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Patient:innen und Expert:innen berichten

Menschen unterschiedlichen Alters erzählen hier ihre Geschichten. Lesen Sie von anderen, wie die Diagnose erlebt wurde, welche Ängste und Hoffnungen empfunden wurden und wie unsere Ärzt:innen und Pflegenden helfen und unterstützen konnten. 

Was sagen Patientinnen und Patienten?

Geschichten aus Sicht der Betroffenen

Eine Krebserkrankung ist mehr als eine medizinische Diagnose – sie ist eine zutiefst persönliche Erfahrung. In unseren Patientengeschichten teilen Betroffene ihren Weg durch Therapie, Zweifel und Hoffnung. Sie geben Einblick, Orientierung und zeigen: Niemand ist mit dieser Situation allein.

Helga Nimz, Brustkrebspatientin

„Auf einmal war ich selbst Patientin“ 

Helga Nimz entschied sich zur Teilnahme an einer Studie mit zielgerichteter Therapie
 

Dass sie selbst einmal an Brustkrebs erkranken könnte, hatte Helga Nimz nie gedacht. Unmittelbar vor ihrem Ruhestand erhielt die Fachkrankenschwester leider diese Diagnose. „Die Mammografie hat mein Leben gerettet“, sagt sie heute. Die Teilnahme an einer Medikamenten-Studie mit „zielgerichteter Therapie“ machte ihre Behandlung zwar länger, aber auch besser zu überstehen.

 

„Ich hatte alles so schön geplant: Nach dem Ruhestand wollte ich an die Ostsee ziehen. Als ich gerade dabei war, meine Abschiedsfeier für die Kollegen zu organisieren, kam der Befundbrief von der letzten Mammografie und ist wohl ein bisschen unter den Stapel gerutscht. Am Tag vor der Feier habe ich ihn wiedergefunden und schnell geöffnet – und dann war die Angst da.“

Helga Nimz hat ihr ganzes Leben mit voller Energie als Krankenschwester gearbeitet, diverse Zusatzqualifizierungen erworben und war lange im Palliativdienst und im Brustzentrum tätig. „Bisher konnte mich nichts erschüttern, aber es ist doch was anderes, selbst betroffen zu sein. Ich habe mich schnellstmöglich untersuchen lassen und auch die Stanzbiopsie fand noch am gleichen Tag statt. Die Tage des Wartens auf dieses Ergebnis, die zogen sich.“
 

Gefunden wurde ein zwei Zentimeter großer Tumor in der Brust. Bei den diversen Untersuchungen wie Knochenszintigrafie, Leberuntersuchung und Blutbild gab es einige „Treffer“, die sich zum Glück als harmlos herausstellten. Dann wurde ihr Fall in der Tumorkonferenz, der interdisziplinären Besprechung aller beteiligten Krebsmedizinerinnen und -mediziner, vorgestellt. Man stellte fest, dass Helga Nimz für die Aufnahme in die Studie geeignet ist, die prüft, ob bei bestimmten Eigenschaften eines Tumors die Standardtherapie, die eine Chemotherapie bedeutet, durch eine zielgerichtete Therapie ersetzt werden kann, bei gleich guter Prognose der Erkrankung. Am Helios Universitätsklinikum betreut das Brustzentrum insgesamt 36 klinische Studien, es ist als „Bestes Studienzentrum Deutschlands“ von der German Breast Group-Studiengruppe Deutschland ausgezeichnet. Sieben Studienkoordinatorinnen stehen den Patientinnen zur Seite und führen die Daten zusammen.
 

Anhand der sogenannten Randomisierung erhalten die Patienten in der Studie entweder eine Standardtherapie (in diesem Fall eine Chemotherapie) oder eine zielgerichtete Therapie nach einem Zufallsprinzip. Dabei wird sichergestellt, dass keine Gruppe systematisch bevorzugt wird, die Störfaktoren gleichmäßig verteilt sind und das Ergebnis möglichst objektiv und unverfälscht ist.
 

„Das Schicksal soll entscheiden“, dachte sich Helga Nimz. Und wurde dann mit der zielgerichteten Therapie, einem Medikament in Form von Tabletten behandelt.
 

Operation und Bestrahlung sollten eigentlich erst danach stattfinden, aber Helga Nimz wollte den Tumor so schnell wie möglich los sein. Das war für die Behandlung nicht entscheidend und wurde nach ihrem Wunsch durchgeführt. „Ich konnte auch brusterhaltend operiert werden und es wurden nur wenige betroffene Lymphknoten aus der Achsel entfernt. Vor zehn Jahren wäre hier noch ganz anders operiert worden“, erzählt die erfahrene Pflegekraft.
 

„Ich bekam zwei Jahre lang im Wechsel drei Wochen lang Medikamente und eine Woche hatte ich frei“, erinnert sich Helga Nimz. Mir wurde alles sehr gut erklärt von den Studienkoordinator:innen und Ärzt:innen. Ich wurde eng betreut und konnte mich zudem immer an meine Ansprechpartnerinnen in der Brustambulanz mit Fragen wenden. Jetzt, nach zwei Jahren Behandlung, kann ich sagen: Ich bin krebsfrei.“
 

Im Unterschied hat Fr. Nimz die Nebenwirkungen als weniger belastend erlebt, als sie sie zuvor, im beruflichen Kontext, bei Patientinnen unter Chemotherapie häufig beobachtet hatte. „Meine Haare sind als Folge der Antihormontherapie dünner und etwas weniger geworden, aber ich habe sie nicht ganz verloren. Auch die Veränderungen an Nägeln, Haut und Organen waren nicht so gravierend. Ich habe viel dazu gelesen, auch in Foren, und die Überlebenschancen der behandelten Personen sollen höher sein. Deshalb glaube ich, ich habe mich richtig entschieden.“ Auch die Angebote der Psychoonkologie hat sie genutzt, als es ihr zwischenzeitlich psychisch nicht gut ging.
 

