Ein neues bildungspolitisches Vorhaben und eine klare Vision nehmen Form an: Auf Grundlage eines Beschlusses des Niedersächsischen Landtags soll der Reanimationsunterricht künftig verbindlich in den Jahrgängen 7 bis 10 an niedersächsischen Schulen verankert werden. Die Umsetzung über die Kerncurricula stellt viele Schulen vor erhebliche organisatorische und personelle Herausforderungen. In der Region entsteht hierfür nun eine zukunftsweisende Lösung: Das Helios Klinikum Hildesheim geht langfristige Kooperationen mit regionalen Gesamtschulen ein. Das Modell verbindet die Ausbildung von Schulsanitäterinnen und Schulsanitätern sowie die Vermittlung von Reanimationskompetenzen direkt im Schulalltag mit einer praxisnahen Berufsorientierung im Gesundheitswesen.
Den erfolgreichen Startschuss machte bereits Ende des vergangenen Jahres die Integrierte Gesamtschule (IGS) Springe als erste Partnersschule. Nun zieht die Oskar-Schindler-Gesamtschule (OSG) in Hildesheim nach und besiegelt die Partnerschaft als zweite Bildungseinrichtung offiziell mit dem Klinikum.
Das gemeinsame Konzept bringt tatkräftige Unterstützung in den Alltag: Die Expertinnen und Experten der Simulations- und Notfallakademie (SiNA) des Helios Klinikums Hildesheim übernehmen die fundierte Ausbildung und kontinuierliche Betreuung der Schulsanitätsdienste vor Ort.
„Wir möchten eine solide Basis schaffen und den Kindern und Jugendlichen eine exzellente Ausbildung in der Wiederbelebung bieten. Erste Hilfe als festes Element im Schuljahr. So ist jeder Schüler für den Ernstfall gut vorbereitet“, betont Bastian Overheu, Geschäftsführender Leiter der SiNA.
Neue Impulse
An der IGS Springe eröffnet die Kooperation den Jugendlichen (850 Schülerinnen und Schüler) neue Perspektiven. Schulleiter Cedric Liebrum zeigt sich begeistert über den Qualitätsgewinn: „Die Schulform der Gesamtschule bildet die gesamte Bandbreite unserer Gesellschaft ab. Wir sind froh, dass der Wiederbelebungsunterricht und unser Schulsanitätsdienst durch diese Partnerschaft eine so fundierte, professionelle Struktur erhalten. Als Gesamtschule wollen wir, dass unsere Schülerinnen und Schüler ganz bewusst Verantwortung für sich und die Gemeinschaft übernehmen. Der Dienst nimmt die Angst vor dem Helfen.“
Auch an der OSG in Hildesheim, die aktuell rund 550 Schülerinnen und Schüler betreut, stellt man den Dienst auf ein neues Fundament.
Der Impuls für den Wechsel entstand vor rund einem Jahr durch den tiefen Eindruck, den ein „Clinic Day“ des Klinikums inklusive Schockraum- und OP-Führungen bei den Jugendlichen hinterlassen hatte. Für die OSG kommt die Kooperation exakt zur rechten Zeit, da die verpflichtende Reanimationsschulung allein an dieser Schule rund 200 Jugendliche pro Jahrgang betrifft. „Das Klinikum entlastet die Schule hierbei maßgeblich. Der Schulsanitätsdienst spiegelt genau die Haltung wider, die wir an unserer Schule sehen wollen“, erklärt OSG-Leiterin Rebecca Schumnig. „Gleichzeitig lernt unsere Schülerschaft einen großen regionalen Arbeitgeber direkt aus ihrem Alltag heraus kennen. Es ist eine absolute Win-Win-Situation.“
Blick hinter die Kulissen der Medizinberufe
Das Klinikum öffnet gezielt seine Türen, um jungen Menschen die Vielfalt moderner Medizin-, System- und Verwaltungsberufe zu vermitteln. Klinikgeschäftsführer Sascha Kucera erklärt das Potenzial: „Neben der Pflege und Medizin bilden wir in unserem neuen Bildungszentrum Berufe aus, die viele Jugendliche noch gar nicht auf dem Schirm haben – wie in der Radiologie (MTRA), im Operationsdienst (OTA) oder in der Anästhesietechnischen Assistenz (ATA). Wir wollen zeigen, was der ganz persönliche Weg ins Berufsleben sein könnte.“
Ein Kreis, der sich schließt
Wie prägend eine solche Schul-AG sein kann, zeigt auch der Blick in die eigenen Reihen des Krankenhauses. Die Klinikgeschäftsführung um Sascha Kucera sowie Benedikt Meider und auch Bastian Overheu sind diesen Weg damals selbst gegangen.
„Viele von uns im Team haben ihre allerersten Erfahrungen mit der Ersten Hilfe oder der Pflege damals in der Schule gemacht“, bekräftigt Benedikt Meider aus der Klinikleitung. „Aus einem kleinen Pflaster in der Pause oder einer Erste-Hilfe-AG wird nicht selten eine lebenslange Leidenschaft für den Beruf. Genau dieses Feuer wollen wir bei den Jugendlichen vor Ort entfachen.“
Von der Führungsebene des Klinikums gibt es für die Partnerschaft volle Rückendeckung. Die geschlossenen Verträge werden künftig durch gemeinsame Projekte, Praktika und gegenseitige Besuche aktiv gelebt.