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Ein moderner kabelloser Schrittmacher gegen die Ohnmacht

Früher war Gunter Blass Schullehrer an der Werksrealschule, gab Tennis- und Fußballtraining und war sogar als Skilehrer aktiv. Doch plötzlich leidet er unter Atemnot und Ohnmachtsanfällen, was ihn zur Behandlung ins Helios Klinikum Pforzheim führt.

08.09.2026 Lesedauer: - Min.

Bis zu 15-mal am Tag verlässt Gunter Blass die Kraft und ihm wird kurzzeitig schwarz vor Augen. Das ist für den 84-jährigen, der bis ins hohe Alter noch Tennis gespielt hat und täglich auf dem Ergometer stand ein Novum. Bei seinem niedergelassenen Kardiologen erhält er dann die Diagnose: seine Herzfrequenz ist durch sein langjährig bekanntes Vorhofflimmern zu niedrig. Sein Herzschlag/Puls liegt teilweise nur bei 20 Schlägen pro Minuten. Normal wäre eine Herzfrequenz um 60 Schläge pro Minute. Bereits 2020 wurde er an zwei Herzklappen erfolgreich in der Helios Klinik für Herzchirurgie Karlsruhe operiert.

Die weitere Abklärung seines zu niedrigen Herzschlags erfolgt durch das Team der Kardiologie um Chefärztin Prof. Dr. Ilka Ott im Helios Klinikum Pforzheim, wo sich die Diagnose bestätigte. „Da Herr Blass unter einem zu langsamen Herzschlag, der sogenannten Bradykardie leidet, und bereits an zwei Herzklappen voroperiert wurde, haben wir uns entschieden ihm ein innovatives Herzschrittmachersystem zu implantieren. Der sehr kleine Herzschrittmacher wird – ganz ohne Sonden und Kabel (Leadless Pacemaker) – über die Leistenvene in der Herzkammer platziert und wird dort mit einer Schraube sicher im Muskelgewebe der Herzwand fixiert. Als vollwertiger Schrittmacher stellt er die Grundherzfrequenz sicher und steigert mit Hilfe eines integrierten Aktivitätssensor die Herzfrequenz bei Aktivität. Somit konnten wir sicherstellen, dass die voroperierte Klappe zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Kammer nicht erneut durch ein Schrittmacherkabel beeinträchtigt wird“, erklärt Dr. med. Hannah In der Wische, Oberärztin Kardiologie.

Doch das ist nicht der einzige Vorteil dieses fortschrittlichen Systems: Durch die minimalinvasive kathetergestützte Implantationstechnik, die entfallenden Sonden und die nicht benötigte Aggregattasche unter der Haut, haben Patienten ein deutlich geringeres Infektions- und Komplikationsrisiko. Deshalb ist es auch für Diabetiker, Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und für Patienten, die regelmäßig zur Dialyse müssen, besonders geeignet. Es bleibt keine sichtbare Narbe und die Armbewegung ist direkt nach dem Eingriff uneingeschränkt möglich.

Die Batterielaufzeit von bis zu 17 Jahren übersteigt die Lebensdauer eines herkömmlichen Schrittmachers von acht bis zehn Jahre deutlich. Wird ein Batteriewechsel erforderlich, kann das Gerät via Katheter wieder entfernt und ein neues Gerät eingesetzt werden.

„Toi Toi toi, seit meiner Behandlung im Helios Klinikum habe ich keine Ohnmachtsanfälle und keine Atembeschwerden mehr. Wenn ich zurückdenke an meine Vorsorgeuntersuchung, da habe ich es nicht einmal vom Parkplatz bis ins Sprechzimmer geschafft, ohne dass mir die Klinikmitarbeiter einen Rollstuhl, den sie liebevoll als Porsche betitelt haben, bringen mussten. Heute kann ich mich wieder um meine selbstgezogenen Tomaten, die Kräuter und den Salat im Garten kümmern. Zudem freue ich mich darauf jetzt im September die Hochzeit von meinem Enkelkind zu feiern, ganz ohne Angst dort das Bewusstsein zu verlieren“, ist Gunter Blass dankbar.

In Pforzheim ist das Helios Klinikum das einzige Krankenhaus, dass die Implantation dieses kabellosen Einkammer-Schrittmachers für die Hauptkammer anbietet. Auch für das weltweit erste kabellose Zweikammer-Schrittmachersystem, für Patienten deren Vorhof und Hauptkammer nicht synchron zusammenarbeiten, ist das Team des Herzkatheterlabors zertifiziert. Mit diesen Eingriffen können die Spezialisten ihren Patient:innen, so wie auch Herrn Blass, echte Lebensqualität zurückgegeben.