Frau Nimz wird fröhlich, als sie erzählt, wie sie ihr neues Leben eingerichtet hat. „An die Ostsee bin ich nicht gezogen, da ich auf ich auf die Nähe meiner Freunde und Familie nicht verzichten wollte. Ich habe jetzt eine schöne neue Wohnung mit Terrasse und genieße das sehr. Es geht mir gut.“
 

Auf die Frage, was sie selbst jetzt vielleicht anders machen würde, wenn sie noch Patienten mit Brustkrebs zu betreuen hätte, antwortet Helga Nimz sehr sensibel: „Ich glaube, ich würde die Ängste der Patientinnen noch ernster nehmen, jetzt wo ich weiß, wie das ist. Das Kopfkino kann man nicht ausschalten. Deshalb ist es für mich persönlich gut gewesen, im Rahmen der Studie immer besonders gut informiert zu sein.“  

Prof. Vesna Bjelic-Radisic dazu: 


„Als erfahrene Chefärztin in der Behandlung von der Brusterkrankungen bin ich überzeugt von der Wirksamkeit von Studien, sowohl für die Forschung als auch für jeden einzelnen Patienten. Das Beispiel von Fr. Nimz zeigt, dass es sinnvoll ist, Patientinnen und Patienten mit den neuesten modernen Präparaten zu behandeln. Das erfordert selbstverständlich eine engmaschige Kontrolle und sehr viel Kommunikation.
 

Dank der neuen Therapie hatte sie weniger der üblichen Nebenwirkungen der Chemotherapie: Haarausfall, starke Blutbildveränderungen, keinen negativen Einfluss auf Herzfunktion, Sensibilitätsstörungen und Schmerzen in den Händen und Füßen, die in bis zu 30 % der Fälle lebenslang bestehen bleiben und zu massiven Einschränkungen führen. Manche Frauen können beispielsweise dann nicht mehr mit dem Kugelschreiber schreiben.
 

Natürlich hat auch die zielgerichtete Therapie Nebenwirkungen, die aber weniger schwer sind und eine bessere Lebensqualität während und nach der Therapie ermöglichen als bei Frauen, die eine Chemotherapie erhalten. Das ist durch Daten belegt. Viele Frauen, die diese Art von Therapie erhalten, können weiterhin arbeiten gehen und haben weniger Einschränkungen in Ihrem Alltag.  

Die rasanten Fortschritte in der Krebsforschung der letzten Jahre machen ständige Weiterbildung auch von uns Ärzten erforderlich. Unser Haus, insbesondere meine Abteilung, geht hier mit viel Engagement voran. Wir führen derzeit 36 verschiedene Studien durch – die genaue Zahl schwankt, da meist mehr neue Studien hinzukommen, als abgeschlossen werden. Am Helios Universitätsklinikum forschen zudem noch viele andere Fachabteilungen, zum Beispiel die Urologie, die Allgemeinchirurgie, das Herzzentrum oder die Kinderklinik. Unser Ziel ist: Das Beste für unsere Patient:innen zu erreichen.

Vesna Bjelic-Radisic
Chefärztin des Brustzentrums und der Abteilung Senologie | Helios Universitätsklinikum Wuppertal
Prof. Dr. med.
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Michael Geske, Unternehmer aus dem Sauerland

„Gemeinsam durch viele Hände geheilt“

Michael Geske (84) berichtet von seiner koordinierten Darmkrebsbehandlung 

 

Ein Jahr seines Lebens hat es ihn gekostet, wieder gesund zu werden. Heute ist es fast so weit. „Seit auch das Stoma weg ist, bin ich wieder ganz der Alte“, freut sich Michael Geske. Er blickt zurück auf ein Jahr des Auf und Ab, mit Bestürzung, Hoffnung, Rückschlägen – und auch auf die Organisation einer Behandlung, die an drei verschiedenen Standorten stattfand. 

 

„Leider hatte ich nie Vorsorge betrieben“, gesteht Michael Geske. Als der rüstige Unternehmer aus dem Sauerland plötzlich diffuse Krankheitssymptome entwickelt, schickte sein Hausarzt ihn zum Facharzt in die Helios Klinik Attendorn. Dort stellt man fest, dass es ernst ist: Darmkrebs mit Lebermetastasen. „Dann ist das jetzt so“, dachte Geske und akzeptierte den Auftrag, sich zu kümmern.

