Geschichten aus Sicht der Betroffenen
Eine Krebserkrankung ist mehr als eine medizinische Diagnose – sie ist eine zutiefst persönliche Erfahrung. In unseren Patientengeschichten teilen Betroffene ihren Weg durch Therapie, Zweifel und Hoffnung. Sie geben Einblick, Orientierung und zeigen: Niemand ist mit dieser Situation allein.
„Ich war Patient bei sechs Fachabteilungen“
Michael Geske (84) berichtet von seiner Darmkrebsbehandlung mit Umwegen
Ein Jahr seines Lebens hat es ihn gekostet, wieder gesund zu werden. Heute ist es fast so weit. „Demnächst, wenn auch das Stoma weg ist, dann bin ich wieder ganz der Alte“, freut sich Michael Geske. Er blickt zurück auf ein Jahr des Auf und Ab: der Bestürzung, der Hoffnung, der Rückschläge – und auch der aufwändigen Organisation einer Behandlung, die an drei verschiedenen Standorten stattfand. Dennoch würde er alles genau so wieder machen.
„Leider hatte ich nie Vorsorge betrieben“, gesteht Michael Geske. Als der rüstige Unternehmer aus dem Sauerland plötzlich diffuse Krankheitssymptome entwickelt, schickte sein Hausarzt ihn zum Facharzt in die Helios Klinik Attendorn. Dort stellt man fest, dass es ernst ist: Darmkrebs mit Lebermetastasen. „Dann ist das jetzt so“, dachte Geske und akzeptierte den Auftrag, sich zu kümmern.
Dr. Krupp, Chefarzt der Gastroenterologie an der Helios Klinik Attendorn, empfahl ihm die weitere Behandlung im zertifizierten Darmkrebszentrum des Helios Universitätsklinikums Wuppertal. Hier informierte ihn Prof. Florian Gebauer über die Chancen, die die Behandlung böte, stellte aber auch fest, dass der tennisballgroße Tumor sowie die vier Lebermetastasen in dieser Form inoperabel waren und zunächst mit einer Chemotherapie behandelt werden mussten. „Die Tumore entwickeln dadurch im Optimalfall eine gute Abgrenzung zum umgebenden Gewebe, so dass wir sie besser chirurgisch entfernen können“, erklärt Prof. Gebauer, Direktor des Chirurgischen Zentrums und Spezialist für viszeralonkologische Eingriffe.
„Die Chemotherapie, die ich von Dr. Schmalz und seinem Team in der Onko-Ambulanz erhielt, war zunächst etwas niedriger dosiert, um zu schauen, wie mein Körper reagiert“, berichtet Michael Geske. „Als alles gut anschlug, ging man hoch auf 100 Prozent.“ Zwölf Wochen sollte die Therapie dauern.
Leider entwickelte sich inzwischen ein Problem mit der Leber, so dass es jetzt unmittelbar darum ging, die Metastasen dort schnell zu entfernen. „Die OP sollte auf Empfehlung meiner Wuppertaler Ärzte an der Uniklinik Essen durchgeführt werden, von Prof. Neumann". Doch auch hier stellte man fest, dass zunächst dafür gesorgt werden musste, dass sich die Metastasen ein wenig abkapseln. Also erhielt Michael Geske eine Reihe von Bestrahlungen bei Prof. Piroth in Wuppertal, die dazu führten, „dass diese Metastasen gut einen auf die Mütze gekriegt haben“. Auch die Bestrahlung und die große Leber-OP in Essen hat Geske weggesteckt, konnte sich zwischen den Behandlungen immer wieder zuhause erholen und wurde an der Helios Klinik Attendorn medizinisch betreut.
