien in den Urlaub geflogen sind, war nicht etwa ein Abholer mit einem Auto da – was völlig ausgereicht hätte. Nein: Die ganze Familie kam mit drei Autos und Kind und Kegel, weil sie eben alle mitkommen wollten. Man fühlt sich dann schon wie ein König. Das ist diese herrliche Willkommenskultur der Spanier – überschwänglich, herzlich und ein bisschen verrückt. Aber genau das macht es so schön.
Brücken bauen: Leichtfüßig trifft zielstrebig
Was sind für Sie die prägnantesten Unterschiede zwischen der spanischen und der deutschen Kultur?
Vielleicht ist es ein Klischee, aber es stimmt: Südländer sind leichtfüßiger, temperamentvoller. Sie leben im Hier und Jetzt, und Genießen steht einfach im Vordergrund. Deutsche sind direkter, sicherheitsorientierter und machen sich mehr Gedanken um die Zukunft. Spanier beneiden die Deutschen um ihre Zielstrebigkeit – und Deutsche könnten sich von der spanischen Leichtigkeit eine Scheibe abschneiden.
Ein gutes Beispiel: Wenn man sich Mitarbeiterbefragungen anschaut – Spanier sind viel zufriedener und wertschätzender in ihren Antworten. Deutsche haben immer Erwartungen und sehen oft nur das Schlechte, auch bei sich selbst. Spanier haben eine Grundmotivation, glücklich zu sein. Sie sind schnell zu begeistern und gestalten intuitiver.
Was vermissen Sie – und was schätzen Sie an Kronach?
Ich fühle mich schon sehr als Deutscher. An Kronach gefällt mir wirklich die Natur – das Grün, die Landschaft. In Spanien gibt es oft Monokultur und karge Landschaften, besonders im Sommer. Hier ist alles üppig und lebendig. Das habe ich schätzen gelernt.
Berühmte Persönlichkeiten: Ein Name genügt
Gibt es eine berühmte Persönlichkeit aus Spanien, die für Sie die Kultur besonders verkörpert?
Ganz Klar: Picasso und Gaudi! Beide haben Kunst und Architektur revolutioniert, beide waren Menschen voller Leidenschaft, Widersprüche und Kreativität. Das ist sehr spanisch.
Kurz & Knapp: Juans Botschaft
„Spanier haben eine Grundmotivation, glücklich zu sein. Lebensqualität steht immer im Vordergrund."