 

Dr. Krupp, Chefarzt der Gastroenterologie an der Helios Klinik Attendorn, empfahl ihm die weitere Behandlung im zertifizierten Darmkrebszentrum des Helios Universitätsklinikums Wuppertal. Hier informierte ihn Prof. Florian Gebauer über die Chancen, die die Behandlung böte, stellte aber auch fest, dass der tennisballgroße Tumor sowie die vier Lebermetastasen in dieser Form inoperabel waren und zunächst mit einer Chemotherapie behandelt werden mussten. „Die Tumore entwickeln dadurch im Optimalfall eine gute Abgrenzung zum umgebenden Gewebe, so dass wir sie besser chirurgisch entfernen können“, erklärt Prof. Gebauer, Direktor des Chirurgischen Zentrums und Spezialist für viszeralonkologische Eingriffe.

 

„Die Chemotherapie, die ich von Dr. Schmalz und seinem Team in der Onko-Ambulanz erhielt, war zunächst etwas niedriger dosiert, um zu schauen, wie mein Körper reagiert“, berichtet Michael Geske. „Als alles gut anschlug, ging man hoch auf 100 Prozent.“ Zwölf Wochen sollte die Therapie dauern.

 

Leider entwickelte sich inzwischen ein Problem mit der Leber, sodass es jetzt unmittelbar darum ging, die Metastasen dort schnell zu entfernen. „Die OP sollte auf Empfehlung meiner Wuppertaler Ärzte an der Uniklinik Essen durchgeführt werden, von Prof. Neumann". Doch auch hier stellte man fest, dass zunächst dafür gesorgt werden musste, dass sich der Tumor ein wenig abkapselt. Also erhielt Michael Geske eine Reihe von Bestrahlungen bei Prof. Piroth in Wuppertal, die dazu führten, „dass der Tumor gut einen auf die Mütze gekriegt hat“. Auch die Bestrahlung und die große Leber-OP in Essen hat Geske weggesteckt, konnte sich zwischen den Behandlungen immer wieder zuhause erholen und wurde an der Helios Klinik Attendorn medizinisch betreut. 

 

Während der Leber-OP hatte Prof. Neumann jedoch gesehen, dass es eine weitere Metastase im anderen Leberlappen gab, die er nicht entfernen konnte, ohne zu viel des Organs wegzunehmen. In der Tumorkonferenz, bei der sich alle spezialisierten Ärzte laufend über jeden einzelnen Patienten austauschen, entwickelten die Ärzte gemeinsam eine Lösung. „In der Radiologie in Essen wurde ich einer sogenannten Kryoablation, einer Vereisung des Tumorgewebes unterzogen“, erzählt Geske, der sich noch gut an das unangenehme, aber aushaltbare Prozedere erinnert. Mit einer langen Sonde drang die Radiologin unter örtlicher Betäubung bis zur Metastase vor und verödete diese mit Kälte. „Ich konnte dabei zuschauen und die Behandlung live am Bildschirm mitverfolgen, das hat mir Mut gemacht“. An der Spitze der Nadel entsteht eine Art Eisbombe, die die schlechten Zellen zum Platzen bringt. Der Körper transportiert diese dann selbstständig ab. „Das leuchtete mir ein und hat mich irgendwie auch fasziniert.“

 

„‘Noch zwei Minuten!‘ sagte der Chefarzt irgendwann, ‚dann haben wir alles berührt und auch einen Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe eingehalten!‘“, erinnert sich Geske. Drei Studierende durften bei der Behandlung zuschauen, um das Verfahren in der Anwendung zu erleben.

 

Zurück in Wuppertal konnte jetzt endlich die eigentliche Entfernung des faustgroßen Tumors im Dickdarm durchgeführt werden. Leider heilte in der Folge eine der Wunden im Körperinneren nicht gut zu. „Hier versorgte mich Prof. Lars Bönicke, Proktologe und Leiter des Analkarzinomzentrums, mit einer speziellen Wundheilung mit einem Schwamm mit Medikamenten und einer Vakuumflasche, die die Körperflüssigkeiten aufnahm. Prof. Bönicke stellte mir diese Methode als Meilenstein, sogar als Quantensprung in der Darmheilung vor. Diese Flasche lernte ich selbstständig zu wechseln und musste alle 14 Tage nach Wuppertal kommen, um den Fortschritt zu zeigen. Immer, wenn wir uns sahen, sagt er zu mir: ‚Es heilt‘. Eines Tages sagte er: ‚Geske, jetzt aktivieren Sie mal Ihre Selbstheilungskräfte!‘ Und das tat ich dann auch. Die Vakuumtherapie konnte kurz darauf beendet werden.“

 

Heute, nach 12 Monaten Behandlung, gilt Geske als krebsfrei. „Geheilt bin ich dann laut der Ärzte in vier Jahren, denn so lange wird alles noch engmaschig kontrolliert werden. Aber ich fühle mich schon heute ausgezeichnet und genieße das Leben. Ich bin den tollen Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden und allen anderen Menschen dankbar, die mir geholfen haben, ich kenne alle ihre Namen und habe mich bei ihnen auch noch mal persönlich bedankt.“

 

Auf die Frage, wie er die Behandlung an drei verschiedenen Orten empfunden habe, muss Geske nicht lange überlegen: „Ich sehe, warum es notwendig ist, solche seltenen und schweren Fälle in spezialisieren Häusern zu behandeln. Das müssen Menschen machen, die sehr erfahren sind. Ich hätte mich sowieso umgehört, wo man die meiste Erfahrung mit solchen Erkrankungen hat.“

 

