Mit zunächst unscheinbaren Beschwerden begann für den 84-jährigen Gerhard Schünemann ein seltener und gefährlicher Krankheitsverlauf. Zuerst litt er unter Verstopfung, dann unter zunehmenden Bauchschmerzen. Schließlich musste er immer wieder erbrechen. „Es ging plötzlich gar nichts mehr. Ich konnte nichts bei mir behalten und wusste, jetzt muss ich ins Krankenhaus“, berichtet der Patient.
In den Helios Kliniken Mittelweser zeigte sich schnell, dass es sich um einen besonderen Befund handelte. „Herr Schünemann leidet an mehreren Vorerkrankungen, darunter eine künstliche Herzklappe, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck. Zudem nimmt er dauerhaft ein blutverdünnendes Medikament. Eine große Operation hätte für ihn ein hohes Risiko bedeutet“, so Shivan Alali, ltd. Oberarzt der Gastroenterologie.
Die Ursache der Beschwerden war außergewöhnlich und sehr selten: Ein großer Gallenstein mit einem Durchmesser von drei Zentimetern hatte sich durch die Wand der Gallenblase direkt in den Zwölffingerdarm gearbeitet. Dort blieb der Stein stecken und blockierte den Darm vollständig. Nahrung und Flüssigkeit konnten nicht mehr weitertransportiert werden – es kam zu einem kompletten Dünndarmverschluss.
Solche Fälle gelten normalerweise als klarer Grund für eine sofortige Notoperation. Der Stein war zudem so groß und fest eingeklemmt, dass er endoskopisch nicht einfach herausgezogen werden konnte.
Trotzdem entschied sich das ärztliche Team für einen ungewöhnlichen und besonders schonenden Weg: Der feststeckende Stein wurde direkt im Darm mithilfe einer speziellen Stoßwellen-Technik zertrümmert. Das eingesetzte Gerät wird eigentlich für deutlich kleinere Steine in den Gallengängen verwendet. Die entstandenen Bruchstücke konnten anschließend entfernt werden – eine Operation war nicht notwendig.
„Dass ein so großer Gallenstein durch die Gallenblasenwand in den Darm gelangt und dort feststeckt, sehen wir nur sehr selten. Umso bemerkenswerter ist es, dass wir den Stein vollständig ohne Operation entfernen konnten“, erklärt Alali.
Der Erfolg zeigte sich schnell: Bereits am nächsten Tag war Herr Schünemann beschwerdefrei, konnte wieder trinken und leichte Nahrung zu sich nehmen. Er war mobil und in gutem Allgemeinzustand und konnte kurze Zeit später nach Hause entlassen werden.
„Ich bin sehr dankbar, dass mir diese große Operation erspart geblieben ist. Dass es mir so schnell wieder gut ging, hätte ich nicht gedacht“, sagt Gerhard Schünemann.
Foto: Endoskopie-Mitarbeiterin Rita Branding, lt. Oberarzt Shivan Alali, Patient Gerhard Schünemann, Endoskopie-Mitarbeiterin Chantal Christine Filbrandt