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Neue Therapieoption bei koronarer Herzerkrankung: Stralsunder Kardiologen setzen erfolgreich „Sanduhr-Stent“ ein

Die Kardiologen am Helios Hanseklinikum Stralsund erweitern ihr Leistungsspektrum um ein innovatives Verfahren für schwer herzkranke Patientinnen und Patienten: den sogenannten Koronarsinus (CS)-Reducer. Die neue Therapie richtet sich insbesondere an Menschen mit fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit, bei denen herkömmliche Behandlungen ausgeschöpft sind und die dennoch weiterhin unter Brustenge (Angina Pectoris) und Luftnot leiden.

28.04.2026 Lesedauer: - Min.
Neue Therapieoption bei koronarer Herzerkrankung: Stralsunder Kardiologen setzen erfolgreich „Sanduhr-Stent“ ein

Wie sehr diese neue Methode die Lebensqualität verbessern kann, zeigt der Behandlungserfolg bei Hans-Joachim Rodewald. Der 86-Jährige blickt auf eine lange Krankengeschichte zurück: In den vergangenen 20 Jahren wurden ihm insgesamt sieben Stents eingesetzt. Dennoch litt er zuletzt monatelang unter anhaltenden Brustschmerzen. Der Zustand verunsicherte ihn zunehmend und führte schließlich in die Notaufnahme des Klinikums mit Verdacht auf Herzinfarkt.

„Viele der Patientinnen und Patienten, die von dem CS-Reducer profitieren, haben eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich und sind meist umfassend behandelt. Der Eingriff bietet hier eine zusätzliche Option, wenn andere Maßnahmen nicht mehr ausreichend greifen“, erklärt der behandelnde Kardiologe, Dr. med. Khairi Ben Ltaief. Der Tunesier ist seit einem halben Jahr Oberarzt in der kardiologischen Klinik und hat vorher acht Jahre lang in Berlin gearbeitet.

Blutfluss bewusst verlangsamen

Das Besondere an dem Verfahren: Anders als bei klassischen Stents, die in verengte Arterien, den zum Herzen führenden Gefäßen, eingesetzt werden, um den Blutfluss zu verbessern, verfolgt der Koronarsinus (CS)-Reducer einen umgekehrten Ansatz. Das sanduhrförmige Drahtgeflecht wird in die vom Herzen wegführende Koronarvene eingesetzt und verlangsamt den Blutabfluss aus dem Herzen. Durch die gezielte Verengung hält sich das sauerstoffreiche Blut länger im Herzen und kann dort effektiver genutzt werden. „Man kann sich das wie eine Art ‘Stau-Effekt’ vorstellen, der dem Herzmuskel hilft, besser mit Sauerstoff versorgt zu werden“, so der Oberarzt.

Ein neues Leben ohne Schmerzen

Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv über einen Zugang über die Halsvene und ist für die Patientinnen und Patienten schonend. Das kann Herr Rodewald mit einem beeindruckenden Ergebnis bestätigen. Der Stralsunder war der erste Patient, der diese Therapie im Klinikum erhalten hat. „Ich konnte bereits nach einem Tag das Krankenhaus verlassen und habe keine Schmerzen mehr“, sagt er. Für Herrn Rodewald bedeutet das vor allem eines: ein Stück Lebensqualität zurückzugewinnen. „Jetzt kann ich endlich wieder im Garten arbeiten. Wir haben ein großes Grundstück. Da gibt es immer etwas zu tun.“

Individuelle Therapie für komplexe Krankheitsbilder

Der CS-Reducer ist insbesondere für ältere, multimorbide Patientinnen und Patienten geeignet, bei denen fast alle kardiologischen Therapien mit Medikamenten oder Operationen bereits ausgeschöpft wurden. „Auch für komplexe Krankheitsbilder bieten wir am Hanseklinikum individuelle und moderne Behandlungsmöglichkeiten an“, macht der Chefarzt der Kardiologie, Priv.-Doz. Dr. med. Mathias Busch deutlich. „Unser Ziel ist es, nicht nur Krankheiten zu behandeln, sondern die Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern. Mit dem CS-Reducer schaffen wir nun einen weiteren wichtigen Baustein.“