Für Matthias Henne begann alles im Februar. Er fühlte sich zunehmend erschöpft, blass und müde, litt unter Schwindel. Eine Blutuntersuchung beim Hausarzt ergab eine ausgeprägte Eisenmangelanämie. Zur weiteren Abklärung wurde Henne in die Helios St. Marienberg Klinik Helmstedt eingewiesen.
Zunächst erfolgte die klassische Diagnostik mittels Magen- und Darmspiegelung – beide Untersuchungen blieben jedoch ohne Ergebnis. „Wir konnten weder im Magen noch im Dickdarm eine Ursache für den Eisenmangel finden“, erklärt Zainoun Mansour, Leitender Oberarzt der Gastroenterologie. Anstelle einer aufwändigen und zeitintensiven Dünndarmendoskopie entschied er sich erstmals für das neue Verfahren der Kapselendoskopie.
„Mit der Kapselendoskopie haben wir nun die Möglichkeit, auch den Dünndarm zu untersuchen – einen Abschnitt des Verdauungstraktes, der mit herkömmlichen Endoskopien nur eingeschränkt erreichbar ist“, so Mansour. Der Patient schluckt dabei eine etwa vitaminpillengroße Kapsel, die mit einer hochauflösenden Kamera ausgestattet ist. Während sie den Verdauungstrakt passiert, nimmt sie tausende Bilder auf und sendet diese an ein Aufnahmegerät, das der Patient am Körper trägt. Die Untersuchung ist schmerzfrei, erfolgt ohne Narkose und belastet die Betroffenen kaum. Die Kapsel wird anschließend auf natürlichem Wege ausgeschieden.
Für Matthias Henne war der Ablauf unkompliziert. „Ich musste zwar – wie bei einer normalen Darmspiegelung – vorher abführen, aber danach musste ich nur noch die Kapsel schlucken.“ Auf dem Monitor war sofort zu sehen, was die Kamera aufzeichnete. „Während der gesamten Untersuchungsdauer blieb Herr Henne stationär aufgenommen, damit wir die Auswertung engmaschig begleiten zu konnten“, erläutert Beatrix Wöhlke, Leitung der Endoskopie.
Die Untersuchung brachte schließlich Klarheit. „Wir konnten sogenannte Angioektasien nachweisen – erweiterte Blutgefäße in der Dünndarmschleimhaut. Besonders bei Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, können solche Veränderungen zu kleinen, oft unbemerkten Blutungen führen“, erläutert Mansour. „Diese Befunde könnten die Ursache für den Eisenmangel und die Blutarmut von Herrn Henne sein.“
Aktuell wird Henne konservativ mit hochdosierten Eisenpräparaten behandelt, die Blutwerte werden regelmäßig kontrolliert. Sollten sich die Werte nicht ausreichend stabilisieren, könnten weitere Untersuchungen des Dünndarms notwendig werden. „In bestimmten Fällen besteht dann auch die Möglichkeit, die Blutungsquellen mittels spezieller Dünndarmendoskopie direkt zu behandeln“, ergänzt Mansour.
Foto: v.l. Zainoun Mansour, Leitender Oberarzt der Gastroenterologie, Patient Matthias Henne, Beatrix Wöhlke, Leitung der Endoskopie.