Das Ziel nicht aus den Augen verlieren

Sport unterstützt Kampf gegen Krebs – ein Erfahrungsbericht

Sport unterstützt Kampf gegen Krebs – ein Erfahrungsbericht

Christian Müller ist Kraftsportler mit Leib und Seele. Er arbeitet als Fitness-Coach und lebt gesund. Die Diagnose Hodenkrebs wirft ihn aus der Bahn. Seine Leidenschaft für den Sport begleitet ihn durch die schwere Zeit und hilft ihm physisch und psychisch, die Krebserkrankung zu bewältigen.

Für Christian Müller ist Krafttraining nie langweilig, sondern ein nützlicher Ausgleich zum Alltag. Hieraus zieht er seine mentale Stärke. Während er als Kind eher pummelig war, begeistert er sich als Teenager für Fitness- und Kraftsport. Früher stand für ihn ein muskulöser Body im Fokus, heute geht es ihm vor allem um das Spüren der Körperkraft. Die Leidenschaft für Sport begleitet Christian Müller bis heute privat und beruflich. Seit 14 Jahren arbeitet der 37-Jährige Berliner als Personaltrainer und Fitness-Coach.

Dann kam die Diagnose

Vor drei Jahren erhielt Christian Müller die Diagnose Hodenkrebs. „Meine Familie und meine Freunde konnten es genau wie ich nicht fassen, dass der Krebs ausgerechnet mich traf. Mich, der doch so einen gesunden Lebensstil hat“,sagt er.

Im Sommer 2014 spürt Müller eine Verhärtung am Hoden. „Irgendwie wusste ich gleich, dass das da nicht hingehört. Es versetzte mich anfangs in Panik“, berichtet er. Der Arzt diagnostiziert einen Tumor und  rät ihm zunächst zur Kryokonservierung – dem Einfrieren von Sperma. Denn seine Familienplanung ist noch nicht abgeschlossen. Eine knappe Woche später wird der linke Hoden operativ entfernt. Christian Müller darf nach zwei Tagen wieder nach Hause. Er ist zuversichtlich, dass das Ganze erledigt ist.

Aber die folgende Blutuntersuchung zeigt, dass der Beta HCG-Wert, ein Tumormarker bei Männern, stark erhöht ist und stetig steigt. „Das war schon ein Schlag in die Magengrube“ erinnert er sich. Obgleich im CT nichts erkennbar ist, vermuten die Ärzte eine Metastase irgendwo im Körper Sie entscheiden sich für eine Chemotherapie.

Knapp drei Wochen nach der Operation beginnt für Christian Müller der erste Chemo-Zyklus. „Ich weiß nicht, wie ich die folgenden zweieinhalb Monate durchgestanden habe“, sagt Müller heute.

In dieser Zeit fragt er immer wieder, ob er Sport machen darf. Die Ärzte reagieren zurückhaltend und raten ihm: „Machen Sie nicht zu viel, die Chemo ist ja körperlich auch sehr anstrengend.“ Er merkt selbst, wie wenig Lust auf Sport er hat.

Wirklich keine Lust auf Sport?

Das ist eine völlig neue, ungewohnte und unbefriedigende Situation für den überzeugten Sportler. Statt zu trainieren macht Müller nun ausgedehnte Spaziergänge. Er erinnert sich: „An einigen Tagen ging nicht einmal das.“ Aber er gibt nicht auf und treibt sich langsam selbst wieder zu kleinen Sporteinheiten an. „Das Krafttraining gehört einfach zu mir.“ Er brauchte das – auch während der Chemo. Als psychisch-physischen Ausgleich.

„Eine Chemo“, sagt Müller, „bedeutet auch Kontrollverlust. Normalerweise nimmt man seinen funktionierenden Körper immer als Selbstverständlichkeit hin. Während einer Chemo wird klar, dass das Leben nicht so selbstverständlich ist. Krebs wirft dich aus der Bahn und konfrontiert dich mit dem Tod. Ganz gleich, wie gut die Heilungschancen auch sein mögen.“

Krebs-Infotag am 09. November

Am Samstag, 09. November sprechen Spezialisten von 9 bis 15 Uhr im Helios Klinikum Berlin-Buch in Seminaren mit Interessierten über moderne Krebsmedizin. Der TV-Mediziner Dr. Carsten Lekutat moderiert eine Expertenrunde zur fachübergreifenden Krebsbehandlung. Interessierte können sich über die Website anmelden, aber auch spontane Teilnehmer sind willkommen: www.helios-gesundheit.de/krebs-weiter-leben