Und die viele Fahrerei, die langen Wege zu den verschiedenen Arztterminen? „Ich bin zum Glück Teil einer lebendigen Großfamilie, alle haben mir ihre Unterstützung angeboten. Am Ende hat den Großteil mein Bruder Friedrich geleistet. Ich bin ihm sehr dankbar für seine Hilfe, und es hat sich ja auch wirklich gelohnt.“

 

Prof. Florian Gebauer dazu:

„In Deutschland gehört Darmkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen. Jedes Jahr erkranken rund 60.000 Menschen neu daran. Das Risiko steigt jedoch deutlich mit dem Alter, besonders ab etwa 50 Jahren. Da sich Darmkrebs meist langsam aus zunächst harmlosen Vorstufen entwickelt und lange keine Beschwerden verursacht, wird er ohne Vorsorgeuntersuchungen oft erst spät entdeckt. Durch Vorsorgeprogramme und bessere medizinische Versorgung ist die Zahl der Todesfälle in den letzten Jahren jedoch zurückgegangen.

Bei Herrn Geske lag eine besondere Situation vor: Der Tumor im Enddarm hatte bereits Absiedlungen in der Leber gebildet, was die Behandlungsplanung deutlich komplexer macht.

Herr Geske wurde nach Diagnosestellung in unser Onkologisches Zentrum überweisen, wo wir eine Therapie- und Operationsplanung durchführten und alle weiteren Untersuchungen für den Patienten koordinierten. Die Strahlen- und Chemotherapie führten wir in unserem Haus durch. Für die Operationen derartiger Lebermetastasen haben wir eine enge Kooperation mit der Universitätsklinik in Essen, dem größten Zentrum für Leberchirurgie in Deutschland, das auf genau derartige Operationen spezialisiert ist. Die Operation am Darm haben wir dann in Wuppertal durchgeführt, denn als zertifiziertes Darmkrebszentrum besitzen wir eine ausgewiesene Expertise in der Chirurgie von Darmkrebs. Komplexe Rektumoperationen werden, wann immer möglich, mit Unterstützung eines OP-Roboters durchgeführt. Aktuelle Studien zeigen, dass die Heilungsraten erhöht sind, wenn Schließmuskel-nahe Tumoren Roboter-assistiert operiert werden. Wir führen pro Jahr ca. 40–50 dieser Rektumresektionen durch und gehören damit zu den größten Zentren in NRW.

Die enge Verzahnung von verschiedenen Krankenhäusern hat im Fall von Herr Geske exzellent funktioniert, so dass er die bestmögliche Behandlung erfahren hat und heute, anderthalb Jahre nach Diagnosestellung, tumorfrei ist.“

Florian Gebauer
Direktor des Chirurgischen Zentrums, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und onkologische Chirurgie | Helios Universitätsklinikum Wuppertal
Prof. Dr. med.
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Krebs ist eine Erfahrung, die das Leben prägt

"Krebs ist eine Erfahrung, die das Leben prägt."

Polizist Torben Schwarzbach, heute 32, erkrankte 2019 zum ersten Mal an Krebs, als er in einer Hundertschaft tätig war. „Ich war extrem fit, da ich mich parallel auf ein Auswahlverfahren für die Spezialeinheiten vorbereitete. Plötzlich hatte ich Atemprobleme. Im CT fand man den Grund, dass ich nicht richtig atmen konnte: einen Tumor neben der Lunge, der diese zur Seite drückte, und viele vergrößerte Lymphknoten. Die Diagnose wurde durch eine Biopsie in der Achsel erhärtet: Hodgin-Lymphom. Ich erhielt vier Zyklen Chemo plus Bestrahlung. Im Rückblick würde ich die Zeit als positiv bewerten. Man merkt, worauf man sich verlassen kann: Freunde und Familie. Auch meine Kollegen und Vorgesetzten haben mich unterstützt.“

Nach der viermonatigen Behandlung bekam Torben Schwarzbach eine Reha, speziell für junge Erwachsene bis 32. Dort ging es ihm sehr gut. „Ich war glücklich, das hat mir sehr geholfen. Insgesamt war ich zehn Monate krankgeschrieben.“ Doch es dauerte, bis er wieder richtig fit war.
 

„Ich bin bei Level ‚Minus zehn‘ gestartet“, berichtet der heutige Einsatztrainer und stellvertretende Gruppenführer. Aber ich wollte unbedingt an dem Punkt weitermachen, wo ich aussteigen musste. Doch zunächst musste ich mit den Arbeitszeiten und Herausforderungen in der Hundertschaft wieder klarkommen, die ich eigentlich liebte. Das sind viel Wochenend-Dienste, bei denen man aber viel herumkommt, wie etwa zum G7-Gipfel in Elmau, lange Arbeitszeiten, die wenig planbar sind. Dafür hat man in der Woche viel frei. Zeit für Familie, Hobbys und Sport.“
 

Langsam wurde Torben Schwarzbach wieder der Alte. Doch dann im Sommer 2023 der Schock: ein Rückfall des Hodgkin-Lymphoms wird entdeckt. Seine Frau ist zu diesem Zeitpunkt im sechsten Monat schwanger. Nach der OP zur Bestimmung des Tumors erhält er zwei Zyklen noch intensiveren Chemotherapie, geht dann nach Köln zur Eigenstammzellspende. Dann kam der eigentliche Hammer: eine „Hochdosis“-Therapie, also die acht- bis zehnfache Menge Chemotherapie, und dann anschließend eine Rückführung der eigenen Stammzellen, um diese Intervention überhaupt überleben zu können. Im Anschluss wurde er zurück nach Wuppertal verlegt, um sich dort von den Folgen dieser Behandlung zu erholen.
 

