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„Kein Bock auf Pause“: Darmkrebspatient zwischen Therapie und Trainingskilometern

Berlin-Buch. Nicht erst seit seiner Rente ist Norbert Hell* leidenschaftlicher Rennradfahrer. Ein plötzlicher, starker Leistungseinbruch ließ ihn zunächst nicht an eine Krebserkrankung denken. Nun ist der 70-Jährige seit einem dreiviertel Jahr Darmkrebspatient mit Lebermetastasen am Helios Klinikum Berlin-Buch. Der Krebs am Darm und der Leber konnte durch die Spezialist:innen erfolgreich operiert werden. Norbert Hell lässt sich das Rennradfahren auch während der Krebstherapie nicht nehmen und zeigt, wie das Leben trotzdem weitergehen kann.

01.04.2026 Lesedauer: - Min. Aktualisiert am 01.04.26
Darmkrebspatient Norbert Hell (Mitte) gemeinsam mit Prof. Dr. med. Roger Wahba, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Onkologischen Chirurgie (links) und Rabea Vorholt, Ärztin in Weiterbildung der Allgemein-, Viszeral- und Onkologischen Chirurgie am Helios Klinikum Berlin-Buch.

Norbert Hell* ist leidenschaftlicher Rennradfahrer. Während das Radfahren für den heute 70-Jährigen früher eher rein praktischer Natur war, um von einem Punkt zum anderen zu gelangen, ist er im Ruhestand voll in den Radleistungssport eingestiegen und fuhr regelmäßig Radmarathons. Als er bei seinem straffen Trainingsprogramm im vergangenen März seine Trainingsziele nicht mehr erreichte, dachte er zunächst nicht an eine Krebserkrankung. Aber der massive Leistungseinbruch und die schlechten Blutwerte führten ihn dann sehr schnell vom Gastroenterologen ins Helios Klinikum Berlin-Buch. Die Diagnose: Darmkrebs. „Ich wusste: Damit muss ich jetzt weiterleben“ erinnert er sich. Seine Prognose war zu diesem Zeitpunkt nicht gut, da bereits Metastasen in der Leber festgestellt wurden.

Innerhalb kürzester Zeit fand dann die Operation am zertifizierten Krebszentrum Berlin statt. Prof. Dr. med. Roger Wahba, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Onkologischen Chirurgie am Helios Klinikum Berlin-Buch, ordnet ein: „Eine besondere Herausforderung besteht, wenn die Leber und der Darm befallen sind. Aber gerade auf diese Sondersituation ist mein Team hier in Buch spezialisiert. Nobert Hell hat diese anstrengende Operation mehr oder weniger im Vorübergehen weggesteckt. Trotz dessen, dass wir schnell operieren mussten, hat alles gut funktioniert.“ So machte Norbert Hell bereits einen Monat nach der Operation wieder eine Wanderung mit seiner Frau über die Ötztaler Berge in Tirol. Und auch auf sein Rennrad stieg er relativ schnell wieder, denn das wollte er sich nicht nehmen lassen.

Norbert Hell erzählt, was bei den großen Radmarathons, die er vor seiner Krebserkrankung gefahren ist, wirklich wichtig ist: „Das Ziel nach seinen Möglichkeiten zu erreichen. Dabei findet man seine körperlichen Grenzen und daran lässt sich auch noch arbeiten“. Nach der Operation begann für ihn die nächste Phase der Krebsbehandlung, die Chemotherapie. Das habe anfangs recht gut funktioniert, „aber nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, dass die Erholungsphase zwischen den einzelnen Infusionen zu kurz ist, als dass ich mich körperlich dazwischen auch wieder komplett erhole“. Er stieß an seine Grenzen und musste sich seine Kräfte einteilen, ähnlich einem Radmarathon.

Trotz dieser Erkenntnis und verschiedener Nebenwirkungen fährt Norbert Hell auch unter der Chemotherapie immer weiter Rad, wenn auch deutlich weniger als vorher. So fuhr er im Jahr davor gut 1000 km im Monat, während er diesen Winter auf ca. 400 bis 500 km pro Monat kam. Auch wenn Norbert Hell sagt, er merke, dass ihm die Krebstherapie die Kraft nehme, leistungsmäßig mit anderen mitzuhalten, ist das eine beeindruckende Kilometerzahl. Darüber staunt auch Prof. Dr. med. Roger Wahba: „Das ist etwas ganz Besonderes und Positives, dass ein Darmkrebspatient unter der gesamten Krebstherapie dieses Level an Aktivität aufrechterhalten kann“. So sei Sport nachgewiesenermaßen einer der Faktoren, mit denen beeinflusst werden könne, dass eine Krebserkrankung mit geringerer Wahrscheinlichkeit auftritt. Auch bei einer bestehenden Krebserkrankung wie bei Norbert Hell kann Sport dann die Langzeitprognose verbessern.

Das Beispiel von Norbert Hell zeigt außerdem, welchen Vorteil Patient:innen in zertifizierten Zentren wie im Helios Klinikum Berlin-Buch haben: „Wir konnten sowohl den Darmkrebs als auch gleichzeitig die Lebermetastasen operieren. In einem Stadium wie bei Norbert Hell, wo der Krebs bereits Metastasen gesetzt und auch ein paar Lymphknoten befallen hat, brauchen Patient:innen alles aus einer Hand. So haben sie nur eine Operation und sind für eine weitere Therapie auch schneller wieder fit“ so Prof. Dr. med. Roger Wahba. Im Helios Klinikum Berlin-Buch werden jedes Jahr über 100 Patient:innen mit Darmkrebs und an der Leber operiert und behandelt.

Bald steht Norbert Hell nach Abschluss seiner Krebsbehandlung die Nachsorge bevor. Hierfür wird ein engmaschiges und auf ihn abgestimmtes Therapiekonzept erstellt. Und dann? „Mein Ziel ist es, nach dem hoffentlich erfolgreichen Abschluss der Krebstherapie in diesem Herbst nochmal den Ötztaler Radmarathon zu fahren“ sagt der 70-Jährige. Auch hier gilt: Kräfte einteilen, weiterfahren, ankommen. Denn der Ötztaler Radmarathon geht über mehrere Alpenpässe und 5.000 Höhenkilometer. Aber Norbert Hell weiß, wovon er spricht: Bereits im Jahr 2023 schloss er den Ötztaler Radmarathon erfolgreich ab und ist sehr stolz darauf.

„Um anderen Patienten etwas mitzugeben, ist es noch ein bisschen früh“, findet Norbert Hell. Er empfehle aber immer, sich in einer großen Klinik in Behandlung zu begeben, wie dem Helios Klinikum Berlin-Buch: „Hier sind Spezialisten am Werk, die genau wissen, was sie tun. Ich habe den Eindruck, dass ich hier optimal behandelt worden bin“ sagt er. Wichtig sei auch die Unterstützung des direkten Umfeldes. So schicke ihn seine Frau bei schönem Wetter immer wieder nach draußen zum Radfahren, insbesondere, wenn seine Motivation mal gering sein sollte. „Sie weiß, wie wichtig und förderlich das für mich ist“ sagt er lächelnd. „Das Radfahren ist Teil meines normalen Lebens, und das Leben kann trotzdem weiter gehen“. Nobert Hell ist ein lösungsorientierter Mensch. Er wartet nicht, bis alles vorbei ist, er steigt trotzdem aufs Rad und fährt los. Und vor allem: weiter.

*Name auf Wunsch des Patienten geändert

Darmkrebspatient Norbert Hell und sein Rennrad.