„Am Anfang hatte ich großen Respekt vor der Aufgabe und Angst, dass das in die Hose geht“, blickt Sally Smith auf die Projektwoche „Schüler:innen leiten eine Station“ Mitte April zurück. „Schließlich war das etwas komplett Neues für uns“, so die 19-jährige Lindlarerin.
Denn gemeinsam mit acht weiteren Pflege-Auszubildenden der Helios Klinik Wipperfürth hieß es, die Aufgaben zu übernehmen, die ansonsten examinierten Pflegekräften mit Berufserfahrung vorbehalten sind.
„Alleine Telefonate mit Ärzten zu führen und eigenverantwortlich Übergaben zu machen, dabei waren wir alle am Anfang noch ganz schön nervös, aber alle haben es uns sehr einfach gemacht und uns unterstützt, wo es nur ging“.
Doch nicht nur diese mit manchen Berührungsängsten verbundene Hürde galt es zu meistern; Visiten begleiten, Pflegeabläufe ordnungsgemäß dokumentieren, Patienten aufnehmen und entlassen, alles das und noch vieles mehr musste der Pflegenachwuchs selbstständig organisieren.
Ein Risiko? „Nein, denn die Azubis wurden im Hintergrund von unseren Praxisanleiterinnen begleitet, die für alle Fragen zur Verfügung standen“, erklärt Pflegedirektorin Kerstin Weitzenkamp. Während der Woche sollten sie den echten Praxis-Alltag auf der Station kennenlernen, ohne dabei alleingelassen zu werden, so Frau Weitzenkamp. „Verantwortung in einem geschützten Raum lernen, sowie Organisation und Priorisierung trainieren standen während der Projektwoche im Fokus, aber auch wie man sich im Team abspricht und mit Patienten kommuniziert“, hieß das zusammengefasst.
Jährlich fester Bestandteil der Ausbildung
Das Projekt „Schüler:innen leiten eine Station“ findet jährlich statt und ist Teil des dritten Ausbildungsjahres. Es soll die Teilnehmenden gezielt auf die Abschlussprüfungen vorbereiten. Unter Anleitung erfahrener Pflegekräfte und Praxisanleiterinnen übernehmen die Auszubildenden neben der Versorgung der Patientinnen und Patienten auch organisatorische Aufgaben.
Für Sally Smith eine Erfolgsgeschichte: „Die Sorgen, die wir uns vorher gemacht hatten, waren letztlich unbegründet, denn wir waren zu keinem Zeitpunkt auf uns allein gestellt und sind letztlich alle mit dieser Aufgabe ein ganzes Stück gewachsen“. Das bestätigen auch die beiden Praxisanleiterinnen Kristina Hecken und Ilona Kammerhoff sowie Anna Walter, die das Projekt erneut mit betreut hat: „Alle unsere Auszubildende sind fachlich fit, zögern aber naturgemäß noch bei Entscheidungen. In so einem Projekt müssen sie unter Zeitdruck Entscheidungen treffen – und merken, dass es funktioniert. Das stärkt das Selbstvertrauen und reduziert typische Unsicherheiten beim Berufseinstieg“.
Für die Pflegedirektorin gehen die positiven Effekte jedoch deutlich über Praxisalltag hinaus Denn wer früh Verantwortung übertragen und damit Vertrauen entgegengebracht bekommt, sei deutlich besser darauf vorbereitet, den Übergang von der Ausbildung in die echte Arbeitswelt zu meistern. Außerdem erkenne man dabei schnell, in welchen Azubis besondere Qualitäten schlummern, so Kerstin Weitzenkamp. Außerdem arbeiteten Pflegekräfte, die früh gelernt haben, Abläufe zu überblicken, später oft strukturierter und sicherer.
Auch Klinikgeschäftsführerin Nasanin Chenari zieht für dieses Jahr wieder eine positive Bilanz: Alle Abläufe auf der Station seien stabil gewesen und die Versorgung der Patientinnen und Patienten in jedem Moment gesichert. „Besonders schön ist es zu sehen, dass Patienten und Angehörige unseren Azubis sehr positiv gegenüberstehen und bei der anspruchsvollen Aufgabe mit viel Verständnis unterstützen.“
Der nächste Ausbildungsgang startet im Oktober. Zehn Plätze stehen zur Verfügung. Die Ausbildung dauert drei Jahre und umfasst sowohl praktische Einsätze in verschiedenen Pflegebereichen als auch theoretischen Unterricht an der Akademie Gesundheitswirtschaft und Senioren in Gummersbach.