Rückenschmerzen sind ein Volksleiden: Fast jeder Erwachsene kennt die Beschwerden. Doch während bei Bandscheibenvorfällen, Ischias oder anderen Erkrankungen häufig eine konkrete Ursache festgestellt werden kann, bleibt diese bei mehr als 85 Prozent der Betroffenen unklar. Was hilft, wenn die Schmerzen bleiben und herkömmliche Therapien nicht ausreichend wirken?
Mit dieser Frage beschäftigt sich ein aktueller Fernsehbeitrag, in dem Dr. Torsten Eichenauer, Leiter des Zentrums für spinale Neuromodulation an den Helios Kliniken Mittelweser, und seine Arbeit vorgestellt werden. Der Beitrag begleitet den Neurochirurgen bei der Behandlung einer Patientin aus dem Landkreis Nienburg, die aufgrund anhaltender Rückenschmerzen nach neuen Therapiemöglichkeiten sucht. Dabei gibt Eichenauer Einblicke in die Ursachen chronischer Rückenschmerzen und erläutert, welche Rolle moderne Verfahren der Neuromodulation bei der Behandlung spielen können.
Eichenauer setzt in ausgewählten Fällen auf die Neurostimulation - eine minimalinvasive Therapie, die durch gezielte Stimulation des tiefen Rückenstreckermuskels die Stabilität der Lendenwirbelsäule verbessert. Dazu werden Elektroden neben die Wirbelsäule implantiert, welche dann elektrische Impulse an die Nerven und nachfolgend an die Muskeln abgeben.
„Wenn herkömmliche Therapien gegen Schmerzen nicht helfen, kann die Neurostimulation viel bewirken“, erklärt Eichenauer. Voraussetzung sei eine sorgfältige Untersuchung und die individuelle Prüfung, ob das Verfahren für die jeweilige Patientin oder den jeweiligen Patienten geeignet ist.
Hinter dem Therapieansatz steht ein besonderer Mechanismus: Nach einem akuten Schmerzerlebnis kann der tiefe Rückenstreckermuskel seine Aktivität reduzieren. Während er sich bei vielen Menschen von selbst wieder aktiviert, kann diese Reaktivierung bei anderen ausbleiben. „Dieser tiefe Muskel wird durch ein einmaliges Schmerzerlebnis – wie bei meiner Frau – gehemmt und arbeitet kurzzeitig nicht. Bei den meisten Menschen reaktiviert sich der Muskel schnell wieder automatisch – bei einigen aber nicht“, so der Neurochirurg.
Bleibt die Muskulatur dauerhaft inaktiv, kann sie abbauen und teilweise durch Fettgewebe ersetzt werden. Dadurch fehlt der Wirbelsäule ein wichtiger stabilisierender Faktor. Chronische Beschwerden können die Folge sein.
„Das ist ein System, das in unserem Alltag bei Rückenschmerzpatienten nicht mehr wegzudenken sein wird“, sagt Eichenauer.
Die ausführliche Dokumentation „plan b: Nie wieder Rücken!“ wird am Sonntag, 20. September, um 15.45 Uhr im ZDF ausgestrahlt und ist anschließend auch in der ZDF-Mediathek abrufbar. Eine kürzere Fassung ist bereits am Freitag, 18. September, um 19.40 Uhr auf Arte unter dem Titel „Volksleiden Rücken: Was hilft wirklich?“ zu sehen. Auch diese Fassung steht anschließend in der Arte-Mediathek zur Verfügung.
Bildunterschrift:
v.l.: Dr. Torsten Eichenauer, Leiter des Zentrums für spinale Neuromodulation, Judith Arnold, Filmautorin DOCUVISTA Filmproduktion, Patientin Karin, Kameramann Dennis, Tontechniker Torsten, Pressesprecherin Silke Schomburg