Was bedeutet ein kleiner Schatten auf der Lunge?“ Für Patientinnen und Patienten kann ein solcher Befund viele Fragen und Sorgen auslösen. Ist es etwas Harmloses oder steckt mehr dahinter? Für die 72-jährige Christine Fischer aus Salzgitter begann mit einem solchen Befund eine kurze, aber intensive Zeit der Abklärung und Behandlung.
Die Rentnerin war bereits früher an Lungenkrebs erkrankt. Bei einer CT-Kontrolle im Rahmen der Tumornachsorge wurde eine kleine Veränderung in der rechten Lunge festgestellt. Diese ließ sich mit den bisherigen Methoden nicht eindeutig klären. Aufgrund ihrer Vorgeschichte wollten die behandelnden Ärzte aus den Bereichen Pneumologie und Thoraxchirurgie deshalb keine unnötige Zeit verlieren und entschieden sich für den Einsatz einer roboterassistierten Diagnostik.
„Hier arbeiten Spezialisten verschiedener Fachdisziplinen und Standorte als Team zusammen. Jeder bringt seine Erfahrung ein, von der ersten Bildgebung über die genaue Krebsgewebe-Lokalisation bis hin zur Operation. Davon profitieren am Ende vor allem unsere Patientinnen und Patienten“, erläutert Wolfram Meister, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin am Helios Klinikum Hildesheim.
Neue Robotik-Technik im Einsatz
Die Herausforderung bei Patientin Christine Fischer: Die verdächtige Gewebeverdichtung war klein und lag tief im Lungengewebe. Diese Position war mit herkömmlichen endoskopischen Verfahren schwer zu erreichen. Deshalb kam hier das roboterassistierte Bronchoskopie-System ION zum Einsatz. Über die Atemwege kann das System auch bei weit außen in der Lunge gelegenen Bereichen ankommen. Es unterstützt die Ärztinnen und Ärzte dabei, den Weg durch die feinen, entlegenen Verzweigungen der Bronchien gezielt zu verfolgen und die betreffende Stelle genau anzusteuern. Während des Eingriffs wurde zusätzlich ein modernes CT-Bildgebungssystem eingesetzt. Damit konnten die Position des Instruments und die Lage des Zielbereichs während des Eingriffs genau überprüft werden. So ließ sich die Lokalisation des kleinen Herdes noch präziser bestimmen.
„Gerade bei kleinen Lungenrundherden ist es entscheidend, dass wir genau wissen, wo sie liegen. Dank der neuen Technik können wir auch schwer erreichbare Gewebeveränderungen gezielt erreichen und für die Operation markieren“, erklärt Meister. Über das roboterassistierte System wurde von dem Rundherd eine Probe entnommen und mit einem speziellen Farbstoff markiert. Diese Markierung half dem Operationsteam am Folgetag dabei, die richtige Stelle in der Lunge schnell wiederzufinden.
Am nächsten Tag schon im OP
Die enge Zusammenarbeit der Fachbereiche zeigte sich unmittelbar im weiteren Ablauf. Bereits am nächsten Tag konnte Dr. Armen Aleksanyan, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie, den betroffenen Bereich minimalinvasiv operieren. „Wenn wir einen kleinen Herd operativ entfernen müssen, ist es wichtig, ihn während des Eingriffs sicher zu finden. Die vorherige Markierung gibt uns dabei eine wichtige Orientierung und unterstützt uns dabei, gezielt vorzugehen“, sagt Dr. Aleksanyan. Bei der minimalinvasiven Operation ist nur ein kleiner Schnitt erforderlich. Für die Patientin bedeutet das in der Regel eine geringere Belastung als bei einem offenen Eingriff. Gleichzeitig kann der betroffene Lungenbereich gezielt entfernt werden.
Auch der leitende Oberarzt Dr. Olger Kraja war an der Behandlung beteiligt. Für ihn ist vor allem das Zusammenspiel der Fachbereiche entscheidend: „Hier greifen die einzelnen Schritte ineinander. Die Pneumologie klärt den Befund ab und lokalisiert ihn gemeinsam mit den Kollegen. Anschließend übernimmt die Thoraxchirurgie die Operation. Der direkte Austausch macht die Abläufe für die Patientinnen und Patienten einfacher. Bei uns werden Entscheidungen über eine individuelle Behandlung stets interdisziplinär mit dem geballten Wissen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Standorten im Helios Netzwerk getroffen.“
„Ich bin froh, dass alles so schnell ging“
Für Christine Fischer aus Salzgitter-Bad war vor allem wichtig, dass sie schnell Gewissheit bekam und die notwendigen Schritte unmittelbar aufeinanderfolgten. Nach ersten Untersuchungen konnte sie von der neuen und spezialisierten Bronchoskopie-Technik im benachbarten Hildesheim profitieren und schließlich am nächsten Tag auch dort minimalinvasiv operiert werden. Noch am OP-Tag erzählt sie: „Mir geht es sehr gut und ich bin froh, dass alles so schnell verlaufen ist. Ich hatte keine Schmerzen und hätte nicht gedacht, dass ich mich schon so schnell wieder so gut erholen würde.“
Je früher Lungenkrebs erkannt wird, desto besser sind die Chancen für eine erfolgreiche Behandlung. Ab April 2026 können sich starke und langjährige Raucherinnen und Raucher in einem Früherkennungsscreening untersuchen lassen. Pneumologe Meister betont: „Wer für ein Lungenscreening infrage kommt, sollte diese Möglichkeit nutzen und sich an den jeweiligen Hausarzt oder -ärztin wenden. Denn ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch Krebs. Wird eine Veränderung entdeckt, kann sie jedoch schnell und gezielt weiter abgeklärt werden.“
Was bei Christine Fischer in kurzer Zeit möglich war, ist das Ergebnis einer eng abgestimmten Zusammenarbeit: Die Pneumologie übernimmt die Abklärung und Vorbereitung, die Thoraxchirurgie die operative Behandlung. Moderne Verfahren wie die roboterassistierte Bronchoskopie mit dem ION-System und die ergänzende Bildgebung mittels Cone-Beam-CT unterstützen die Ärztinnen und Ärzte dabei, auch kleine Lungenherde gezielt zu finden und für die Operation sichtbar zu machen. So greifen Diagnostik und Operation unmittelbar ineinander. Für Christine Fischer bedeutete das vor allem eines: schnelle Abklärung und eine gezielte Behandlung.