Zwillingsgeburt im Rettungswagen
Pressemitteilung
Und dann ging es ganz schnell

Zwillingsgeburt im Rettungswagen

Hildesheim

Die Zwillinge Marlene und Pauline wollten mit ihrer Geburt nicht bis zur Ankunft im Helios Klinikum Hildesheim warten. Notfallsanitäter von DRK und ASB wurden so während der Fahrt unvorhergesehen zu Geburtshelfern. Gemeinsam mit Hebamme und Notarzt kamen Mutter und Kinder sicher ins Krankenhaus.

Hildesheim, 29. Juni 2021 – In den meisten Fällen kommen Kinder auf extra dafür eingerichteten Geburtsstationen in Krankenhäusern zur Welt. So hatte es auch das Ehepaar Anna und Stefan Feg aus Bad Gandersheim für ihre Zwillingsmädchen geplant. Als die Einleitung der Geburt in der 37. Schwangerschaftswoche abzusehen war, machten die beiden Mädchen allerdings doch noch Anstalten, auf natürlichem Wege auf die Welt zu kommen. Aufgrund von regelmäßigen Wehen rief das Ehepaar in der Nacht des 24. Juni einen Rettungswagen (RTW), um sie wie geplant zur Geburt ins Helios Klinikum Hildesheim zu bringen. Die Kinder hatten es allerdings plötzlich eilig und kamen noch im RTW in Bockenem zur Welt. Dank eines tollen Teamworks der Rettungssanitäter vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Northeim und des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) Bockenem sowie Helios-Hebamme Tatjana Jäkel kamen die Kinder gesund zur Welt und letztendlich auch ins Klinikum.

Plötzlich leichte Wehen

Das EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn war noch nicht lange abgepfiffen, als die hochschwangere Anna Feg (33) und ihr Ehemann Stefan (38) sich in ihrem Haus in Bad Gandersheim schlafen gelegt haben. „Wir hatten uns mental schon auf die Einleitung der Geburt in den nächsten Tagen eingestellt, als ich um 1:45 Uhr plötzlich leichte Wehen bekam. Ich dachte mir erstmal nichts dabei und habe mir noch schnell einen Wehen-Checker als App runtergeladen, um die Abstände messen zu können. Als es dann plötzlich nur noch Abstände von vier bis fünf Minuten waren und die Wehen stärker wurden, hat mein Mann den Rettungswagen gerufen, der uns nach Hildesheim ins Helios Klinikum bringen sollte“, berichtet die frischgebackene Zwillingsmama.

Standardmäßig nur ein Abnabelungsset auf dem RTW

Um 3.23 Uhr wurde deshalb die DRK-Rettungswache Bad Gandersheim wegen einer beginnenden Geburt alarmiert. „Zwei Minuten später haben wir bereits die werdende Mutter im RTW aufgenommen“, berichtet Notfallsanitäter René Krumschmidt. Der werdende Vater Stefan Feg fuhr per Whatsapp-Live-Status seiner Frau hinter dem RTW her, hatte jedoch aufgrund der Sonderrechte für Einsatzfahrzeuge bereits nach kurzer Zeit keinen direkten Sichtkontakt mehr zu dem Wagen.

„Bereits bei Engelade vor Seesen war uns klar, dass es eine Geburt im RTW wird“, erzählt Krumschmidt weiter. Da standardmäßig jedoch nur ein Abnabelungsset zur Ausstattung des RTW gehört, nahm die Besatzung über die Rettungsleitstelle Hildesheim Kontakt zur nächstgelegenen Rettungswache des ASB in Bockenem auf. Für Zwillinge benötigt man schließlich zwei Sets. Zudem verständigten die Einsatzkräfte die Rettungsleitstelle Northeim und baten um Unterstützung durch einen Notarzt und eine Hebamme, welche sich kurz darauf aus dem Hildesheimer Helios Klinikum per Notarzteinsatzfahrzeug auf den Weg nach Bockenem machten.   

René Krumschmidt (links) und Tim Brand von der DRK-Rettungswache Bad Gandersheim wurden im RTW zu Geburtshelfern.

„Als wir an der Bockenemer Rettungswache eintrafen, erwartete uns das dortige Team schon“, so Krumschmidt weiter. Gemeinsam versorgten nun die Kräfte der DRK-Rettungswache Bad Gandersheim und der ASB-Wache Bockenem Hand in Hand die werdende Mutter. Und dann ging alles ganz schnell. Krumschmidt: „Die Wehen kamen immer häufiger und mit der ersten Presswehe platze dann auch die Fruchtblase.“

In Windeseile schob sich das Köpfchen des ersten Kindesin den Geburtskanal. Um 4.07 Uhr erblickte dann zuerst Marlene mit einem Gewicht von 3.030 Gramm und einer Größe von 52 Zentimetern das Licht der Welt. Nachdem das Kind mit der Atmung begonnen hatte, durchtrennte Krumschmidt die Nabelschnur und legte das Baby auf den Bauch der Mutter. Um 4.15 Uhr wurde dann Pauline mit 2.880 Gramm bei ebenfalls 52 Zentimetern geboren und direkt neben ihre Zwillingsschwester auf den Bauch von Mama Anna gelegt. Nach einer kurzen Verschnaufpause, in der Mutter und Kinder einfach nur den Moment genießen und sich ein wenig erholen konnten, klopften schon Hebamme und Notarzt an die Tür des RTW. Kurz darauf trafen auch der frischgebackene Zwillingspapa und die Oma der Mädchen ein.

Premiere in 35 Jahren als Hebamme

Hebamme Tatjana Jäkel übernahm nun den Einsatz und untersuchte die Kinder. Auch für sie war es in 35 Dienstjahren die erste Entbindung von Zwillingen in einem RTW. Da die Geburt komplikationslos verlief und die Kinder gesund waren, konnte die Fahrt nach Hildesheim fortgesetzt werden. Im Klinikum angekommen wurden Mutter und Kinder von Jäkel und dem Kreißsaal-Team der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe weiter versorgt.

„Wir haben uns bewusst wieder für das Helios Klinikum in Hildesheim entschieden“, erzählt Anna Feg. „Unser großer Sohn wurde hier schon im Hebammenkreißsaal geboren und unsere Tochter kam hier auch zur Welt. Wir waren immer absolut zufrieden. Mit Marlene und Pauline sind wir jetzt aber vollständig und die Familienplanung ist abgeschlossen“, sagt sie mit einem Lächeln. Die Geburt von Zwillingen im RTW ist ein ganz, ganz besonderer Moment und ein sehr seltenes Ereignis“, fasst Thomas Gerlach, Geschäftsführer des DRK-Rettungsdienstes im Landkreis Northeim, zusammen.Zufrieden ist auch Chefarzt Dr. Karl-Heinz Noeding: „In unserer Simulations- und Notfallakademie (SiNA) auf dem Klinikgelände werden Rettungssanitär an der High-Tech-Geburtssimulationspuppe ‚Lucina‘ auf genau solche extrem seltenen Zwischenfälle, wie eine Notfallgeburt im Rettungswagen, absolut realitätsnah durch Geburtshelfer unserer Klinik geschult. Der Fall von Familie Feg zeigt, dass dieses Angebot wichtig und sinnvoll ist.“