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„Die Klinik war ein eigenes Dorf“
Pressemitteilung

„Die Klinik war ein eigenes Dorf“

Oschersleben

Die Helios Bördeklinik feiert in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Anlass genug, einmal zurückzublicken. In unserer vierteiligen Reihe laden wir zum Streifzug durch die Geschichte ein. Hier erzählt Dr. Heike Bien, Ärztliche Direktorin, ihre Geschichte.

Auf dem Schreibtisch im Chefarztbüro von Dr. Heike Bien liegen zahllose Fotografien verstreut – viele schwarz-weiß, einige mit Zierrahmen, manche vom Zahn der Zeit gezeichnet. Wenn die Ärztliche Direktorin der Helios Bördeklinik in Erinnerungen schwelgt, erzählt sie viele Geschichten aus der Klinik. „Viel hat mein Mann recherchiert und zusammengetragen und natürlich haben auch wir beide hier in der Klinik viele Anekdoten selbst erlebt“, erzählt sie. Ihr Mann, das ist Dr. Jürgen Bien, ehemaliger Ärztlicher Direktor. Noch heute leben beide im Rentamt, dem ältesten Gebäude auf dem historischen Gelände in Neindorf. In diesem Jahr feiert die Klinik ihr 125-jähriges Bestehen und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück: Am 18. April 1894 eröffnete das damalige Kreiskrankenhaus in der Triftstraße in Oschersleben, am 20.02.1941 zerstört ein Bombenangriff große Teile. Anschließend wird der Klinikbetrieb behelfsweise im nahegelegenen Schloss Neindorf weitergeführt und aus der Übergangslösung wird ein dauerhaftes Arrangement.

Die meisten Ärzte und Schwestern lebten hier am Ort.

Dr. med. Heike Bien, Ärztliche Direktorin

„Ich selbst wurde in der Klinik geboren, habe hier meine Masern kuriert, meinen Blinddarm gelassen und meinen Sohn geboren. Ich habe meinen Mann hier kennengelernt und mein Zuhause gefunden“, sagt Dr. Heike Bien. Doch die Begeisterung für die Medizin wächst früh: Ihre Mutter war Gemeindeschwester in Wackersleben, besaß in der Kindheit von Heike Bien eines der wenigen Telefone im Dorf. „Da fand die Wundversorgung schon mal am Küchentisch statt, das hat uns Kinder sehr beeindruckt“, erinnert sich die Ärztliche Direktorin. Tag und Nacht war „Schwester Erika“, ihre Mutter, für Kranke und Verletzte da und half Kindern auf die Welt. Später arbeitete sie in der Neindorfer Klinik als Krankenschwester. 1980 entschied sich die damals 18-jährige Heike Bien vor ihrem Medizinstudium in Magdeburg ihr Pflichtpraktikum in der Pflege in Neindorf zu verbringen. Stationsschwester Heidi schickte sie am ersten Tag in die Nährerei. „Dort lagen auf einem großen Berg Kittel und Schürzen zum Ändern oder Reparieren. Ich wurde dann kurz vermessen, es gab ein paar Abnäher an den vorhandenen Wäschestücken und schon hatte ich meine Dienstkleidung“, erinnert sich Heike Bien lachend.

Die Mutter von Dr. Heike Bien, Schwester Erika (vordere Reihe, 3. von rechts)

Rund um die Klinik hatte sich im Lauf der Jahrzehnte ein eigenständiges Dorf entwickelt: „Es gab Ställe, die Wäscherei, eine Näherei, es wohnten Elektriker, Maurer und Tischler am Ort. Auch die meisten Ärzte und Schwestern lebten hier. In der Küche wurde viel gekocht, im Jahr wurden rund 30 Schweine geschlachtet“, berichtet sie. Diese Besonderheit resultierte aus der Einquartierung der Klinik in das Schloss. „Auf dem Gelände war ja bereits alles vorhanden, sogar ein eigener Küchengarten.“ Diese Vorteile machte man sich damals zu Nutze und stellte medizinische Schienen, sogenannte Orthesen und Lagerungsmittel, an Ort und Stelle selbst her. Als sie ihr Pflegepflichtpraktikum bis 1981 absolvierte, half auch sie bei der Verteilung der Speisen, schmierte Stullen und schöpfte Suppe mit der Kelle aus großen Eimern in die Teller der Patienten.

Eine der eigens in Neindorf hergestellten Orthesen für Patienten

Nach dem Pflichtpraktikum kehrte Heike Bien 1987 als Assistenzärztin nach Neindorf zurück. „Die Liebe zur Chirurgie war entstanden und damals gab es nur wenige Frauen in diesem Fachbereich“, sagt sie. Früher wurde im Schloss in zwei Operationssälen, dem „Blauen Saal“ und dem „Weißen Saal“ – betitelt nach der Farbe der Wandfliesen – operiert. Die gab es zu Dr. Biens Zeiten schon nicht mehr. Aus der Zeit vor ihrer Assistenzarztzeit weiß sie noch zu berichten: „Als ich anfing gab es schon getrennte Umkleiden. Das war lange Zeit nicht der Fall, aufgrund der räumlichen Einschränkungen im Schloss zogen sich alle gemeinsam in einem Raum um; Schwestern und Ärzte.“. Die Hände wusch man sich vor einer Operation in reinem Alkohol und wartete dann, bis der Operateur vom Dachgeschoss des Schlosses ins Erdgeschoss kam – manchmal auch einige Stunden. Doch das sind Geschichten aus der Vergangenheit. Heike Bien lernte später in der Klinik ihren heutigen Mann kennen, Dr. Jürgen Bien. Damals war er Chefarzt und führte früh die Intubationsnarkose und die Osteosynthese, also die Verbindung von gebrochenen Knochen mit Schrauben und Platten, ein.

Einblick in den „Blauen Saal“, einen der beiden OPs im Schloss

So wie Dr. Heike Bien ist auch heute noch nahezu jeder Mitarbeiter familiär oder historisch mit der Klinik verbunden. „Viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten in zweiter oder dritter Generation hier, sind hier geboren oder haben andere Verbindungen zu diesem Haus. In diesem Sinn sind wir auch heute noch ein Dorf, denn wir arbeiten Hand in Hand und mit kurzen Wegen“, sagt sie stolz. Zudem hätten Klinik und Mitarbeiter stets mit dem medizinischen Fortschritt mitgehalten oder diesen selbst geprägt. So wie Dr. Georg von Knorre, der lange Jahre Chefarzt der Inneren Abteilung war, die Poliklinik in Oschersleben betreute und die Diabetikerversorgung im Landkreis aufbaute. Über ihn berichten wir im nächsten Beitrag durch die Geschichte der Bördeklinik.

Großer Tag der offenen Tür zum Jubiläum

Am 24. August feiert die Helios Bördeklinik ihr 125-jähriges Jubiläum von 10 Uhr bis 14 Uhr mit einem großen Tag der offenen Tür. Ein buntes Programm wartet auf Kinder und Erwachsene mit Führungen durch den OP und die Funktionsbereiche sowie Ultraschall-Demonstrationen. Kinder und Jugendliche können das Mediziner-Abzeichen mit Kuscheltierröntgen, Gummibärchen-OP und vielen anderen spannenden Aktionen erhalten. Ein großes Kinderfest mit Hüpfburgen, Clowns, Kinderschminken und Co. ist speziell für die Kleinen gedacht und freut sich auf zahlreiche Besucher. Für das leibliche Wohl sorgen Food Trucks mit kalten und heißen Leckereien. Der Eintritt ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.