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Botschafter Interkulturelles Jahr Spanien Jose

„Füreinander, miteinander – der Blick für andere ist immer da."

Ein Gespräch mit José Antonio Ruiz Rodriguez

José Antonio Ruiz Rodriguez ist einer unserer Kulturbotschafter für Spanien. Er ist in Deutschland aufgewachsen, seine Eltern stammen aus Málaga und kamen in den 1960er Jahren als Gastarbeiter – geplant für ein Jahr, geworden sind es 40. Wir haben mit ihm über die Lust am Leben gesprochen, über ein Restaurant, in dem man nichts bestellt, und darüber, warum eine Schlange an der Kasse in Spanien kein Problem ist.

Heimat & Wurzeln

Woher kommen Sie, Herr Ruiz Rodriguez?

Ich bin in Deutschland geboren. Meine Eltern stammen aus Andalusien, aus Málaga, und kamen in den 60ern als Gastarbeiter hierher. Geplant war ein Jahr – daraus wurden 40. Ich habe Verwandtschaft in Marbella und meine Mutter wohnt jetzt wieder in Spanien, in Aguadulce bei Almería. Allein – aber wir telefonieren jeden Tag und die Nachbarn achten gut auf sie. So ist das in Spanien: Man achtet aufeinander, keiner ist allein.

 

Was sollte man noch über Spanien wissen?

Viele Italowestern wurden in San José bei Almería gedreht – aber auch Indiana Jones. Und Granada mit der Sierra Nevada ist das südlichste Skigebiet Europas. Die Region um Almería gilt als Europas „Speisekammer" – dort wachsen Obst und Gemüse für den ganzen Kontinent.

Málaga ist für mich das Zentrum. Was dort alles zusammenkommt: die Lust am Leben, das Tranquilo – sich Zeit nehmen, gechillt sein –, gemeinsam essen, Freunde treffen, die Lust am Tanzen. Spanier sind extrovertiert, erzählen gern über sich und teilen alles miteinander. 

Geheimtipps - besondere Orte

Haben Sie einen besonderen Ort für uns?

Mein Geheimtipp, der nicht wirklich geheim ist: die Alcazaba. Das ist maurische Festung mitten in Málaga, gebaut im 11. Jahrhundert auf den Resten einer römischen Anlage. 110 Türme hatte sie mal, und sie ist eine der am besten erhaltenen arabischen Festungen in ganz Spanien. Von oben hat man einen Blick über die ganze Stadt und das Meer. Wer dort oben steht, versteht sofort, warum die Mauren sich diesen Ort ausgesucht haben.
 

Dann das Picasso-Museum – Picasso ist in Málaga geboren, das gehört dazu. Und die Calle Larios, die Einkaufsstraße mit Marmorboden.

Aber ehrlich: Am besten sind die Tapas-Bars in den versteckten Winkeln der Stadt. Zum Beispiel das Restaurante El Tintero – da bestellt man nichts. Es werden einfach fertige Teller gebracht mit den Spezialitäten des Küchenchefs. Die Kellner rufen laut aus – wie Marktschreier- was sich auf den Teller befindet. Auf Handzeichen kommt der Kellner und serviert das Gericht. Immer eine Überraschung. Die Teller werden nicht abgeräumt. Am Ende zählt man die Teller und bezahlt. So einfach, so gut. 

Kulinarik

Was kommt Ihnen beim Thema Essen sofort in den Sinn?

Espetos. Das sind Sardinen, aufgespießt auf ein Bambusrohr und über offenem Holz vom Olivenbaum gegrillt. Direkt am Strand. Das ist die Spezialität aus Málaga. Wenn ich daran denke, rieche ich sofort das Meer und das Holzfeuer.
 

Sonst natürlich Paella, Fischplatten und der typische Salat mit Tomaten, Kopfsalat und Thunfisch. Einfach, frisch, gut.


Und Ihr Lieblingsrezept?

Die traditionelle Fischsuppe „en blanco" – mit Schellfisch und Kartoffeln. Das hat meine Mutter gemacht. Einfach, ohne Schnickschnack. Nur guter Fisch, Gemüse, Kartoffeln, Olivenöl. Das Rezept gibt es auf unserer Webseite.

Traditionen

Welche Traditionen sind Ihnen wichtig?

Das Extrovertierte. Man nimmt sich immer Zeit zum Reden, auch wenn man eigentlich keine hat. Alleine essen gehen ist verpönt. Essen ist laut, gemeinsam, mit vielen Leuten – Nachbarn, Freunde, Verwandte, alles zusammen. Die ganze Gemeinschaft.

Brücken bauen

Was sind die größten Unterschiede zwischen Spaniern und Deutschen?

Ich mache es mal bildlich: Eine Schlange an der Kasse in Deutschland – für die meisten nervig. In Spanien wird sie einfach für Kommunikation genutzt. Es wird sich ausgetauscht, gelacht, keiner lässt sich stressen. Die Bereiche zum Einpacken sind auch viel länger als in Deutschland. Weil man sich eben Zeit nimmt.
 

In Deutschland gibt es mehr Egoismus, man ist auf sich konzentriert. In Spanien ist das anders – jeder interessiert sich für jeden. Die Haltung ist grundsätzlich optimistischer. Lachen, Musik, Tanz – damit werden aber auch Probleme überspielt. Spanier arbeiten, um zu leben. Und das Leben ist zum Genießen da.

 

Was schätzen Sie an Kronach?

Ich fühle mich spanisch. Gechillt, keine Angst vor Gefahren, alles auf den letzten Drücker – Stierkampf-Mentalität. Aber hier habe ich mein Zuhause.

Berühmte Persönlichkeiten

Wer verkörpert für Sie spanische Kultur?

David Bisbal – der kommt aus Almería, also quasi aus der Nachbarschaft. Er ist mit Abstand einer der aktuell erfolgreichsten spanischen Popsänger, mehrfacher Latin-Grammy-Gewinner, über sechs Millionen verkaufte Platten. Sein Vater wollte, dass er Boxer wird, aber er hat sich für die Musik entschieden.
 

Und Pablo Alborán – der ist aus Málaga. Er hat mit 12 angefangen, Songs zu schreiben, und ist heute eine der bekanntesten Stimmen im spanischsprachigen Pop. „Solamente tú" kennt in Spanien jeder.

José Antonios Botschaft

  • „Füreinander, miteinander – der Blick für andere ist immer da- das ist Spanien!“