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Labor des HUKW bezieht Neubau am Campus Barmen

Das Institut für Medizinische Labordiagnostik (IML) des Helios Universitätsklinikums Wuppertal (HUKW) ist in neue Räumlichkeiten im Neubau am Campus Barmen eingezogen. Auf mehr als 1.500 Quadratmetern sind dort zentrale Bereiche der Labordiagnostik, Mikrobiologie und Forschung auf einer Ebene vereint. Rund 80 Mitarbeitende profitieren von moderner Ausstattung, kürzeren Wegen und verbesserten Arbeitsbedingungen.

03.09.2026 Lesedauer: - Min.
Laboreröffnung am HUKW: (V. r.) Institutsdirektor Prof. Dr. med. Parviz Ahmad-Nejad, HUKW-Geschäftsführerin Rungfa Saligmann und Geschäftsführer Lukas Trilling bei der Eröffnung der neuen Räume des Instituts für Medizinische Labordiagnostik (IML)

Das Institut für Medizinische Labordiagnostik (IML) erbringt sämtliche Laborleistungen für das Helios Universitätsklinikum Wuppertal sowie für weitere Krankenhäuser, niedergelassene Praxen und Unternehmen. Mit dem Einzug in den Neubau werden Klinische Chemie, Hämatologie und Hämostaseologie, Transfusionsmedizin, Mikrobiologie, molekulargenetische Diagnostik und Forschungsbereiche räumlich zusammengeführt. „Der Umzug stellt einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des Instituts zu einem modernen, hochautomatisierten und universitären Zentrum für Laboratoriumsmedizin dar“, so Institutsdirektor Prof. Dr. med. Parviz Ahmad-Nejad.

Im Rahmen einer internen Eröffnungsfeier konnten Mitarbeitende des HUKW die neuen Räumlichkeiten kennenlernen und sich bei Führungen einen Eindruck von der modernen Labortechnik und den neuen Arbeitsplätzen verschaffen.

Mehr als 120 Jahre Labordiagnostik in Wuppertal

Die Geschichte der Labordiagnostik am heutigen Helios Universitätsklinikum Wuppertal reicht bis an den Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. 1905 wurde in Elberfeld ein Seucheninstitut gegründet, das den Ausgangspunkt für die institutionalisierte mikrobiologische Diagnostik bildete. Wenige Jahre später entstand auch im benachbarten Barmen eine entsprechende Einrichtung. Damit verfügten die beiden später zu Wuppertal vereinigten Städte bereits früh über spezialisierte Strukturen zur Diagnostik und Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich daraus eine zunehmend breit aufgestellte Labordiagnostik. Weitere Fachgebiete kamen hinzu, darunter Virologie, Immunologie und Transfusionsmedizin; zugleich wurden zuvor getrennte diagnostische Bereiche schrittweise zusammengeführt.

2012 übernahm Prof. Dr. Parviz Ahmad-Nejad die Leitung des Instituts für Medizinische Labordiagnostik (IML). Die Position ist mit dem Lehrstuhl für Mikrobiologie und Laboratoriumsmedizin an der Universität Witten/Herdecke verbunden und verknüpft damit Krankenversorgung, Forschung und universitäre Lehre. Bereits seit 2014 ist das Institut nach DIN EN ISO 15189 akkreditiert und erfüllt damit international anerkannte Anforderungen an Qualität und fachliche Kompetenz in der medizinischen Labordiagnostik.

Moderne Diagnostik für eine zunehmend differenzierte Medizin

Ein wichtiger Teil dieser Entwicklung ist der Einsatz moderner diagnostischer Verfahren. Dazu gehört beispielsweise die MALDI-TOF-Massenspektrometrie, mit der Bakterien und andere Mikroorganismen anhand ihres charakteristischen molekularen „Fingerabdrucks“ innerhalb kurzer Zeit identifiziert werden können. Mit der Multiplex-PCR lassen sich gleichzeitig mehrere Krankheitserreger in einer Probe zeitnah nachweisen. Die HPLC (Hochleistungsflüssigkeitschromatografie) wird unter anderem eingesetzt, um Vitamine und Medikamente in Blut und anderen Körperflüssigkeiten präzise zu bestimmen.