„Das war eine sehr belastende Chemo“, erzählt Torben Schwarzbach. Seine Nieren versagten, der Körper habe sehr abgebaut. Diesen dramatischen Kampf kämpft der werdende Vater, während seine Frau alleine die Schwangerschaft durchsteht, ihn laufend in Köln besucht. „Unser Sohn kam in der Nacht zur Welt, als ich entlassen wurde.“
 

„Ich brauchte Arbeit und Alltag – für den Kopf“

Die ganze Behandlung hat nur dreieinhalb Monate gedauert, aber diese Zeit war sehr aufreibend. „Die Körpergefühle bei dieser krassen Chemo sind nicht zu beschreiben. Meine Frau hat alles miterlebt, trotzdem konnte ich mir ihr kaum darüber reden. Dabei ist ein gesunder Geist enorm wichtig, um durchzuhalten. Beim ersten Mal habe ich die Krankheit nach der Behandlung verdrängt und bekam dadurch Probleme. Daher habe ich beim zweiten Mal direkt mit meiner Therapeutin zusammengearbeitet. Die Strategien gegen Stress und Ängste haben mir sehr geholfen. Ich rede immer offen darüber, wenn mich jemand fragt.“ Die Erkenntnis: Kleine Probleme und Alltagsstress kennt Torben Schwarzbach nicht mehr. Geld, Kleinkram interessieren ihn nicht. „Aufsaugen, das Leben bewusst genießen“ ist sein Fazit.

Dr. med. Blasius Liss, der Herrn Schwarzbach am Anfang beider Therapien stationär betreut hat, ordnet den Fall ein: 

 

"Bei aggressiven Erkrankungen wie dem Hodgkin-Lymphom können wir selbst bei Rückfällen oft eine Heilung erzielen ‒ vorausgesetzt, der Patient ist in der Lage, die anspruchsvolle Therapie zu überstehen.“ Der Onkologe berichtet, dass die körperliche und geistige Fitness ungeachtet der Krebserkrankung und ihres Stadiums einer der wichtigsten Prognosefaktoren ist. Hiermit sei jedoch keinesfalls das sportliche Niveau eines Spitzensportlers oder Elitepolizisten gemeint. Schon 150 Minuten moderate Ausdauerübungen pro Woche sind laut Gesundheitsexperten bei Erwachsenen ausreichend. „Der Fall von Herrn Schwarzbach zeigt: Auch wenn wir durch Sport nicht jede Krebserkrankung verhindern können, so können wir uns doch wenigstens die besten Chancen im Kampf dagegen geben, indem wir uns ein Leben lang ausreichend bewegen. "

 

Zitat:
Dr. med. Blasius Liss, Oberarzt und Leiter der Sektion Infektiologie in der Abteilung für Hämatologie und Onkologie am Helios Universitätsklinikum Wuppertal 

Krebs in der Schwangerschaft - wir haben es gut überstanden

"Krebs in der Schwangerschaft – wir haben es gut überstanden"

"Ich hatte eine Zeitlang unregelmäßig Blutungen. Als man mir beim Arzt sagte, ich sei schwanger, war die Freude groß und die Sorgen erstmal vergessen“, erzählt Daniela Del Grosso. Doch das Glücksgefühl wurde schnell durch stärkere Blutungen getrübt.  „Ich wurde von Klinik in Wipperfürth per RTW nach Wuppertal gebracht, um das abzuklären. Dort wurde dann ein Gebärmutterhalskrebs bei mir gefunden. Ich war total geschockt. Früher war ich nie krank, warum ausgerechnet jetzt, mit dem Baby im Bauch?“

 

Eine Schwangerschaft ist ein ganz neuer Lebensabschnitt, Vorfreude ist das beherrschende Thema. Der Körper verändert sich, man isst für zwei, denkt für zwei in die Zukunft. Doch was geht in einer werdenden Mutter vor, die in der Schwangerschaft mit so starken Medikamenten behandelt werden muss wie eine Chemotherapie? Die Angst, dass das ungeborene Kind Schaden nimmt, ist riesig.

 

Eine Antwort auf ihre Frage „Warum gerade jetzt?“ gab es für Daniela Del Grosso nicht, dafür wurde bei ihr sofort mit einer umfassenden Diagnostik und Überwachung begonnen. Mehrere Lymphknoten wurden entnommen und dann unter engmaschiger Beobachtung geprüft, ob der Tumor weiter wächst. „Ja, er ist gewachsen, wie sich schnell herausstellte. Daher musste ich eine Chemo bekommen, die die für mich unumgängliche lebensrettende Tumor-Operation herauszögern sollte. Das ist zum Glück gelungen. Vor der ersten Chemo wurde mir noch ein Port gelegt. Durch die drei Zyklen Chemotherapie im Abstand von je drei Wochen haben die behandelnde Ärzte erreichen können, dass sich das Tumorwachstum so verlangsamt hat, dass mein Sohn bis zur 32.Schwangerschaftswoche im Bauch bleiben konnte. Ein Riesenerfolg. Und dabei hat er keine Schäden davongetragen, die Plazenta hat alle abgeschirmt. Ich war so froh, dass es ihm gut geht, das ist auch bis heute so. Ich selbst hatte kaum Nebenwirkungen von der Chemo.
 

