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Kein Durst vor der OP

Trinken ohne Einschränkung: Helios Klinikum Hildesheim stärkt die Patientensicherheit

10.07.2026 Lesedauer: - Min.
Kein Durst vor der OP

Mehr Komfort und Sicherheit für Patientinnen und Patienten vor der OP: Im Helios Klinikum Hildesheim gehört die stundenlange Durststrecke vor einer Operation bereits seit über zwei Jahren der Vergangenheit an. Wer vor einem geplanten Eingriff steht, darf hier klare Flüssigkeiten ohne zeitliche Einschränkung bis zum Abruf in den OP-Saal trinken. Nun fließen diese Praxiserfahrungen in eine große wissenschaftliche Studie ein, die das Ziel verfolgt, die offiziellen medizinischen Leitlinien flächendeckend zu aktualisieren.

Während die traditionellen Vorgaben der Fachgesellschaften noch immer eine strikte Trinkpause von zwei Stunden vorsehen, setzt sich das zeitgemäßere Prinzip in immer mehr Kliniken durch. Vorreiter auf diesem Gebiet ist das Emil-von-Behring-Klinikum in Berlin, das seit Jahren intensiv dazu forscht. Aufgrund der eigenen, durchweg positiven Erfahrungen nimmt nun auch das Helios Klinikum Hildesheim an dieser neuen wissenschaftlichen Studie teil. Hierbei werden mögliche Nebenwirkungen, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung durch Erbrechen (Aspiration), gezielt untersucht.

Warum das alte „Nüchtern-Gebot“ Risiken birgt

Früher galt die eiserne Regel: Viele Stunden vor einer OP darf kein Schluck mehr getrunken werden. „In der Praxis zeigt sich, dass die meisten Patienten sehr viel länger nüchtern bleiben. Acht bis zwölf Stunden Nahrungs- und Flüssigkeitskarenz sind trotz gelockerter Regeln keine Seltenheit. Das führt zu erheblichen Risiken“, erklärt Dr. Alfred Flaccus, Leiter der Anästhesie-Ambulanz im Helios Klinikum Hildesheim, der seit über 30 Jahren in der Anästhesie tätig ist.

„Die lange Nüchternheit führt zu Flüssigkeitsmangel mit vielen unerwünschten Folgen wie Kreislaufprobleme mit starken Blutdruckabfällen während der Operation oder zu Verwirrtheitszuständen“, so Flaccus weiter. Besonders ältere Menschen neigen durch den Flüssigkeitsmangel zu einem sogenannten Delir. Diese oft länger anhaltenden Verwirrtheitszustände beeinflussen den Heilungsverlauf nachweislich negativ. „Die Studienlage ist hier bereits eindeutig: Ein optimierter Flüssigkeitshaushalt reduziert das Auftreten von Delir deutlich. Gerade in der warmen Jahreszeit gewinnt der Blick auf die Flüssigkeitsbilanz besonders an Bedeutung“, erklärt der Leitende Oberarzt und betont: „Die Fachwelt ist sich einig: Die Vorteile des Trinkens überwiegen deutlich.“

Das Konzept der „Nüchternheitskarte“ und die Vorteile für Patienten

Im Helios Klinikum Hildesheim wird das Trinken daher nicht nur erlaubt, sondern aktiv gefordert. Gemeinsam mit allen operativen Fachbereichen setzen die Anästhesistinnen und Anästhesisten ein einfaches, aber effektives Konzept für Patientinnen und Patienten um: Sie erhalten bei der Aufklärung eine sogenannte „Nüchternheitskarte“. Diese erläutert die Regeln verständlich und ermutigt explizit dazu, bis zum Abruf klare Flüssigkeiten zu trinken.

Das erfreuliche Ergebnis der letzten zwei Jahre im klinischen Alltag: Es gab keinerlei Zunahme von Aspirations-Fällen, also dem versehentlichen Einatmen von Mageninhalt in die Lunge während der Narkose.

Ziel: Neue Standards für alle Kliniken

Mit der Teilnahme an der neuen Studie möchte das Hildesheimer Team das Thema nun größer vorantreiben. „Ziel ist es, dass das uneingeschränkte Trinken in der nächsten Fassung der offiziellen Leitlinien festgeschrieben wird“, hofft der Anästhesist und Notfallmediziner Dr. Flaccus.

Die Patientinnen und Patienten im Helios Klinikum profitieren heute schon von dieser zeitgemäßen Regelung: Da sie bis kurz vor dem Eingriff trinken dürfen, hat sich die tatsächliche Durstphase vor der Operation nachweislich verkürzt und die Risiken während der Operation dadurch verringert.

Kein Durst vor der OP