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Hepatitis – wenn die Leber krank ist
Schwerpunktthema

Hepatitis – wenn die Leber krank ist

München

Die menschliche Leber ist Energielieferant und Entgifter zugleich: Sie ist an der Verarbeitung und Speicherung von Nährstoffen sowie am Abbau und der Ausscheidung von Giftstoffen beteiligt. Umso gefährlicher, wenn sie sich entzündet. Zum Welthepatitistag erklärt Prof. Dr. Brigitte Mayiner, Chefärztin am Helios Klinikum München West, wie es zu einer Hepatitis kommt und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Frau Prof. Mayinger, durch welche Symptome lässt sich eine Leberentzündung erkennen?
Die Erkrankung bleibt zunächst oft unbemerkt, da die Anzeichen unspezifisch und vieldeutig sind. Häufig fühlen sich die Patienten müde und abgeschlagen. Seltener meldet sich die Hepatitis mit Schmerzen im Bereich des rechten Oberbauchs, was auf ein Anschwellen der Leber hinweist. Dann drückt das Gewebe auf die Leberkapsel, von der es umhüllt ist und darin befinden sich empfindliche Nervenenden. Das auffälligste Symptom ist allerdings eine Gelbfärbung der Haut und der weißen Augapfelanteile. Umgangssprachlich spricht man dann von einer „Gelbsucht“. Dies ist ein Indiz, dass die Leber nicht mehr all ihre Aufgaben bewältigt. Durch die hepatitisbedingten Schäden kann der Gallenfarbstoff Bilirubin nicht mehr in ausreichendem Maße in die Galle geleitet und dann in den Darm abgegeben werden. Stattdessen sammelt er sich im Blut an und führt zu einer Gelbfärbung von Haut und Augapfel.

Wie wird die Diagnose Hepatitis gestellt?
Erhöhte Leberwerte bei einer Blutuntersuchung zeigen an, dass mit der Leber etwas nicht in Ordnung ist. Was genau das ist, müssen weitere Untersuchungen zeigen, darunter auch ein Ultraschall der Leber. Zuvor klärt der Arzt in einem ausführlichen Gespräch mit dem Betroffenen alle möglichen leberschädigenden Einflüsse ab. Nimmt der Patient häufig Medikamente, die die Leber beeinträchtigen können? Trinkt er zu viel Alkohol? Oder kann der Patient sich eine Virusinfektion zugezogen haben, weil er sich z.B. im Ausland ein Tattoo stechen ließ oder frische Muscheln gegessen hat?

Was geschieht, wenn eine Hepatitis unbemerkt bleibt?
Bei einer Hepatitis sind viele Entzündungszellen in der Leber aktiv. Hält dieser Zustand lange an, bildet sich immer mehr Bindegewebe, wodurch eine Fibrose entsteht. Wenn die Leber rechtzeitig Hilfe bekommt, erholt sie sich wieder. Ist dies nicht der Fall, werden die Strukturen der Leber immer stärker zerstört. Hier spricht man von einer Zirrhose.

Durch was geht die Entzündung wieder zurück?
Die Therapie ist abhängig von der Ursache der Leberentzündung: Übergewichtige müssen abnehmen, wer zu viel Alkohol trinkt, muss darauf verzichten. Je früher man das schafft, desto eher erholt sich die Leber wieder. Ist ein Virus der Grund für die Erkrankung ist das Vorgehen – je nach Viruserkrankung – unterschiedlich. Eine Virus-Infektion mit Hepatitis A z.B. heilt fast immer von alleine ab. Ursache sind mit dem Hepatitis-A-Virus kontaminierte Nahrungsmittel oder kontaminiertes Trinkwasser. Mittels Impfung kann man sich hier effektiv schützen.

Wie ist das bei Hepatitis B?
Auch vor Hepatitis B schützt eine Impfung. Diese wird für Kinder, Jugendliche und Risikogruppen wie beispielsweise medizinisches Personals als Standardimpfung empfohlen und damit von der Krankenkasse bezahlt. Zwar heilt eine Hepatitis B-Infektion bei 95 Prozent der Betroffenen ab. Bei den anderen 5 Prozent entwickelt sich allerdings eine chronische Infektion, die nicht mehr vollständig heilbar ist. Häufig lassen sich die Viren durch „viro-statische“ Medikamente zumindest in Schach halten.

Ist eine Hepatitis C heilbar?
Ist Hepatitis C einmal diagnostiziert, ist sie dank der neuen Therapiemöglichkeiten in vielen Fällen heilbar. Die Wirkstoffe der Medikamente hemmen die Vermehrung der Viren auf mehreren Ebenen, sodass der Erreger drei bis sechs Monate nach der Behandlung in den meisten Fällen nicht mehr im Blut nachweisbar ist. Problematisch wird es, wenn Hepatitis C unbemerkt bleibt. Dann kann die Infektion schwere Folgen haben und schlimmstenfalls zu chronischen Leberschäden führen, bis hin zur Leberzirrhose oder -krebs.

 

Die häufigsten Ursachen für eine Hepatitis

1. Viren
Der häufigste Grund für eine ansteckende Leberentzündung ist eine Virushepatitis. Als Auslöser kommen klassischerweise die Hepatitisviren A,B,C,D und E infrage.

2. Alkohol
Alkohol schadet der Leber doppelt: Sie muss diesen zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben abbauen.

3. Zucker- und Fettstoffwechselstörungen bei Übergewicht
Lagert sich zu viel Fett in den Leberzellen ein, steigt das Risiko einer Entzündung.

4. Medikamente
Bestimmte Arzneimittel, wie manche Penicilline und Verhütungspillen können bei leberempfindlichen Personen Hepatitis auslösen.

5. Autoimmunerkrankungen
Das Immunsystem reagiert gegen körpereigene Substanzen und Gewebe.