Während der Leber-OP hatte Prof. Neumann jedoch gesehen, dass es eine weitere Metastase im anderen Leberlappen gab, die er nicht entfernen konnte, ohne zu viel des Organs wegzunehmen. In der Tumorkonferenz, bei der sich alle spezialisierten Ärzte laufend über jeden einzelnen Patienten austauschen, entwickelten die Ärzte gemeinsam eine Lösung. „In der Radiologie in Wuppertal wurde ich einer sogenannten Kryoablation, einer Vereisung des Tumorgewebes unterzogen“, erzählt Geske, der sich noch gut an das unangenehme, aber aushaltbare Prozedere erinnert. Mit einer langen Sonde drang die Radiologin unter örtlicher Betäubung bis zur Metastase vor und verödete diese mit Kälte. „Ich konnte dabei zuschauen und die Behandlung live am Bildschirm mitverfolgen, das hat mir Mut gemacht“. An der Spitze der Nadel entsteht eine Art Eisbombe, die die schlechten Zellen zum Platzen bringt. Der Körper transportiert diese dann selbstständig ab. „Das leuchtete mir ein und hat mich irgendwie auch fasziniert.“
„‘Noch zwei Minuten!‘ sagte der Chefarzt irgendwann, ‚dann haben wir alles berührt und auch einen Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe eingehalten!‘“, erinnert sich Geske. Drei Studierende durften bei der Behandlung zuschauen, um das Verfahren in der Anwendung zu erleben.
Zurück in Wuppertal konnte jetzt endlich die eigentliche Entfernung des faustgroßen Tumors im Dickdarm durchgeführt werden. Leider heilte in der Folge eine der Wunden im Körperinneren nicht gut zu. „Hier versorgte mich Prof. Lars Bönicke, Proktologe und Leiter des Analkarzinomzentrums, mit einer speziellen Wundheilung mit einem Schwamm mit Medikamenten und einer Vakuumflasche, die die Körperflüssigkeiten aufnahm. Prof. Bönicke stellte mir diese Methode als Meilenstein, sogar als Quantensprung in der Darmheilung vor. Diese Flasche lernte ich selbstständig zu wechseln und musste alle 14 Tage nach Wuppertal kommen, um den Fortschritt zu zeigen. Immer, wenn wir uns sahen, sagt er zu mir: ‚Es heilt‘. Eines Tages sagte er: ‚Geske, jetzt aktivieren Sie mal Ihre Selbstheilungskräfte!‘ Und das tat ich dann auch. Die Vakuumtherapie konnte kurz darauf beendet werden.“
Heute, nach 12 Monaten Behandlung, gilt Geske als krebsfrei. „Geheilt bin ich dann laut der Ärzte in vier Jahren, denn so lange wird alles noch engmaschig kontrolliert werden. Aber ich fühle mich schon heute ausgezeichnet und genieße das Leben. Ich bin den tollen Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden und allen anderen Menschen dankbar, die mir geholfen haben, ich kenne alle ihre Namen und habe mich bei ihnen auch noch mal persönlich bedankt.“
Auf die Frage, wie er die Behandlung an drei verschiedenen Orten empfunden habe, muss Geske nicht lange überlegen: „Ich sehe, warum es notwendig ist, solche seltenen und schweren Fälle in spezialisieren Häusern zu behandeln. Das müssen Menschen machen, die sehr erfahren sind. Ich hätte mich sowieso umgehört, wo man die meiste Erfahrung mit solchen Erkrankungen hat.“
Und die viele Fahrerei, die langen Wege zu den verschiedenen Arztterminen? „Ich bin zum Glück Teil einer lebendigen Großfamilie, alle haben mir ihre Unterstützung angeboten. Am Ende hat den Großteil mein Bruder Friedrich geleistet. Ich bin ihm sehr dankbar für seine Hilfe, und es hat sich ja auch wirklich gelohnt.“
"Krebs ist eine Erfahrung, die das Leben prägt."
