„Leicht nervös war ich schon, als ich mit meinem großen Babybauch auf der Liege lag und es anfing. Schließlich fand alles ohne Narkose statt. Aber als dann Frau Dr. Wiebe damit begann, mein Kind zu ertasten und durch sanfte, kontrollierte Bewegungen buchstäblich im Bauch ganz vorsichtig aus der Steißlage herauszudrehen, wurde ich innerlich ganz ruhig und entspannt. Ich vertraute der Ärztin, dass sie es zu einem guten Ende bringt. Und nach gut 15 Minuten hatte es dann ja auch geklappt, wie es sein sollte. Ganz ohne Schmerzen.“
Kathleen Klundts Schwangerschaft neigte sich dem Ende zu. Alle Voruntersuchungen zeigten, dass ihr Baby kerngesund sein würde. Doch die Beckenendlage – das Kind saß mit den Füßen nach unten und dem Kopf nach oben – sprach zunächst gegen eine natürliche Geburt, wie sie sich die junge Mutter eigentlich gewollt hatte. Alles schien auf einen Kaiserschnitt hinauszulaufen.
Was tun, wenn das Baby falsch herum liegt?
In den letzten vier bis fünf Wochen der Schwangerschaft befinden sich drei bis vier Prozent aller Kinder im Mutterbauch in Beckenendlage. Das bedeutet, sie haben sich nicht mit dem Kopf nach unten gedreht, sondern liegen mit dem Steiß im Becken der Mutter. In vielen Fällen wird hierdurch ein Kaiserschnitt erforderlich. Um diesen Eingriff zu vermeiden, wenden Geburtshelferinnen und -helfer die äußere Wendung an, wenn dies medizinisch möglich ist. Dabei wird das ungeborene Kind durch die Bauchdecke in Schädellage gedreht, um auf diese Weise eine vaginale Geburt zu ermöglichen.
Die heute 23-jährige Kathleen Klundt hätte die Geburt ihres ersten Kindes zwar unter Betäubung schmerzfrei überstehen, den Geburtsverlauf jedoch nicht bewusst miterleben können. „Mein Wunsch war immer, selbstbestimmt ein Kind auf die Welt bringen zu können und den Geburtsverlauf aktiv zu unterstützen.“ Darum entschied Sie sich im Frühjahr letzten Jahres für eine äußere Wendung.
Vor dem Manöver wird in einem ausführlichen Gespräch und mit Ultraschall geklärt, ob die Voraussetzungen für die Drehung des Kindes günstig sind. Ist dies der Fall, so ist die Wendung für Mutter und Kind mit weniger Risiken verbunden als ein Kaiserschnitt oder eine vaginale Geburt aus Steißlage.
Drei bis vier Wochen vor dem errechneten Termin
Entscheiden sich die werdenden Eltern für eine Wendung, so wird diese drei bis vier Wochen vor dem errechneten Termin durchgeführt. Die Mutter liegt bei der Wendung in bequemer Position im Kreißsaal. Der Steiß des Kindes wird vorsichtig aus dem Becken herausgeschoben und der Kopf des Kindes dann mit der Hand Richtung Becken gedreht, so dass das Kind buchstäblich einen Purzelbaum macht – alles unter Überwachung der Herzfrequenz.
„Viele Frauen möchten eine natürliche Geburt erleben und es ist immer eine große Freude, wenn wir diese durch eine äußere Wendung ermöglichen können“, berichtet Dr. Martje Wiebe, Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Wipperfürther Krankenhaus. So wie bei Kathleen Klundt.
Als sie sich bereits mit einem Kaiserschnitt abgefunden hatte, erzählte ihr eine Angehörige von der äußeren Wendung. „Das Vorgespräch in der Helios Klinik hat meinen Mann und mich dann vollends überzeugt, es zu versuchen. Und ich habe es nicht bereut“, sagt Frau Klundt, während sie ihre kleine Tochter mit den großen, fröhlichen Augen auf dem Arm hält und fest an sich drückt.
Die Geburt verlief wie gewünscht und völlig komplikationsfrei. „Schon nach wenigen Tagen konnten wir die Klinik verlassen und wieder nach Hause nach Halver fahren.“ Inzwischen ist die kleine Malia zehn Monate alt und der absolute Mittelpunkt im Leben der jungen Familie.
Dass alles so reibungslos gelaufen ist, freut auch Frau Dr. Wiebe. „Natürlich ist auch ein geplanter Kaiserschnitt heute ein risikoarmer Eingriff,“ sagt sie. „Dennoch bleibt die vaginale Geburt aus Schädellage im Normalfall die beste Option für Mutter und Kind.“ Wenn durch eine äußere Wendung ein Kaiserschnitt vermieden werden könne, sei das daher immer ein Gewinn, so Dr. Wiebe.