Jahrelang hat sie die Knieschmerzen versucht mit Gymnastikstunden zu kompensieren und vielleicht auch ein Stück weit verdrängt. Immerhin ist Helga Klingele erst 69 Jahre alt, sie liebt das Fahrradfahren und arbeitet trotz Rente noch zu 20 Prozent in einem Pflegeheim. „Ich möchte nicht nur sinnlos rumsitzen, sondern weiterhin Menschen helfen und meinen Hobbys nachgehen. Aber irgendwann ging es körperlich einfach nicht mehr“, sagt Klingele, die seit 45 Jahren in der Altenpflege tätig ist. Also machte sie sich auf den Weg zum Hausarzt, der ihr mitteilte, das Kniegelenk sei irreparabel und konservative Maßnahmen ausgeschöpft. Da in ihrer Umgebung kein zeitnaher Termin frei war, wurde der Kontakt zum Helios MVZ Müllheim im Markgräflerland vermittelt. Das Team bestätigte den Befund im Vorgespräch: Es ist Zeit für eine Prothese. Vier Wochen später soll die Operation stattfinden. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: dass bei ihr erstmals der Mako-Roboter zum Einsatz kommen würde.
„Ein Roboter muss auch mal eine Chance bekommen“
Als Ghiath Rousan, Leitender Oberarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie an der Helios Klinik Müllheim und Ärztlicher Leiter des Helios MVZ Müllheim, seine Patientin anruft, denkt Klingele, es gehe um einen früheren Termin.
Klingele ist zunächst skeptisch: „Erst war ich nicht so begeistert, weil ich es nicht kannte. Aber man hat mir alles in Ruhe erklärt und dann dachte ich: Ein Roboter muss auch mal eine Chance bekommen." So fand am 11. Juni die erste robotergestützte Knieoperation an der Helios Klinik Müllheim statt.
Wie funktioniert das Ganze?
Vor dem Eingriff erstellt das Team auf Basis eines CT-Bildes einen individuellen 3D-Plan, exakt auf die Anatomie des jeweiligen Patienten abgestimmt. Im OP führt ein Roboterarm den Chirurgen millimetergenau entlang dieses Plans und stoppt automatisch, sobald er die festgelegte Grenze erreicht. Gesundes Gewebe bleibt unberührt, unkontrollierte Bewegungen außerhalb des Zielbereichs sind schlicht nicht möglich.
Normen Schatz, Sektionsleiter der Endoprothetik, hat die Operation mit Rousan durchgeführt:
Welche Ergebnisse zeigt die Praxis?
Klinische Studien zeigen: Patienten, die mit roboterassistierter Unterstützung operiert werden, haben nach dem Eingriff im Schnitt weniger Schmerzen, kommen mit weniger Schmerzmitteln aus, benötigen weniger Physiotherapie und können das Krankenhaus früher verlassen. Auch die Beweglichkeit des neuen Gelenks fällt deutlich besser aus.
Das bestätigt auch Helga Klingele: „Die Schmerzen sind sehr erträglich.“ Die Operation sei gut gelaufen. Bereits nach fünf Tagen, statt der üblichen sieben, durfte sie diesen Montag wieder nach Hause. Vorerst ist sie bei ihrer Tochter in Müllheim, denn zuhause in Weil am Rhein wartet ihr Labrador: „Er rennt mich sonst noch vor Freude um." Die physiotherapeutischen Übungen macht sie selbstständig: Kniebeugen mit Geräten und Treppensteigen geht bereits, für das Laufen braucht sie noch Unterarmgehstützen. Jemand, der 45 Jahre lang andere Menschen gepflegt hat, weiß: Der Körper braucht Zeit. „Aber es geht erstaunlich gut und ich bin rundum zufrieden", sagt Klingele.
Den Roboter selbst erleben
Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, hat dazu schon bald Gelegenheit: Die Helios Klinik Müllheim öffnet am Mittwoch, 1. Juli, von 10:00 bis 18:00 Uhr ihre Türen und lädt die Öffentlichkeit, Patienten sowie niedergelassene Kollegen herzlich ein. Der Mako Roboter kann live erlebt und selbst ausprobiert werden, die Chirurgen stehen für Gespräche und Fragen bereit. Auch für die kleinen Gäste gibt es ein Programm: In der Teddyklinik können Kuscheltiere versorgt werden und ein DRK-Rettungswagen ist am Haupteingang zu besichtigen. Die Cafeteria hat von 8:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.