Wie stehen Sie als Fachmediziner zum Thema Rheuma und Bewegung ?
Dr. Manfred Kemmerling: Es hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass Menschen mit Rheuma Sport und körperliche Aktivität meiden sollten. Das hat sich jedoch als falsch erwiesen, denn moderne wissenschaftliche Erkenntnisse zeichnen ein anderes Bild: Bewegung ist ein zentraler Bestandteil einer erfolgreichen Therapie. In den vergangenen Jahren hat sich die Sportwissenschaft intensiv mit den Auswirkungen von Bewegung bei rheumatischen Erkrankungen beschäftigt. Zahlreiche Studien belegen inzwischen eindeutig die positiven Effekte einer gezielten Bewegungstherapie.
Was ist das Besondere an rheumatischen Erkrankungen?
Rheuma ist ein Sammelbegriff für rund 300 verschiedene entzündliche und degenerative Erkrankungen. Häufig betroffen sind Gelenke, Muskeln und Sehnen. Die Folge sind Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und im fortgeschrittenen Stadium sogar Immobilität.
Wie trägt Bewegung dazu bei, diese Symptome zu lindern?
Regelmäßige körperliche Aktivität stärkt die Muskulatur, stabilisiert Knochenstrukturen und unterstützt die Gewichtskontrolle. Darüber hinaus wirkt Bewegung motivierend, steigert die allgemeine Leistungsfähigkeit und verbessert nachweislich die psychische Gesundheit.
Die Reduktion von Angst und depressiven Verstimmungen trägt entscheidend dazu bei, die Lebensqualität von Menschen mit Rheuma nachhaltig zu verbessern. Bewegung hilft somit nicht nur körperlich, sondern unterstützt auch mental im Umgang mit der Erkrankung.
Welche Sportarten sind für Rheumapatienten geeignet?
Besonders empfehlenswert sind gelenkschonende Sportarten wie Radfahren und Schwimmen. Sie fördern die Beweglichkeit, ohne die Gelenke durch Stoßbelastungen zusätzlich zu beanspruchen.
Auch ein individuell angepasstes Krafttraining – beispielsweise an Geräten oder mit leichten Gewichten – kann sinnvoll sein, sofern es an die jeweilige funktionelle Beweglichkeit angepasst wird. Ziel ist es stets, die Muskulatur zu kräftigen und die Gelenke zu stabilisieren.
Wo liegen die Grenzen?
Grundsätzlich gilt: Bewegung ist nahezu immer sinnvoll – jedoch angepasst an die individuelle Situation.
Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen, künstlichen Gelenken, erhöhter Sturzneigung oder anderen Vorerkrankungen sollte vor Aufnahme eines Trainingsprogramms Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gehalten werden. Eine fachkundige Begleitung gewährleistet ein sicheres und effektives Training.
Was erwartet Besucher Ihres Vortrags am 25. Februar?
Im Rahmen des Vortrags gehe ich der Frage nach:
„Was motiviert uns, unseren Alltag gesund zu gestalten – und was hält uns von einer gesunden Lebensweise ab?“
Besucherinnen und Besucher erwartet ein praxisnaher Einblick in aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sowie konkrete Impulse für mehr Bewegung und Lebensqualität – auch mit rheumatischen Erkrankungen.