Polizist Torben Schwarzbach, heute 32, erkrankte 2019 zum ersten Mal an Krebs, als er in einer Hundertschaft tätig war. „Ich war extrem fit, da ich mich parallel auf ein Auswahlverfahren für die Spezialeinheiten vorbereitete. Plötzlich hatte ich Atemprobleme. Im CT fand man den Grund, dass ich nicht richtig atmen konnte: einen Tumor neben der Lunge, der diese zur Seite drückte, und viele vergrößerte Lymphknoten. Die Diagnose wurde durch eine Biopsie in der Achsel erhärtet: Hodgin-Lymphom. Ich erhielt vier Zyklen Chemo plus Bestrahlung. Im Rückblick würde ich die Zeit als positiv bewerten. Man merkt, worauf man sich verlassen kann: Freunde und Familie. Auch meine Kollegen und Vorgesetzten haben mich unterstützt.“
Nach der viermonatigen Behandlung bekam Torben Schwarzbach eine Reha, speziell für junge Erwachsene bis 32. Dort ging es ihm sehr gut. „Ich war glücklich, das hat mir sehr geholfen. Insgesamt war ich zehn Monate krankgeschrieben.“ Doch es dauerte, bis er wieder richtig fit war.
„Ich bin bei Level ‚Minus zehn‘ gestartet“, berichtet der heutige Einsatztrainer und stellvertretende Gruppenführer. Aber ich wollte unbedingt an dem Punkt weitermachen, wo ich aussteigen musste. Doch zunächst musste ich mit den Arbeitszeiten und Herausforderungen in der Hundertschaft wieder klarkommen, die ich eigentlich liebte. Das sind viel Wochenend-Dienste, bei denen man aber viel herumkommt, wie etwa zum G7-Gipfel in Elmau, lange Arbeitszeiten, die wenig planbar sind. Dafür hat man in der Woche viel frei. Zeit für Familie, Hobbys und Sport.“
Langsam wurde Torben Schwarzbach wieder der Alte. Doch dann im Sommer 2023 der Schock: ein Rückfall des Hodgkin-Lymphoms wird entdeckt. Seine Frau ist zu diesem Zeitpunkt im sechsten Monat schwanger. Nach der OP zur Bestimmung des Tumors erhält er zwei Zyklen noch intensiveren Chemotherapie, geht dann nach Köln zur Eigenstammzellspende. Dann kam der eigentliche Hammer: eine „Hochdosis“-Therapie, also die acht- bis zehnfache Menge Chemotherapie, und dann anschließend eine Rückführung der eigenen Stammzellen, um diese Intervention überhaupt überleben zu können. Im Anschluss wurde er zurück nach Wuppertal verlegt, um sich dort von den Folgen dieser Behandlung zu erholen.
„Das war eine sehr belastende Chemo“, erzählt Torben Schwarzbach. Seine Nieren versagten, der Körper habe sehr abgebaut. Diesen dramatischen Kampf kämpft der werdende Vater, während seine Frau alleine die Schwangerschaft durchsteht, ihn laufend in Köln besucht. „Unser Sohn kam in der Nacht zur Welt, als ich entlassen wurde.“
„Ich brauchte Arbeit und Alltag – für den Kopf“
Die ganze Behandlung hat nur dreieinhalb Monate gedauert, aber diese Zeit war sehr aufreibend. „Die Körpergefühle bei dieser krassen Chemo sind nicht zu beschreiben. Meine Frau hat alles miterlebt, trotzdem konnte ich mir ihr kaum darüber reden. Dabei ist ein gesunder Geist enorm wichtig, um durchzuhalten. Beim ersten Mal habe ich die Krankheit nach der Behandlung verdrängt und bekam dadurch Probleme. Daher habe ich beim zweiten Mal direkt mit meiner Therapeutin zusammengearbeitet. Die Strategien gegen Stress und Ängste haben mir sehr geholfen. Ich rede immer offen darüber, wenn mich jemand fragt.“ Die Erkenntnis: Kleine Probleme und Alltagsstress kennt Torben Schwarzbach nicht mehr. Geld, Kleinkram interessieren ihn nicht. „Aufsaugen, das Leben bewusst genießen“ ist sein Fazit.
