Klaus Busching fühlte sich über mehrere Wochen zunehmend unwohl. Nach einer rund 500 Kilometer langen Autofahrt zu seinen Kindern nach Augsburg bemerkte der 85-Jährige erstmals, dass etwas nicht stimmte. Immer wieder wurde ihm nach körperlicher Belastung schwindelig, sodass er sich hinlegen musste. Die Beschwerden kamen und gingen.
Ende August verschlechterte sich sein Zustand plötzlich deutlich. Als die Beschwerden eine Woche später erneut stark wurden, drängte seine Ehefrau darauf, ärztliche Hilfe zu suchen. Die Hausärztin war im Urlaub, deshalb stellte sich Busching bei einer Vertretungsärztin vor. Diese reagierte sofort, veranlasste Blutuntersuchungen und alarmierte den Rettungsdienst. Kurz darauf kam der Patient in die Helios St. Marienberg Klinik Helmstedt.
Die Untersuchungen zeigten eine ausgeprägte Lungenarterienembolie mit Blutgerinnseln in beiden Lungenflügeln. Aufgrund der Kreislaufprobleme und des hohen Alters bestand die Gefahr eines Kreislaufversagens. Eine medikamentöse Auflösung der Gerinnsel mittels Thrombolyse kam wegen des hohen Blutungsrisikos nicht infrage.
Blutgerinnsel direkt aus der Lunge entfernt
Die Kardiologie entschied sich deshalb für eine mechanische Thrombektomie. Dabei wird ein Katheter über die Leiste bis in die Lungengefäße vorgeschoben. Über diesen können die Blutgerinnsel direkt entfernt werden. Das minimalinvasive Verfahren erfolgt unter örtlicher Betäubung und kommt ohne Vollnarkose aus.
„Bei Herrn Busching war die Situation besonders kritisch. Eine Lysetherapie wäre aufgrund des hohen Blutungsrisikos sehr riskant gewesen. Mit der mechanischen Thrombektomie hatten wir die Möglichkeit, die Gerinnsel gezielt und unmittelbar zu entfernen“, erklärt Islam Abu Dabat, kommissarischer Leiter der Kardiologie und Elektrophysiologie.
Das Verfahren wird nicht an allen Kliniken angeboten. In Helmstedt wurde die mechanische Thrombektomie bei Lungenarterienembolien durch Abu Dabat im Jahr 2024 etabliert. Für Hochrisikopatienten bietet sie eine zusätzliche Therapieoption.
Klaus Busching ist erleichtert. „Ich bin froh, dass die kritische Situation so schnell erkannt wurde und mir so schnell geholfen werden konnte. Nach dem Eingriff hatte ich kaum Beschwerden. Insgesamt habe ich mich von der Aufnahme bis zum letzten Tag sehr professionell betreut gefühlt. Alle waren freundlich und hilfsbereit“, berichtet Klaus Busching.
Heute blickt der 85-Jährige wieder nach vorn: Er fährt gerne Fahrrad und kümmert sich um seinen rund 1.700 Quadratmeter großen Garten. „Ich freue mich darauf, wieder draußen zu sein und mich zu bewegen.“
Schnelle Strukturen bei kardiologischen Notfällen
Die Behandlung zeigt zugleich, wie wichtig eingespielte Abläufe bei akuten Beschwerden sind. Erst kürzlich wurde die Chest Pain Unit (CPU) der Helios St. Marienberg Klinik Helmstedt durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie erfolgreich rezertifiziert. Die CPU ermöglicht eine schnelle und strukturierte Abklärung von Patientinnen und Patienten mit akuten Brustschmerzen und ist eng mit Notaufnahme, Kardiologie, Herzkatheterlabor und Intensivmedizin verbunden.
„Bei solchen Notfällen zählt die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Von der Notaufnahme über die Radiologie bis zum Herzkatheterlabor müssen die Abläufe funktionieren. Dass wir dieses Verfahren in Helmstedt für Hochrisikopatientinnen – und patienten anbieten können, ist deshalb eine wichtige Ergänzung unserer kardiologischen Möglichkeiten“, so Abu Dabat.
Eine Lungenembolie kann unter anderem nach Operationen, längerer Immobilität oder langen Reisen entstehen. Ob die Autofahrt nach Augsburg im konkreten Fall die Ursache war, lässt sich nicht sicher feststellen. Wichtig ist, Warnzeichen ernst zu nehmen: Bei plötzlich auftretender Luftnot, Brustschmerzen, Kreislaufproblemen oder starkem Schwindel sollte umgehend medizinische Hilfe gerufen werden.
Foto: v.l. Sarah Mielke, Mitarbeiterin HKL, Phillip Faltenberg, Mitarbeiter HKL, Patient Klaus Busching, Islam Abu Dabat, kommissarische Leitung der Abteilung Kardiologie und Elektrophysiologie, Julia Mundhenke, Pflegefachkraft Intensivstation