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„Gute Anschlussversorgung senkt das Rückfallrisiko deutlich“

Wenn der Krankenhausaufenthalt endet, beginnen für viele Patientinnen und Patienten die eigentlichen Sorgen: Wer organisiert Pflege? Wie kommt man an Hilfsmittel? Wer hilft bei Anträgen? Genau hier setzt der Sozialdienst an — eine oft unsichtbare, aber entscheidende Schnittstelle zwischen Medizin und Alltag.
Jessica Hormes (41) leitet das vierköpfige Team des Sozialdienstes an der Helios Klinik Attendorn. Sie erklärt, warum ihre Arbeit weit über Bürokratie hinausgeht und weshalb funktionierende Anschlusslösungen für das gesamte Gesundheitssystem entscheidend sind.

23.02.2026 Lesedauer: - Min.
Das Team des Sozialdienstes an der Helios Klinik Attendorn

Frau Hormes, warum braucht ein Krankenhaus überhaupt einen Sozialdienst?
Weil wir bei jedem stationären Aufenthalt das Gesamtbild im Blick haben — besonders bei älteren Menschen. Wir organisieren Entlassungen, Reha-Aufenthalte, notwendige Hilfsmittel, unterstützen bei Eilanträgen für Pflegegrade oder beantragen Betreuungen beim Amtsgericht. Kurz gesagt: Wir sorgen dafür, dass die Versorgung nach der medizinischen Behandlung funktioniert.

Das klingt eher nach Verwaltung als nach Medizin. Warum gehört das ins Krankenhaus?
Weil Zeit ein kritischer Faktor ist. Wir können Prozesse beschleunigen, Wartezeiten verkürzen und Angehörige entlasten, die in dieser Situation ohnehin stark belastet sind. Gleichzeitig profitieren auch die Kliniken davon: Patientinnen und Patienten können stabil entlassen werden, Betten werden frei, und Rückfälle werden vermieden. Gute Anschlussversorgung senkt nachweislich das Risiko erneuter stationärer Aufenthalte deutlich.

Was steht im Alltag im Mittelpunkt Ihrer Arbeit?
Ein großer Teil betrifft Anschlussheilbehandlungen und geriatrische Patientinnen und Patienten, die wir vollständig begleiten. Daneben organisieren wir Hilfsmittel, Reha- und Pflegeanträge, Kurzzeitpflege oder Heimplätze. Die Bandbreite ist groß — von organisatorischer Unterstützung bis zu komplexen Einzelfalllösungen.

Wie behalten Sie bei ständig neuen Regelungen den Überblick?
Durch Vernetzung. Die Sozialdienste der Helios-Kliniken tauschen sich regelmäßig aus, dazu kommen Fortbildungen sowie enge Kontakte zum Pflegestützpunkt des Kreises Olpe und zu regionalen Krankenhäusern. Diese Netzwerke sind entscheidend, um handlungsfähig zu bleiben.

Gibt es Fälle, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Besonders bewegend sind Situationen, in denen beide Partner Unterstützung brauchen. Etwa wenn eine pflegende Person selbst ins Krankenhaus muss. Dann organisieren wir parallele Versorgungslösungen — etwa Kurzzeitpflege für den Partner. In einem Fall konnten wir beide schließlich gemeinsam in derselben Einrichtung unterbringen. Solche Lösungen zeigen, wie wichtig Abstimmung und Kreativität sind.

Wo liegen aktuell die größten Hürden?
Der Mangel an Kurzzeitpflegeplätzen. Gerade in der Region beobachten wir einen Rückgang der Angebote. Mehr Einrichtungen wären dringend nötig.

Warum schrumpft das Angebot trotz steigender Nachfrage?
Personalmangel, wirtschaftlicher Druck auf Einrichtungen, demografischer Wandel und organisatorische Hürden führen dazu, dass Kapazitäten nicht ausgebaut werden — teilweise sogar sinken. Gleichzeitig steigt der Bedarf. Diese Schere spüren wir täglich.

Wie stark wird Ihr Dienst beansprucht?
Sehr stark. Im vergangenen Jahr haben wir über 2.100 Menschen beraten — 2003 waren es noch rund 400. Die Fälle reichen von Routine bis sehr komplex. Manche Menschen lehnen Hilfe ab; das müssen wir akzeptieren. Wir können unterstützen, aber niemanden zwingen. Dann sehen wir diese Personen oft später wieder.

Was sollten Menschen frühzeitig regeln?
Zum einen: Wir sind keine allgemeine Sozialberatung, sondern Ansprechpartner während eines stationären Aufenthalts. Danach übernehmen andere Stellen.

Zum anderen empfehlen wir dringend eine Vorsorgevollmacht. Sie stellt sicher, dass im Ernstfall vertraute Personen Entscheidungen treffen können — ohne langwierige gerichtliche Verfahren. Das schützt Selbstbestimmung und entlastet Angehörige erheblich.

Helios Klinik Attendorn

Leiterin Sozialdienst und Entlassungsmanagement

Wir sind keine allgemeine Sozialberatung, sondern Ansprechpartner während eines stationären Aufenthalts. Danach übernehmen andere Stellen.