Dr. med. Blasius Liss, der Herrn Schwarzbach am Anfang beider Therapien stationär betreut hat, ordnet den Fall ein:
"Bei aggressiven Erkrankungen wie dem Hodgkin-Lymphom können wir selbst bei Rückfällen oft eine Heilung erzielen ‒ vorausgesetzt, der Patient ist in der Lage, die anspruchsvolle Therapie zu überstehen.“ Der Onkologe berichtet, dass die körperliche und geistige Fitness ungeachtet der Krebserkrankung und ihres Stadiums einer der wichtigsten Prognosefaktoren ist. Hiermit sei jedoch keinesfalls das sportliche Niveau eines Spitzensportlers oder Elitepolizisten gemeint. Schon 150 Minuten moderate Ausdauerübungen pro Woche sind laut Gesundheitsexperten bei Erwachsenen ausreichend. „Der Fall von Herrn Schwarzbach zeigt: Auch wenn wir durch Sport nicht jede Krebserkrankung verhindern können, so können wir uns doch wenigstens die besten Chancen im Kampf dagegen geben, indem wir uns ein Leben lang ausreichend bewegen. "
Zitat:
Dr. med. Blasius Liss, Oberarzt und Leiter der Sektion Infektiologie in der Abteilung für Hämatologie und Onkologie am Helios Universitätsklinikum Wuppertal
"Krebs in der Schwangerschaft – wir haben es gut überstanden"
"Ich hatte eine Zeitlang unregelmäßig Blutungen. Als man mir beim Arzt sagte, ich sei schwanger, war die Freude groß und die Sorgen erstmal vergessen“, erzählt Daniela Del Grosso. Doch das Glücksgefühl wurde schnell durch stärkere Blutungen getrübt. „Ich wurde von Klinik in Wipperfürth per RTW nach Wuppertal gebracht, um das abzuklären. Dort wurde dann ein Gebärmutterhalskrebs bei mir gefunden. Ich war total geschockt. Früher war ich nie krank, warum ausgerechnet jetzt, mit dem Baby im Bauch?“
Eine Schwangerschaft ist ein ganz neuer Lebensabschnitt, Vorfreude ist das beherrschende Thema. Der Körper verändert sich, man isst für zwei, denkt für zwei in die Zukunft. Doch was geht in einer werdenden Mutter vor, die in der Schwangerschaft mit so starken Medikamenten behandelt werden muss wie eine Chemotherapie? Die Angst, dass das ungeborene Kind Schaden nimmt, ist riesig.
Eine Antwort auf ihre Frage „Warum gerade jetzt?“ gab es für Daniela Del Grosso nicht, dafür wurde bei ihr sofort mit einer umfassenden Diagnostik und Überwachung begonnen. Mehrere Lymphknoten wurden entnommen und dann unter engmaschiger Beobachtung geprüft, ob der Tumor weiter wächst. „Ja, er ist gewachsen, wie sich schnell herausstellte. Daher musste ich eine Chemo bekommen, die die für mich unumgängliche lebensrettende Tumor-Operation herauszögern sollte. Das ist zum Glück gelungen. Vor der ersten Chemo wurde mir noch ein Port gelegt. Durch die drei Zyklen Chemotherapie im Abstand von je drei Wochen haben die behandelnde Ärzte erreichen können, dass sich das Tumorwachstum so verlangsamt hat, dass mein Sohn bis zur 32.Schwangerschaftswoche im Bauch bleiben konnte. Ein Riesenerfolg. Und dabei hat er keine Schäden davongetragen, die Plazenta hat alle abgeschirmt. Ich war so froh, dass es ihm gut geht, das ist auch bis heute so. Ich selbst hatte kaum Nebenwirkungen von der Chemo.