Mein Sohn wurde per Kaiserschnitt entbunden, aber sonst ist für ihn alles gut verlaufen. Meine eigene OP folgte dann fünf Wochen später, insgesamt wurde ich viermal operiert. Heute muss ich noch alle drei Monate zur Nachsorge. Während der ganzen Behandlung habe ich mich gut aufgehoben gefühlt, sowohl bei Prof. Fleisch in der Landesfrauenklinik als auch in der Onkologie bei Dr. Schmalz, später bei Dr. Liss. Das enge Zusammenspiel der Fachabteilungen gab mir ein gutes Gefühl. Insgesamt würde ich sagen: Eine Welt ist zusammengebrochen, aber nach der Behandlung wurde es immer besser, und das wird es bis heute.“

 

Prof. Dr. Markus Fleisch:
"Ich bin sehr stolz auf Frau Del Grosso, sie ist großartig mit der Situation umgegangen“, sagt Prof. Dr. Markus Fleisch, Direktor der Landesfrauenklinik und ihr behandelnder Gynäko-Onkologe. Gerade bei Frauen in einem solchen Dilemma, Sorge um das ungeborene Kind auf der einen Seite und Sorge um die eigene Gesundheit auf der anderen, ist es wichtig, der Familie einen plausiblen und wissenschaftlich fundierten Ausweg aufzuzeigen, der dann auch für alle akzeptabel ist. Bei aller verständlicher Angst hatte unsere Patientin ausreichend Vertrauen, sich in 23. Schwangerschaftswoche mit einer Gebärmutter, die schon bis zum Bauchnabel reichte, per Bauchspiegelung die Beckenlymphknoten entfernen zu lassen und im Anschluss eine Chemotherapie in Kauf zu nehmen. Zum Glück ist ein Gebärmutterhalskrebs in der Schwangerschaft selten, rund eine von 10.000 Frauen bekommt in der Schwangerschaft diese Diagnose. Von diesen werden die meisten mit ganz frühen Tumoren diagnostiziert, was in unserem Fall nicht der Fall war, da der Tumor bereits eine beachtliche Größe erreicht hatte.

Bei solchen seltenen Konstellationen ist es umso wichtiger, dass die Frauen fachlich kompetent sowohl onkologisch, psychoonkologisch und geburtshilflich betreut werden, um das Beste für alle zu erreichen. Trotz der Distanz zwischen Wohn- und Behandlungsort konnten wir einen engen Kontakt zur Patientin halten und uns auch intensiv um die Schwangerschaft bis zur Kaiserschnittentbindung in der abgeschlossenen 32. Schwangerschaftswoche kümmern. Nach weiteren sechs Wochen konnten wir dann die Behandlung mit einer komplettierenden Operation abschließen."

 

Zitat:
Prof. Dr. Markus Fleisch, Direktor der Landesfrauenklinik und Leiter des zertifizierten gynäkologischen Krebszentrums am Helios Universitätsklinikum Wuppertal

Ich hatte Krebs und studiere Medizin

"Ich hatte Krebs und studiere Medizin."

Jeder zweite Deutsche ist in seinem Leben mit einer Krebserkrankung konfrontiert. Wie lebt man damit? Was macht die Diagnose mit den Patienten? Wie verläuft die Behandlung bei den verschiedenen Krebsarten und wie kommt es zu einer guten Verarbeitung der zumeist chronischen Erkrankung? Beim Patientenkongress „Leben mit Krebs“, den das Helios Universitätsklinikum Wuppertal in Kooperation mit der Deutschen Krebshilfe am 22. März 2025 in der Historischen Stadthalle Wuppertal veranstaltet, werden genau diese Fragen gestellt und von mutigen Patientinnen und Patienten live beantwortet. Einige von Ihnen stellen sich in dieser Reihe schon vorab mit ihrer Geschichte vor. Die Veranstaltung ist kostenlos und ohne Anmeldung zu besuchen. 

 

„Ich lebe heute gut mit einer überstandenen Krebserkrankung. Aber es war schon eine harte Phase, die man nicht mehr vergisst“, erzählt Marius Mones. Der heute 30-Jährige blickt auf eine Behandlung zurück, die nicht nur sein Leben gerettet, sondern als Nebenwirkung auch seine Berufswahl entscheidend beeinflusst hat.
 