Auch die molekulare Tumordiagnostik hat sich erheblich weiterentwickelt. Mit modernen Verfahren wie der digitalen PCR (ddPCR) und der Next-Generation-Sequenzierung (NGS) können genetische Veränderungen von Tumoren präzise nachgewiesen werden. Während die digitale PCR insbesondere einen sehr empfindlichen und gezielten Nachweis einzelner definierter Tumormutationen ermöglicht, können mit der Next-Generation-Sequenzierung zahlreiche Gene und genetische Veränderungen gleichzeitig untersucht werden.

Diese Verfahren gewinnen für die personalisierte Medizin zunehmend an Bedeutung. Die molekularen Eigenschaften einer Erkrankung können dabei helfen, Therapien gezielter auszuwählen und stärker auf den einzelnen Patienten abzustimmen.

Laboreröffnung am HUKW: Elmar Rieke zeigt die neuen Arbeitsplätze in der Blutbank

Durchgängige Automation und Digitalisierung

Viele Arbeitsschritte im Labor sind heute durchgängig automatisiert und digital miteinander vernetzt – vom Probeneingang über die Analyse bis zur technischen Freigabe und Archivierung. Allein auf der zentralen Laborstraße können mehr als 100 verschiedene Laborparameter bestimmt werden, viele davon rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. Die moderne Laborautomation ermöglicht es, große Probenzahlen schnell, standardisiert und zuverlässig zu bearbeiten und gleichzeitig eine konstant hohe Qualität und Sicherheit der Ergebnisse zu gewährleisten.

Die neuen räumlichen und technischen Strukturen schaffen zugleich die Voraussetzungen für eine weitere Automatisierung und Digitalisierung der Labordiagnostik. Dies betrifft neben der Klinischen Chemie und Hämatologie perspektivisch auch weitere Bereiche wie die Mikrobiologie. Damit ist das Institut darauf vorbereitet, steigende Untersuchungszahlen und zunehmend komplexe diagnostische Anforderungen effizient zu bewältigen.

Gleichzeitig ist die Labordiagnostik eng mit der klinischen Versorgung verzahnt. Befunde stehen den behandelnden Ärztinnen und Ärzten schnell zur Verfügung und können unmittelbar in diagnostische und therapeutische Entscheidungen einfließen. Gerade bei zeitkritischen Fragestellungen ist die 24/7-Verfügbarkeit eines breiten diagnostischen Spektrums ein wesentlicher Bestandteil einer leistungsfähigen Patientenversorgung.

Bei aller Automation und Digitalisierung bleibt dabei eines entscheidend: Hinter jeder Probe steht ein Mensch. Ein Laborwert ist deshalb nicht nur eine Zahl, sondern ein wichtiger Baustein für Diagnose und Therapie eines Patienten. Moderne Technik soll genau dazu beitragen, diese Informationen möglichst schnell, sicher und zuverlässig zur Verfügung zu stellen.

Bessere Voraussetzungen für Forschung und Lehre

Diagnostik und universitäre Forschung rücken im Neubau noch enger zusammen: Die Räumlichkeiten des Zentrums für Forschung in der Klinischen Medizin (ZFKM) der Universität Witten/Herdecke grenzen unmittelbar an das Labor und schaffen kurze Wege zwischen Routinediagnostik und Wissenschaft. Die räumliche Nähe erleichtert es, klinische Fragestellungen in wissenschaftlichen Projekten aufzugreifen und neue Erkenntnisse aus der Forschung in die diagnostische Praxis zu übertragen. „Damit haben wir auch bessere Möglichkeiten für translationale Forschung, wissenschaftliche Projekte sowie die Ausbildung des wissenschaftlichen und medizinischen Nachwuchses“, so Prof. Ahmad-Nejad.