Mein Sohn wurde per Kaiserschnitt entbunden, aber sonst ist für ihn alles gut verlaufen. Meine eigene OP folgte dann fünf Wochen später, insgesamt wurde ich viermal operiert. Heute muss ich noch alle drei Monate zur Nachsorge. Während der ganzen Behandlung habe ich mich gut aufgehoben gefühlt, sowohl bei Prof. Fleisch in der Landesfrauenklinik als auch in der Onkologie bei Dr. Schmalz, später bei Dr. Liss. Das enge Zusammenspiel der Fachabteilungen gab mir ein gutes Gefühl. Insgesamt würde ich sagen: Eine Welt ist zusammengebrochen, aber nach der Behandlung wurde es immer besser, und das wird es bis heute.“
Prof. Dr. Markus Fleisch:
"Ich bin sehr stolz auf Frau Del Grosso, sie ist großartig mit der Situation umgegangen“, sagt Prof. Dr. Markus Fleisch, Direktor der Landesfrauenklinik und ihr behandelnder Gynäko-Onkologe. Gerade bei Frauen in einem solchen Dilemma, Sorge um das ungeborene Kind auf der einen Seite und Sorge um die eigene Gesundheit auf der anderen, ist es wichtig, der Familie einen plausiblen und wissenschaftlich fundierten Ausweg aufzuzeigen, der dann auch für alle akzeptabel ist. Bei aller verständlicher Angst hatte unsere Patientin ausreichend Vertrauen, sich in 23. Schwangerschaftswoche mit einer Gebärmutter, die schon bis zum Bauchnabel reichte, per Bauchspiegelung die Beckenlymphknoten entfernen zu lassen und im Anschluss eine Chemotherapie in Kauf zu nehmen. Zum Glück ist ein Gebärmutterhalskrebs in der Schwangerschaft selten, rund eine von 10.000 Frauen bekommt in der Schwangerschaft diese Diagnose. Von diesen werden die meisten mit ganz frühen Tumoren diagnostiziert, was in unserem Fall nicht der Fall war, da der Tumor bereits eine beachtliche Größe erreicht hatte.
Bei solchen seltenen Konstellationen ist es umso wichtiger, dass die Frauen fachlich kompetent sowohl onkologisch, psychoonkologisch und geburtshilflich betreut werden, um das Beste für alle zu erreichen. Trotz der Distanz zwischen Wohn- und Behandlungsort konnten wir einen engen Kontakt zur Patientin halten und uns auch intensiv um die Schwangerschaft bis zur Kaiserschnittentbindung in der abgeschlossenen 32. Schwangerschaftswoche kümmern. Nach weiteren sechs Wochen konnten wir dann die Behandlung mit einer komplettierenden Operation abschließen."
Zitat:
Prof. Dr. Markus Fleisch, Direktor der Landesfrauenklinik und Leiter des zertifizierten gynäkologischen Krebszentrums am Helios Universitätsklinikum Wuppertal
"Ich hatte Krebs und studiere Medizin."
Jeder zweite Deutsche ist in seinem Leben mit einer Krebserkrankung konfrontiert. Wie lebt man damit? Was macht die Diagnose mit den Patienten? Wie verläuft die Behandlung bei den verschiedenen Krebsarten und wie kommt es zu einer guten Verarbeitung der zumeist chronischen Erkrankung? Beim Patientenkongress „Leben mit Krebs“, den das Helios Universitätsklinikum Wuppertal in Kooperation mit der Deutschen Krebshilfe am 22. März 2025 in der Historischen Stadthalle Wuppertal veranstaltet, werden genau diese Fragen gestellt und von mutigen Patientinnen und Patienten live beantwortet. Einige von Ihnen stellen sich in dieser Reihe schon vorab mit ihrer Geschichte vor. Die Veranstaltung ist kostenlos und ohne Anmeldung zu besuchen.
„Ich lebe heute gut mit einer überstandenen Krebserkrankung. Aber es war schon eine harte Phase, die man nicht mehr vergisst“, erzählt Marius Mones. Der heute 30-Jährige blickt auf eine Behandlung zurück, die nicht nur sein Leben gerettet, sondern als Nebenwirkung auch seine Berufswahl entscheidend beeinflusst hat.