Mones war 2016 als Rettungssanitäter im Patientenbegleitdienst des Helios Universitätsklinikums Wuppertal beschäftigt, spielte viel Fußball und wunderte sich erstmal nicht, als er häufiger als sonst müde und schlapp war. „Plötzlich konnte ich auf meiner Haut malen“, erzählt Mones. „Das war das erste auffällige Symptom. Die Haut schwoll an, wenn man über sie kratzte, und eine Art rote Schrift trat hervor. Hinzu kamen über einen längeren Zeitraum Schluckbeschwerden und tastbare Lymphknoten. Irgendwann machte ich mir dann doch Sorgen.“ Es begann eine Zeit der Unsicherheit. Die Ärzte fanden zunächst nichts, doch der Hausarzt gab nicht auf und verordnete eine Bildgebung. Mittels Kontrastmittel-CT fand man vergrößerte Lymphknoten und in der Lunge Rundherde, also ein verdicktes Gewebe. „Sie gehen sofort ins Krankenhaus!“ hieß es dann – und am nächsten Tag schon wurden eine Bronchoskopie und andere Untersuchungen gemacht, ein Lymphknoten über die Lunge entfernt. Lymphknotenkrebs lautete die Diagnose. „Dieser erste zweiwöchige Aufenthalt hat mich kalt erwischt“, erinnert sich Mones. Vor der Chemo wollte er erstmal nur nach Hause. Dr. Schmalz, sein behandelnder Onkologe am Helios Universitätsklinikum Wuppertal, sagte ihm: „Sie brauchen nicht irgendeine Chemotherapie, Sie brauchen die beste!“ Die gab es für ihn im Rahmen einer Studie der German Hodgkin Study Group (GHSG) mit einem neuen Antikörper am Universitätsklinikum Köln. Diese Klinik ist weltweit führend im Bereich der Behandlung von Hodgkin-Lymphomen. Zudem konnte der junge Patient in eine Studie aufgenommen werden, die ihm die Behandlung mit einem vielversprechenden neuen Medikament ermöglichte. Eben diese Studie konnte kurze Zeit später auch am Helios Universitätsklinikum Wuppertal angeboten werden.
 

„Ich habe die sechs Zyklen recht gut vertragen, hatte aber Kopfschmerzen und war sehr schlapp. Diese Krankheit ist isolierend“, resümiert der angehende Mediziner im Rückblick. Nicht, weil er keinen Besuch erhalten hätte, im Gegenteil. Der Kontakt zu Freunden und Familie war intensiv. „Aber ich habe mich trotzdem oft allein gefühlt, weil die Menschen um einen herum mit dieser Diagnose überfordert sind. Auch mich selbst hat sie mit Gefühlen konfrontiert, die sich keiner vorstellen kann, der es nicht erlebt hat.“ Unter anderem deswegen lässt sich Marius Mones jetzt, Jahre nach der Behandlung, seit einem Jahr psychotherapeutisch behandeln.
 

„Am Heiligabend wurde ich entlassen. Als ich den letzten Tropfen Chemo erhielt, war ich am Tiefpunkt, konnte keine Flasche Wasser allein öffnen. Aber als im Januar der Anruf kam, dass der Krebs richtig und vollständig weg ist, ging es wieder aufwärts. Ich wurde langsam wieder fit, konnte im November wieder voll arbeiten. Lange Zeit hatte ich nicht so eine richtige Idee, was ich beruflich machen wollte, dachte über ein Bauingenieur-Studium nach. Aber die Erlebnisse in der Behandlung haben mich überzeugt: Obwohl mein Abi nicht das beste war, wollte ich es mit Medizin probieren. Um die Wartezeit zu überbrücken, habe ich noch 2018 eine Pflegeausbildung begonnen, nach einem Jahr bekam ich dann die Zusage für einen Studienplatz.“ In einem Jahr wird er sein zweites Staatsexamen machen. Eins seiner vier Praktika im Studium (Famulatur) tritt er in Kürze in seiner Heimatstadt Wuppertal an. „Ich freue mich schon darauf, viele alte Kolleginnen und Kollegen, aber natürlich auch manche meiner behandelnden Ärzte wiederzusehen und mit ihnen zu arbeiten.“

Die behandelnden Ärzte
Oliver Schmalz
Chefarzt Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin, Leiter des Onkologischen Zentrums | Helios Universitätsklinikum Wuppertal
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Blasius Liss
Sektionsleiter Infektiologie | Helios Universitätsklinikum Wuppertal
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Experten-Infos

Krebspatienten finden bei uns Hilfe

... und die steht jedem zu!

Sozialamtsleiter Michael Lehnen
Sozialamtsleiter Michael Lehnen

„Krebspatienten finden bei uns Hilfe – und die steht jedem zu!“

Sozialamtsleiter Michael Lehnen

Michael Lehnen leitet das Sozialamt der Stadt Wuppertal. Das Sozialamt sorgt dafür, dass niemand ohne Unterstützung dasteht. Auch im Fall einer Krebserkrankung hat das Sozialamt diverse Angebote, die informieren, beraten und weiterhelfen.
 

Viele Menschen wissen gar nicht, dass auch sie bei uns Hilfe und Beratung erhalten können“, so Michael Lehnen, der seit 1991 bei der Stadt Wuppertal arbeitet und seit nunmehr zehn Jahren das Sozialamt leitet. Oder sie denken: „Ich gehe doch nicht zum Sozialamt!“ Aber warum nicht? Wir können froh und auch stolz sein, dass wir in Deutschland die vielen Angebote haben, die verhindern, dass jemand allein und ohne Unterstützung dasteht.
 

