Transparente Aufklärung, persönliche Einblicke und ein Thema, das über Leben und Tod entscheidet: Am Dienstag, den 2. Juni, machte die norddeutsche Campertour zum Thema Organspende Station in den Helios Kliniken Mittelweser. Von 14:30 bis 17:00 Uhr öffnete das Team im Klinikfoyer den Raum für einen offenen Dialog – gemeinsam mit den klinikeigenen Transplantationsbeauftragten, Vertreterinnen und Vertretern des Netzwerks der Transplantationsbeauftragten (Region Nord), Expertinnen und Experten der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sowie der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG).
Bewegende Schicksale
Im Mittelpunkt standen vor allem zwei Menschen, die mit ihrer Geschichte eindrucksvoll zeigten, was eine Organspende bedeuten kann: ein zweites Leben.
Sandro Honsberg aus Hildesheim, Jahrgang 1973, lebt seit seiner Geburt mit einem schweren Herzfehler. Schon als Kind wusste er: Irgendwann würde er ein Spenderherz brauchen. Trotz Einschränkungen führte er ein weitgehend normales Leben, heiratete, bekam zwei Kinder. Doch ab Mitte 30 verschlechterte sich sein Zustand. Erst ein Herzschrittmacher, dann ein zweiter. Mit 45 Jahren wurde ihm ein Kunstherz wurde implantiert. Im Oktober 2023 ging es nicht mehr, der Zugang war stark entzündet. Im Dezember wurde er in eine Spezialklinik verlegt und wartete dort zwei Monate unter Hochdringlichkeits-Listung, bis er Ende Januar sein Spenderherz bekam. „Ich musste alles wieder von vorne lernen“, erzählt er. Einschränkungen zählen noch immer zu seinem Alltag. Doch er lebt – und er ist dankbar.
Jörg Böckelmann aus Bockenem, geboren 1960, gründete den Verein PulsLosLeben. Seine Geschichte beginnt abrupt: Im Dezember 2011 erlitt er mit 51 Jahren einen Herzstillstand. Seine Frau reanimierte ihn zu Hause. Im Krankenhaus lag seine Herzleistung bei nur noch zehn Prozent. Ein Defibrillator wurde implantiert, drei Monate später erhielt er ein Kunstherz. Mit ihm konnte er wieder am Leben teilnehmen, er organsiert sogar eine Aufklärungstour durch Niedersachsen. Über elf Jahre lebte er mit dem Kunstherz – bis im August 2023 eine Entzündung an der Kabelstelle eine lebensbedrohliche Sepsis auslöste. 55 Tage lag er auf der Hochdringlichkeitsliste. Die Operation war riskant, doch sechs Stunden später begann sein zweites Leben.
Beide Männer wissen nicht, von wem ihr Spenderherz kommt, auch nicht, ob es von einem Mann oder von einer Frau stammt. „Darum geht es nicht - wir sind einfach nur dankbar. Wenn wir unterwegs sind, reisen wir nicht zu zweit, sondern zu viert. Wir denken immer an die beiden Menschen, die vom Himmel aus bei uns sind“, so Honsberg.
„Ohne Organspende würden wir beide nicht mehr leben. Uns ist transparente Aufklärung wichtig, den Menschen zu zeigen, was man damit erreichen kann“, so Böckelmann. Beide Männer haben – selbstverständlich – auch einen eigenen Organspendeausweis.
Über 8.000 Menschen auf der Warteliste
Die Geschichten der beiden Männer stehen stellvertretend für viele. „In Deutschland warteten im letzten Jahr rund 700 Menschen auf ein Spenderherz, doch nicht einmal halb so viele Transplantationen konnen durchgeführt werden“, erläutert Dr. Frank Logemann des Netzwerks der Transplantationsbeauftragten der Region Nord e.V.
Insgesamt waren es laut Statistik der DSO im Jahr 2025 knapp 8.200 Menschen, die auf eine Organspende warteten – der Großteil davon auf eine Niere. Dem standen jedoch lediglich 3.020 entnommene und übertragbare Organe gegenüber. Aufgrund dieses massiven Mangels versterben in Deutschland statistisch gesehen jedes Jahr rund 1.000 Menschen, während sie auf ein passendes Organ hoffen.
Dank für Offenheit und Mut
Geschäftsführer Matthias Hahn dankte den beiden Protagonisten ausdrücklich: „Es ist nicht selbstverständlich, so persönliche Erfahrungen zu teilen. Herr Honsberg und Herr Böckelmann haben uns gezeigt, was hinter den Zahlen steht: Menschen, Familien, Hoffnungen.“
Picabo Kühn, kaufmännische Standortleiterin, ergänzt: „Auch den Vertreterinnen und Vertretern des Netzwerks der Transplantationsbeauftragten, der DSO der DGFG sowie natürlich unseren Transplantationsbeauftragten aus der Klinik gebührt ein Dank für ihr Engagement in der Aufklärung zu diesem wichtigen und lebensrettenden Thema.“
Foto v.l.: Juri Ungemach, Transplantationsbeauftragter Helios Kliniken Mittelweser, Elke Wiethake, TxB-Netzwerk, Dr. Paul Frank, Chefarzt Intensivstation, Dr. Frank Logemann, TxB-Netzwerk, Claudia Frese, stv. Pflegedirektorin, Spenderherzempfänger Sandro Honsberg und Jörg Böckelmann, Svenja Sandvoss, DGFG, Nicole Schildlowski, DGFG, Anna Lüttmann, TxB-Netzwerk, Picabo Kühn, kaufmännische Standortleiterin, Henning Bolle, Transplantationsbeauftragter Helios Cluster Niedersachsen-Nord, Matthias Hahn, Geschäftsführer