Die Vermessung des Gehirns

Diagnose Hirntumor: Wach-OPs durch neue Technik vermeiden

Diagnose Hirntumor: Wach-OPs durch neue Technik vermeiden

Jedes Jahr erhalten einige Hundert Menschen in Berlin und Brandenburg die Diagnose Hirntumor. Lange operative Eingriffe – manchmal sogar bei Bewusstsein - können für die Patienten notwendig werden. Ein neues Gerät kann den Krebspatienten die Eingriffe nun leichter machen.

Gehirntumore werden, wenn möglich, operativ behandelt. Die Eingriffe sind lang und müssen oft im Wachzustand der Patienten durchgeführt werden. So können die Chirurgen sichergehen, dass keine gesunden Gehirnareale zerstört werden.
Im Helios Klinikum Berlin-Buch sind die Neurochirurgen nun einen Schritt weiter gegangen. Sie verzichten weitgehend auf Wach-OPs. Um das zu ermöglichen, wurde in ein neues Gerät investiert, welches das Gehirn punktgenau vermisst. Das dahintersteckende Verfahren wird transkranielle Magnetstimulation (kurz TMS) genannt.

TMS

Die Transkranielle Magnetstimulation ist ein neuartiges, nichtinvasives Verfahren, bei der Magnetfelder auf das Gehirn wirken. Dadurch werden ausgewählte Hirnareale stimuliert und andere gehemmt.

„Chirurgische Eingriffe am Gehirn sind sehr gefährlich. Operationen im Wachzustand sind zudem eine noch größere Herausforderung für den Patienten, wie auch die Ärzte."

, erzählt Neurochirurg Dr. Bartolomäus Muskala.

Weil die Anschaffung den Patienten und den Ärzten mehr Sicherheit bringt, hat das Klinikum in das neuartige Gerät investiert.

Navi für den Kopf

Doch wie funktioniert das Verfahren genau? Es ist vergleichbar mit einem Navi, dass die Ärzte sehr detailliert durch den Kopf führt. Vor den operativen Eingriffen muss vom Kopf ein MRT gemacht werden. Anschließend legen sich die Patienten auf einen speziellen Behandlungsstuhl. Dort werden die Köpfe dann mit Hilfe einer Kamera vermessen. Anschließend werden die Ergebnisse mit 3D-Bildern mit einer Magnetspule abgeglichen. Damit sehen die Ärzte genau, wo sie sich genau am Kopf befinden.

Die Patienten haben dabei Elektroden an den Händen und Füßen. Aus der Magnetspule kommen Elektro-Impulse. Wenn dann die Extremitäten reagieren, kann der Bereich eindeutig einem motorischen Areal zugeordnet werden. Mit diesem Verfahren können detaillierte Karten von gesundem und krankem Gehirngewebe dargestellt werden. Bei der folgenden OP können die Patienten in Ruhe schlafen und die Ärzte unter einfacheren Bedingungen den Eingriff durchführen.

Vielfältig einsetzbar

Aber das TMS-Gerät ist noch bei einigen anderen Diagnosen einsetzbar. Bei einer Parese durch Schädigung des Rückenmarks kann die Magnetstimulation als zusätzliche Therapieform angeboten werden. Hier wird mithilfe magnetischer Impulse die geschädigte Muskulatur schmerzfrei von außen stimuliert. Die kaputten Nervenzellen werden angeregt und aktiviert.

Ebenso Patienten mit Depressionen, bei denen eine medikamentöse Therapie nicht wirkt behandelt werden. Die transkranielle Magnetstimulation kann betroffene Hirnareale schmerzfrei stimulieren. Durch Reize werden Gebiete im Kopf angeregt und tragen zu einer Verbesserung der depressiven Beschwerden bei.

Ähnlich ist der Einsatz bei Schmerzpatienten. Chronische Schmerzen sind für die Betroffenen meist sehr belastend. Entstehen die Schmerzen im Nervensystem selbst, kann die Hirnrinde mit magnetischen Impulsen stimuliert und aktiviert. Eine Schmerzlinderung tritt meist bereits nach der ersten Behandlung ein und kann einige Wochen anhalten.

Aber auch Schlaganfallpatienten können auch von dem Verfahren profitieren in dem geschwächte Hirnareale angeregt und aktiviert werden. Dadurch können geschädigte Funktionen regeneriert und Beschwerden verbessert werden.