Wie schnell kann es passieren, dass man aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr arbeitsfähig ist, denken Sie an einen Schlaganfall oder eine schwere Krebserkrankung. Wer angestellt ist, braucht sich im Regelfall zunächst keine Sorgen zu machen, erst einmal zahlen Arbeitgeber, Krankenkasse, Rententräger, Arbeitsamt oder Jobcenter. Oft gibt es Zuschüsse vom Arbeitgeber und Wiedereingliederungsmaßnahmen. Danach - oder wenn man selbstständig ist, schon früher ‒ wird es schwieriger. Wenn es keine anderen Leistungen mehr gibt, hat man Anspruch auf Grundsicherung, das heißt die Lebenshaltungskosten und Miete werden übernommen. Dies gilt auch bei zu geringer Rente. Niemand muss sich schämen, einen Antrag auszufüllen, man hat einen gesetzlichen Anspruch auf diese Leistungen.
 

Das Sozialamt berät und unterstützt im Übrigen auch, wenn die eigenen Mittel nicht ausreichen, um einen Heimplatz zu finanzieren. Hier entstehen oft erhebliche Kosten. Das Sozialamt bietet eine trägerunabhängige Pflegeberatung an, das heißt, jeder, der für sich Informationen zur richtigen Wohnform sucht oder Angehörige pflegt, bekommt eine Beratung von uns, bei Bedarf mit Hausbesuchen. Die Pflegeberatung oder die Servicetheke des Sozialamtes für alle drei Bergischen Städte in der neu eröffneten Bundesbahndirektion am Wuppertaler Hauptbahnhof nimmt Ihre Anliegen entgegen und vergibt die Beratungstermine.
 

Was viele Krebspatienten nicht wissen: Ihnen steht in den meisten Fällen ein Schwerbehindertenausweis zu. Damit können finanzielle Vorteile verbunden ein, evtl. günstigere Fahrten mit dem ÖPNV, Ermäßigungen und vieles mehr. Unter anderem auch bis zu fünf Extra-Urlaubstage. Es lohnt sich also auf jeden Fall, hier einen Antrag zu stellen. Eventuell kann sogar der Schritt zurück in den Beruf dadurch leichter fallen.

In Wuppertal haben wir eine Besonderheit, die mir am Herzen liegt: den Sozialdienst für Erwachsene. Wenn es um Pflege, Betreuung und persönliche Fragen geht, berät ein Team von Sozialarbeiter:innen und Sozialpädagog:innen in mehreren Beratungsstellen im gesamten Stadtgebiet. Auch hier sind Hausbesuche möglich. Viele organisatorische und finanzielle Fragen können hier wohnortnah besprochen werden, die Beratung ist wie alle unsere Angebote kostenlos.
 

Sie sehen, das Sozialamt kümmert sich nicht nur um diverse finanzielle Unterstützungsformen für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen können. Daneben gibt es vielschichtige andere Beratungsangebote wie die Wohnberatung der Paritätischen Hilfe, die Psychosoziale Krebsberatungsstelle, den Krisendienst „Wendepunkt“ und die Telefonseelsorge.
 

In Wuppertal gibt es ein breites Spektrum an Angeboten der Selbsthilfe. Die Selbsthilfekontaktstelle im Sozialamt unterstützt bei der Gründung von Gruppen und berät bestehende Gruppen.
 

Allein neun Gruppen treffen sich zu verschiedenen Krebserkrankungen. Hier fallen mir zum Beispiel die Gruppe der Kehlkopfoperierten ein oder die der Epithesenträger, die sich vor Kurzem neu gegründet hat. Chronische Schmerzen, psychische Probleme, Beziehungs- oder Suchtfragen – zu all dem finden Sie zahlreiche Selbsthilfegruppen. Niemand muss sich mit seinen Sorgen alleine fühlen, es gibt immer Menschen, die ähnliche Probleme haben. Sich hier auszutauschen und Tipps zu holen, kann Mut machen und vieles erleichtern.
 

Für die Rückkehr in den Beruf nach einer durchgestandenen Krebserkrankung habe ich einige Tipps für alle Berufstätigen:

-      Nutzen Sie die Angebote Ihres Arbeitsgebers im Bereich BGM, also Betriebliches Gesundheitsmanagement. Sie können zu Ihrer allgemeinen Gesundheit beitragen.

-      Diese Angebote umfassen auch eine strukturierte Wiedereingliederung. Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber auf das „Hamburger Modell“ an, das einen schrittweisen Wiedereinstieg strukturiert.

-      Besprechen Sie offen mit Ihrer Führungskraft, was Ihr Gesundheitszustand an Belastung zulässt und was vielleicht noch nicht.

-      Beantragen Sie Hilfsmittel, die Ihnen die Arbeit leichter machen! Hier kann auch die „Fachstelle für Menschen mit Behinderungen im Arbeitsleben“ unterstützen, auch Fürsorgestelle genannt, die ebenfalls vom Sozialamt der Stadt Wuppertal angeboten wird.
 

Schauen Sie sich zu den genannten Punkten doch mal auf unseren Webseiten der Stadt Wuppertal (www.wuppertal.de) um und entdecken Sie, auf wie vielfältige Weise Sie Unterstützung finden können. Ich empfehle, das jeweilige Stichwort über die Lupe einzugeben und mehrere Treffer anzuschauen. Wir freuen uns, Ihnen zu helfen.

 

Wir sind für Sie da

Hilfsangebote und Unterstützung

Wir unterstützen Sie vor, während und nach Ihrem Klinikaufenthalt.  Daher stehen Ihnen die Kolleg*innen aus der Seelsorge, dem Sozialdienst, des Entlassungsmanagements und die Patientenfürsprecher:innen zur Seite.