E-Roller: Wie gefährlich sind sie wirklich?
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E-Roller: Wie gefährlich sind sie wirklich?

München

Mit ihnen bewegt man sich schneller durch den Verkehr, die Fahrt macht Spaß und erfordert nicht viel Anstrengung: Die Rede ist von den neuen E-Scootern. Seit Mitte Juni sind die Gefährte nun auch im deutschen Straßenverkehr zugelassen und haben München erobert. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern dürfen sie sich auf Radwegen, Radfahrstreifen und Fahrradstraßen bewegen. Doch neben dem Spaß am Fahren, lauern auch einige Verletzungsrisiken. Welche Gefahren E-Scooter wirklich mit sich bringen und wie man sich schützt, erklärt Privatdozent Dr. Andreas Lenich, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Helios Klinikum München West.

Herr Dr. Lenich, wie hoch ist die Verletzungsgefahr bei E-Rollern? Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?
Aus internationalen Studien geht hervor, dass die Verletzungsgefahr beim E-Roller-Fahren sehr hoch sein kann. Wir hatten bisher erst wenige Patienten, die einen Unfall mit einem E-Roller hatten. Doch das wird sich ändern, es wird vermutlich zunehmend Verletzungen am Kopf, an den oberen Extremitäten und auch Handverletzungen geben. 20 Stundenkilometer sind relativ schnell. Zum Vergleich: Ein sportlicher Mensch kann einen Sturz mit circa 10-15 km/h gut abfangen, bei einer schnelleren Geschwindigkeit drohen Kopfverletzungen.

Warum kommt es zu Unfällen mit E-Scootern?
Einen E-Scooter zu beherrschen ist nicht für Jeden leicht: Der Fahrer hat eine relativ wackelige Position auf einem kurzen Brett und nur einen Lenker zum Festhalten. Aufgrund ihrer kleinen Räder können die Roller oft nicht so stabil ihre Spur halten – besonders wenn der Boden uneben ist. Das kann zum Problem werden und ist auch für andere Verkehrsteilnehmer gefährlich. Fahrertrainings wären hier wichtig, nur so kann man das Fahren auf den Rollern besser einschätzen und auch im Extremfall richtig reagieren.

Welche Schutzmaßnahmen empfehlen Sie?
Da die Helmpflicht erst ab 20 Stundenkilometern gilt, tragen viele Fahrer keinen Kopfschutz. Der ist allerdings sehr wichtig: Sollte es zu einem Sturz kommen, ist der Kopf nicht ausreichend geschützt. Handschuhe und Protektoren sind ebenfalls sinnvoll und können vor Verletzungen bewahren. 

Unser Experte

Prof. Dr. med. Andreas Lenich

Chefarzt | Klinik für Orthopädie, Unfall-, Handchirurgie und Sportorthopädie
Prof. Dr. med. Andreas Lenich

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