Mones war 2016 als Rettungssanitäter im Patientenbegleitdienst des Helios Universitätsklinikums Wuppertal beschäftigt, spielte viel Fußball und wunderte sich erstmal nicht, als er häufiger als sonst müde und schlapp war. „Plötzlich konnte ich auf meiner Haut malen“, erzählt Mones. „Das war das erste auffällige Symptom. Die Haut schwoll an, wenn man über sie kratzte, und eine Art rote Schrift trat hervor. Hinzu kamen über einen längeren Zeitraum Schluckbeschwerden und tastbare Lymphknoten. Irgendwann machte ich mir dann doch Sorgen.“ Es begann eine Zeit der Unsicherheit. Die Ärzte fanden zunächst nichts, doch der Hausarzt gab nicht auf und verordnete eine Bildgebung. Mittels Kontrastmittel-CT fand man vergrößerte Lymphknoten und in der Lunge Rundherde, also ein verdicktes Gewebe. „Sie gehen sofort ins Krankenhaus!“ hieß es dann – und am nächsten Tag schon wurden eine Bronchoskopie und andere Untersuchungen gemacht, ein Lymphknoten über die Lunge entfernt. Lymphknotenkrebs lautete die Diagnose. „Dieser erste zweiwöchige Aufenthalt hat mich kalt erwischt“, erinnert sich Mones. Vor der Chemo wollte er erstmal nur nach Hause. Dr. Schmalz, sein behandelnder Onkologe am Helios Universitätsklinikum Wuppertal, sagte ihm: „Sie brauchen nicht irgendeine Chemotherapie, Sie brauchen die beste!“ Die gab es für ihn im Rahmen einer Studie der German Hodgkin Study Group (GHSG) mit einem neuen Antikörper am Universitätsklinikum Köln. Diese Klinik ist weltweit führend im Bereich der Behandlung von Hodgkin-Lymphomen. Zudem konnte der junge Patient in eine Studie aufgenommen werden, die ihm die Behandlung mit einem vielversprechenden neuen Medikament ermöglichte. Eben diese Studie konnte kurze Zeit später auch am Helios Universitätsklinikum Wuppertal angeboten werden.
„Ich habe die sechs Zyklen recht gut vertragen, hatte aber Kopfschmerzen und war sehr schlapp. Diese Krankheit ist isolierend“, resümiert der angehende Mediziner im Rückblick. Nicht, weil er keinen Besuch erhalten hätte, im Gegenteil. Der Kontakt zu Freunden und Familie war intensiv. „Aber ich habe mich trotzdem oft allein gefühlt, weil die Menschen um einen herum mit dieser Diagnose überfordert sind. Auch mich selbst hat sie mit Gefühlen konfrontiert, die sich keiner vorstellen kann, der es nicht erlebt hat.“ Unter anderem deswegen lässt sich Marius Mones jetzt, Jahre nach der Behandlung, seit einem Jahr psychotherapeutisch behandeln.
„Am Heiligabend wurde ich entlassen. Als ich den letzten Tropfen Chemo erhielt, war ich am Tiefpunkt, konnte keine Flasche Wasser allein öffnen. Aber als im Januar der Anruf kam, dass der Krebs richtig und vollständig weg ist, ging es wieder aufwärts. Ich wurde langsam wieder fit, konnte im November wieder voll arbeiten. Lange Zeit hatte ich nicht so eine richtige Idee, was ich beruflich machen wollte, dachte über ein Bauingenieur-Studium nach. Aber die Erlebnisse in der Behandlung haben mich überzeugt: Obwohl mein Abi nicht das beste war, wollte ich es mit Medizin probieren. Um die Wartezeit zu überbrücken, habe ich noch 2018 eine Pflegeausbildung begonnen, nach einem Jahr bekam ich dann die Zusage für einen Studienplatz.“ In einem Jahr wird er sein zweites Staatsexamen machen. Eins seiner vier Praktika im Studium (Famulatur) tritt er in Kürze in seiner Heimatstadt Wuppertal an. „Ich freue mich schon darauf, viele alte Kolleginnen und Kollegen, aber natürlich auch manche meiner behandelnden Ärzte wiederzusehen und mit ihnen zu arbeiten.“
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