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Nach dem Kunstherz jetzt ein neues Leben mit dem Herzen eines anderen Menschen

Nach einer dramatischen Leidenszeit mit acht Herzinfarkten und 20 Monaten am Kunstherzen feiert Jörg Wiszinski heute dank eines Spenderorgans sein zweites Leben. Als Gast der norddeutschen Campertour teilte der einstige Helmstedter Patient nun seine bewegende Geschichte an der Helios St. Marienberg Klinik, um auf die Bedeutung der Organspende aufmerksam zu machen. Begleitet wurde der erfolgreiche Aktionstag von einem breiten Netzwerk aus Fachexperten, die vor Ort transparente Aufklärungsarbeit leisteten. 

05.06.2026 Lesedauer: - Min.
Nach dem Kunstherz jetzt ein neues Leben mit dem Herzen eines anderen Menschen

Die Diagnose eines schweren Herzfehlers und das bange Warten auf ein Spenderorgan haben das Le-ben von Jörg Wiszinski über viele Jahre geprägt. Im Rahmen der norddeutschen Campertour zur Or-ganspende, die im Eingangsbereich der Helios St. Marienberg Klinik Helmstedt Station machte, teilte er bereits zum zweiten Mal seine persönlichen Erfahrungen. 

Die familiäre Vorgeschichte von Jörg Wiszinski ist dramatisch: Sein Vater verstarb mit nur 45 Jahren an einem Herzinfarkt, sein Bruder mit 56. Wiszinski selbst leidet an einem angeborenen Herzfehler, der erst spät erkannt wurde. Im Jahr 2001, mit gerade einmal 36 Jahren, erlitt er seinen ersten schweren Herzinfarkt. In der Helios Klinik in Helmstedt wurde er damals gerettet. Es folgten Jahre voller gesundheitlicher Rückschläge, weiterer Infarkte und intensiver medizinischer Betreuung. Nach einem weiteren Infarkt im Januar 2023 überschlugen sich die Ereignisse. Die Listung für ein Spenderorgan stand kurz bevor, als Wiszinski in der darauffolgenden Nacht noch einen Infarkt erlitt. Nur die sofortige Implantation eines Kunstherzens rettete sein Leben.

20 Monate lang lebte er mit dem Kunstherz, welches seinen Alltag maßgeblich beeinflusste. Ein Ka-bel (Driveline), das aus der Bauchdecke führte, schwere Akkus, kein Baden und alle zwei Tage ein steriler Verbandswechsel durch den Pflegedienst. Im Mai 2024 dann der Schock: Eine schwere Sepsis, Eiter im Bauchraum, der Bereich um die lebenserhaltenden Kabel war infiziert. Sofort wurde ge-listet für eine hochdringliche Transplantation (HU-Status).

Wiszinski musste den Klinikbereich verlassen und in einer Rehaklinik in Bad Fallingbostel warten. Nach 73 Tagen des Bangens – zu einem Zeitpunkt, als er innerlich bereits Abschied genommen und prophylaktisch sein Facebook-Konto gelöscht hatte – kam am 25. September 2024 der erlösende Anruf.

„Es war derselbe Pfleger, der mich damals schon zur Kunstherz-OP abgeholt hatte“, erinnert sich Wiszinski. Die Operation gelang. Trotz einer Nachoperation wegen eines Hämatoms war er schnell schmerzfrei. „Ich habe mich gefühlt wie neugeboren.“

Heute, gut anderthalb Jahre später, genießt Jörg Wiszinski sein neues Leben in vollen Zügen. Er hat sich ein E-Auto und einen E-Scooter gekauft, reist und kann endlich wieder in der Ostsee baden. Die psychische Verarbeitung des Erlebten brauchte Zeit, doch heute blickt er voller Zuversicht und tiefer Dankbarkeit in die Zukunft.

Wer sein Lebensretter war, weiß Wiszinski nicht – noch nicht. Jeden Sonntag stellt er, genau wie sein Freund und ebenfalls Spenderherzempfänger Jörg Böckelmann, eine Kerze ins Fenster, um dem unbekannten Spender zu gedenken. Nach zwei Jahren möchte er über die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) eine anonyme Anfrage stellen, ob die Angehörigen ihn kennenlernen möchten. „Ich werde das auf jeden Fall versuchen“, sagt er.

Aus dieser tiefen Dankbarkeit heraus engagiert sich der 62-Jährige heute aktiv im Verein Pulslosle-ben und in der Aufklärungsarbeit, um Menschen die Angst vor dem Thema Organspende zu nehmen.

Beim Aktionstag in Helmstedt ging es genau darum: Aufklärung ohne Druck. Franziska Dräger, Verwaltungsleiterin der Helios St. Marienberg Klinik Helmstedt, betont die Bedeutung solcher Veranstal-tungen: „Das Thema Organspende erfordert viel Mut, Transparenz und vor allem den offenen Dialog. Jörg Wiszinskis Geschichte zeigt auf tief bewegende Weise, wie die Organspende Leben retten kann. Ein herzlicher Dank gilt den Organisatoren der norddeutschen Campertour und allen beteiligten Ex-perten der DSO, DGFG sowie unseren eigenen Transplantationsbeauftragten für ihr Engagement.“

 

Foto: v.l. Spenderherzempfänger Jörg Wiszinski, Constance Blome, TxB-Netzwerk, Steffen Nier, Leitung Inten-sivstation, Noah Möller, DGFG, Jona Drewes, DSO, Dennis Gruschka, TxB-Netzwerk, Tony Hartanto, Oberarzt Zentrale Notaufnahme, Leonard Altfelix, DGFG, Henning Bolle, Transplantationsbeauftragter Helios Cluster Nie-dersachsen-Nord, Aline Prasse, Pflegedirektorin, Dr. Ralf Dörre, ärztlicher Direktor, Franziska Dräger, Verwaltungsleitung

Nach dem Kunstherz jetzt ein neues Leben mit dem Herzen eines anderen Menschen