Fast 20 Jahre haben Raphael Arrigo und Daniel Schnur sich nicht gesehen, als sie im Helios Klinikum Siegburg wieder aufeinandertreffen – und doch erkennen sie sich sofort. Die beiden Kindheitsfreunde haben das gleiche Ziel: einen Nachuntersuchungs-Termin zur Ross-Operation, die beide unabhängig voneinander einige Wochen zuvor hervorragend überstanden haben. So verschieden ihre Lebenswege und Krankheitsgeschichten auch verlaufen waren, nachdem sie sich in ihrer Jugend aus den Augen verloren hatten, teilten sie zuletzt doch das gleiche Schicksal: ihre Herzen konnten ihre Körper aufgrund defekter Aortenklappen nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgen. Die Folgen waren Kurzatmigkeit, Schwindel, Brustschmerzen, Einschränkungen in Beruf und Freizeit.
„Die Aortenklappe ist ein Ventil zwischen linker Herzkammer und Aorta (Hauptschlagader) und verhindert somit den Rückfluss von Blut in das Herz. Erkrankungen wie eine Stenose (Verengung) oder eine Insuffizienz (Undichtigkeit) können die Herzfunktion stark beeinträchtigen“, erklärt Dr. med. Katja Bohmann, Sektionsleiterin für strukturelle Herzerkrankungen in der Herzchirurgie am Helios Klinikum Siegburg. Sie hat die Operation bei beiden Männern durchgeführt. „Es ist alles sehr gut verlaufen und verheilt, ich fühle mich fit! Mein Langzeit-EKG sieht top aus! Allerdings soll ich meinem Herzen noch etwas Zeit geben, bevor ich wieder voll arbeiten gehe, denn mein Job erfordert körperlichen Einsatz. Ich vertraue da absolut auf die Expertise von Frau Dr. Bohmann – so wie auch bei der Entscheidung für die OP“, sagt Arrigo.
Die Ross-Operation ist ein Eingriff am offenen Herzen unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine, die während der Operation die Funktionen des Herzens und der Lunge übernimmt. Die kranke Aortenklappe wird entfernt. Anschließend wird die gesunde Pulmonalklappe des Patienten/der Patientin entnommen und anstelle der Aortenklappe eingesetzt. Die Lücke, die die entnommene Pulmonalklappe hinterlässt, wird mit einer Spenderklappe (Homograft) oder einer biologischen Prothese gefüllt. Die Herzkranzgefäße werden aus der ursprünglichen Aortenklappe gelöst und nach dem Einnähen der Pulmonalklappe in Aortenposition wieder mit der neuen Aortenwurzel verbunden.
„Eines der Haupt-Argumente für die Operation war für mich die Tatsache, dass ich nicht mein Leben lang Blutverdünner einnehmen muss“, so Schnur, der bereits von Geburt an einen Herzfehler hatte und daher die Einschränkungen kennt, die hiermit verbunden sein können. Tatsächlich wird insbesondere beim Einsatz mechanischer Klappen die lebenslange Einnahme von Gerinnungshemmern notwendig, um die Bildung von Blutgerinnseln zu verhindern. Bei biologischen Klappen ist die Einnahme von Blutverdünnern meist nur für einen kürzeren Zeitraum nach der Operation erforderlich.
„Patienten können ein normales und aktives Leben ohne Einschränkungen führen, sogar Sport treiben. Die Ross-OP hat eine sehr gute Prognose und eine langfristig niedrige Re-Operationsrate im Vergleich zu anderen Klappenersatzverfahren bei geeigneten Patienten, weil die natürlichen Eigenschaften der Herzklappen vollständig erhalten bleiben“, berichtet Dr. Bohmann.
Geeignet sind insbesondere jüngere Patienten bis zu einem Lebensalter von ca. 60 Jahren, bei denen die Pulmonalklappe unauffällig ist. Dies wird im Rahmen von Voruntersuchungen geklärt, andere relevante Begleiterkrankungen werden hier ebenfalls ausgeschlossen.
Der Eingriff wird dann nach einem ausführlichen Patientengespräch geplant.