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Multi-Familientagesklinik „Frühe Kindheit“ Hanseklinikum erweitert tagesklinisches Angebot um 0- bis 6-Jährige

Multi-Familientagesklinik „Frühe Kindheit“ Hanseklinikum erweitert tagesklinisches Angebot um 0- bis 6-Jährige

Stralsund

In Stralsund hat ein besonderes Behandlungsangebot für die ganz Kleinen begonnen. In der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie „Haus Löwenherz“ am Helios Hanseklinikum Stralsund werden Kinder von null bis sechs Jahren gemeinsam mit ihren Eltern aufgenommen, um Beeinträchtigungen in der Eltern-Kind-Beziehung zu behandeln. Es stehen zunächst vier Plätze zur Verfügung.

Eltern stehen unter enormem Druck. Sie müssen ständig funktionieren. Die neue Rolle ist für viele die größte Herausforderung des Lebens, denn nie zuvor waren sie so fremdbestimmt. Frust und Überforderung kennen wahrscheinlich alle Eltern. Schwierig wird es, wenn die Bindung zum Kind früh und anhaltend belastet wird. Das kann zu psychischem Leid im Kindes- und Jugendalter bis hin zu Misshandlungs- und Kindeswohlgefährdungssituationen führen. Bislang fehlten klinische familientherapeutische Unterstützungsangebote dieser Art, die im frühen Kindesalter ansetzen. Das Hanseklinikum hat das nun geändert und eine Multi-Familientagesklinik für diese Altersgruppe eröffnet.

„Wenn das gemeinsame Zusammenleben schwierig und die Erschöpfung und Belastung zu groß werden, bieten wir Hilfe“, erklärt der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. Martin Herberhold. Beispiele seien unter anderem Schreikinder, Kinder mit Behinderungen, Bindungsprobleme nach Trauma oder auch psychische Leiden der Eltern. „Unser Ziel ist es, Interaktions- und Regulationsstörungen frühestmöglich zu behandeln, um späteres Leid zu vermeiden. Dieser präventive Ansatz macht unsere Arbeit in der Familientherapie aus. Wir vermitteln Eltern Verständnis für die Bedürfnisse und Befindlichkeiten ihres Kindes und ermöglichen ihnen damit, eine engere Bindung aufzubauen“, sagt er.

Die Behandlung findet in Intervallen statt, sogenannte dreiwöchige „Therapiebooster“. Diese bieten im Vergleich zur einmaligen Therapie den Vorteil, dass Veränderungen schneller in das familiäre Alltagsleben und in den Sozialraum der Familien integriert werden können. Die Therapeuten können den Behandlungserfolg überprüfen und gegebenenfalls die Fortsetzung der Therapie anpassen. Zum Einsatz kommen unter anderem Einzel- und Familiengespräche, Ergotherapie, Spieltherapie und videogestützte Eltern-Kind-Interaktionstherapien, um für Eltern nachvollziehbar zu machen, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten und wie ihre Kinder darauf reagiert haben.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Beziehungsprobleme in diesem Alter oft in ihrem langfristigen Ausmaß auf die gesunde Entwicklung des Kindes und der ganzen Familie unterschätzt werden. Wir wollen Eltern und Kindern Unterstützung und Orientierung geben“, macht Dr. Susanne Schmidt deutlich. Die Leitende Oberärztin hat genauso wie der Chefarzt sowohl den Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie als auch Erwachsenenpsychiatrie. „Das ist ein echtes Aushängeschild und kommt Eltern und Kindern bei der ganzheitlichen Familientherapie in Stralsund besonders zugute“, erklärt Klinikgeschäftsführer David Kayser.

Ein ähnliches Therapiekonzept der „Frühen Kindheit“ gibt es in Mecklenburg-Vorpommern bislang nur in den Helios Kliniken Schwerin. Auch bundesweit bildet es eine absolute Ausnahme.

Das Hanseklinikum arbeitet eng mit dem Netzwerk „Frühe Hilfen“ zusammen. Sie koordinieren Hilfsangebote für Eltern und Kinder ab Beginn der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr. Neben alltagspraktischer Unterstützung wollen die Mitarbeiter:innen der „Frühe Hilfen“ einen Beitrag zur Förderung der Beziehungs- und Erziehungskompetenz von (werdenden) Müttern und Vätern leisten.

Bei Unterstützungsbedarf können sich Eltern an ihren Kinderarzt oder auch vertrauensvoll an die Ambulanz der Kinder- und Jugendpsychiatrie wenden unter der Telefonnummer
(03831) 45-2655.