Verschiedene Spezialisten, ein Ziel: die beste Therapie gegen Krebs
Im Tumorboard ist nichts Routine

Verschiedene Spezialisten, ein Ziel: die beste Therapie gegen Krebs

Rottweil

Dienstagnachmittag in der Helios Klinik Rottweil, der Besprechungsraum füllt sich. Hier kommen Chirurgen, ein Hämatoonkologe, Radiologen, der Strahlentherapeut, ein Pathologe und Innere Mediziner zusammen, vom Chefarzt bis zum Assistenten. Deren Aufgabe an diesem Nachmittag: für Krebspatienten die bestmögliche Therapie zu finden.

„Tumorboard“ nennt sich die Runde, die hier wöchentlich Ärzte verschiedener Fachrichtungen vereint. Der Beamer wirft die Bilder aus dem CT auf eine große Leinwand, alle Blicke richten sich auf die Aufnahmen. Dr. Roxana Ghiorghe, Oberärztin in der Klinik für Innere Medizin, stellt eine Patientin vor, die bereits zweimal in den letzten drei Jahrzehnten eine Krebserkrankung besiegt hat und eigentlich als geheilt galt.

Sie wurde von ihrem Hausarzt wegen Schluckbeschwerden ins Rottweiler Krankenhaus überwiesen. Nach der Untersuchung steht fest: Der Krebs ist zurück, wenn auch an anderer Stelle. Diesmal sitzt ein – auch für die Mediziner überraschend großer – Tumor an der Speiseröhre. Trotz wöchentlichen Treffen ist hier nichts Routine, das Schicksal der Patientin drückt auf die Stimmung. Gemeinsam legen die Mediziner das weitere Vorgehen fest: Ein endoskopischer Ultraschall soll erfolgen, darüber hinaus eine Punktion des Lymphknotens. Sollte der Lymphknoten ebenfalls befallen sein, wäre eine Chemotherapie der nächste Schritt: Zeigt das Lymphknotengewebe in der Pathologie keine Veränderung, ist eine Operation ratsam – dann wird die Patientin in ein Zentrum für Oesophaguschirurgie überwiesen, in die Betreuung durch Spezialisten für Erkrankungen der Speiseröhre.

Dr. Michael Ehrsam, Hämatoonkologe aus Rottweil, stellt an diesem Nachmittag die nächste Patientin vor. Sie ist 1934 geboren und hat bereits seit Monaten Rückenschmerzen  mit Wirbelkörperfrakturen, verursacht durch Osteoporose. Weil die Rückenschmerzen zunehmend schlimmer wurden, schickte der Hausarzt die Patientin ins CT. Der Vergleich mit früheren Bildern zeigte an einem Wirbel deutliche Veränderungen, Dr. Ehrsam wurde hinzugezogen. Laborwerte und eine anschließende Knochenmarkpunktion lieferten die eindeutige Diagnose: Die Patientin hat ein multiples Myelom, eine bösartige Blutkrankheit, die oft mit Knochenbrüchen einhergeht. Eine Heilung ist nicht möglich, deshalb einigen sich die Mediziner auf eine palliative Tumortherapie.  Dadurch lässt sich die Krankheit gut kontrollieren, gleichzeitig verlängert sich die Lebensdauer und die Lebensqualität der Patientin bleibt erhalten.

Ganz anders liegt der Fall bei einem jungen Mann, den Chefarzt René Hodina vorstellt. Der 52-jährige Rottweiler kam in die Viszeralchirurgie, weil ihn ein Hämorrhoidal-Leiden plagte. Es zeigte sich als Ursache ein sogenannter Analpolyp, der äußerst störend war. Dieser Polyp wurde vom Chirurgen in der OP abgetragen, das vollkommen unauffällige Gewebe standardmäßig in die Pathologie geschickt. Dort die Überraschung: Entgegen allen Erwartungen zeigte sich im Polyp ein Karzinom, also eine bösartige Gewebeveränderung. Gemeinsam besprechen die Spezialisten im Tumorboard, was nach dieser unverhofften Diagnose zu tun ist. Zunächst wird René Hodina die Stelle, an der er den Polypen entfernt hatte, nachkontrollieren, um sicherzustellen, dass keine bösartigen Gewebereste zurückgeblieben sind. Es folgt ein sogenanntes „Staging“: Der Patient bekommt ein CT von Brust und Bauch, um weitere Tumore oder eventuell befallene Lymphknoten auszuschließen. Dann übernimmt der Strahlentherapeut den Patienten. Das erklärte Ziel ist, ihn von seiner Tumorerkrankung zu heilen. Und: Aufgrund des frühen Stadiums sind hier die Heilungschancen sehr gut.

Standards verbessern die Heilungschancen

Rund 500.000 Menschen erkranken jährlich an Krebs. Die gute Nachricht: Etwa die Hälfte aller Erwachsenen können geheilt werden, bei Kindern sogar vier von fünf. Die Chancen, eine Krebserkrankung zu überleben, sind heute also besser denn je – nicht nur wegen der Medikamente, sondern auch deshalb, weil es für die Behandlung klar definierte Vorgehensweisen und Prozesse gibt. Diese Standards werden regelmäßig von externen Auditoren überprüft, und nur, wer die hohen Qualitätsanforderungen erfüllt, bekommt das Siegel „Zertifiziertes Zentrum“.

Eine Grundvoraussetzung ist, dass Mediziner bei der Behandlung von Krebspatienten fachübergreifend zusammenarbeiten. Plattform für diese Zusammenarbeit ist das sogenannte „Turmorboard“, das in den beiden Krebszentren der Helios Klinik Rottweil einmal wöchentlich stattfindet.

Zertifizierte Zentren in der Helios Klinik Rottweil

Darmzentrum und Brustzentrum

Die Helios Klinik Rottweil verfügt über zwei zertifizierte Zentren, in denen Patienten mit Krebserkrankungen betreut werden: Das Darmzentrum Rottweil und das Brustzentrum Neckar-Donau.

Im Darmzentrum Rottweil werden Patienten behandelt, die an bösartigen Erkrankungen des Darms leiden. Der Leiter des Darmzentrums Rottweil ist René Hodina, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie.  Er übernimmt mit seinem Team bei der Behandlung den operativen Part, für die Diagnostik zeichnet die Klinik für Innere Medizin mit ihrem Chefarzt Dr. Wolfgang Heinz verantwortlich.

Das Brustzentrum Neckar-Donau ist ein Zusammenschluss der Krankenhäuser in Rottweil und Sigmaringen. In Sigmaringen leitet Chefarzt Dr. Edgar Schelble das Brustzentrum, in Rottweil Dr. Jan Kaufhold, Chefarzt der Frauenklinik der Helios Klinik Rottweil. Im Brustzentrum werden sowohl Frauen mit Brustkrebserkrankungen als auch alle anderen gynäkologischen Krebsarten – etwa Eierstockkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Gebärmutterkrebs – behandelt. Das Tumorboard des Brustzentrums findet immer mittwochnachmittags statt. In einer gemeinsamen Diskussion zwischen Strahlentherapeuten, Pathologen, gynäkologischen Onkologen, dem Operateur sowie gegebenenfalls dem niedergelassenen Frauenarzt werden Möglichkeiten, Risiken und Chancen verschiedener Vorgehensweisen besprochen. Das angestrebte Therapiekonzept wird in Form eines Protokolls dokumentiert; die Patientinnen werden anschließend in einem gesondert vereinbarten Termin über die Therapieempfehlung informiert.