Für eine Patientin aus dem Landkreis Nienburg endete Ende Dezember ein jahrelanger Leidensweg. In den Helios Kliniken Mittelweser wurde bei ihr eine Achalasie diagnostiziert – eine sehr seltene Funktionsstörung der Speiseröhre, bei der sich der Übergang zum Magen nicht richtig öffnet. In Deutschland sind insgesamt nur etwa 7.000 bis 8.000 Menschen von dieser Erkrankung betroffen, jährlich kommen nur rund 800 Neuerkrankungen hinzu. Ein derart schwerer Verlauf wie in diesem Fall ist selbst innerhalb dieser seltenen Diagnose außergewöhnlich.
Die Patientin litt seit etwa acht Jahren unter Beschwerden. „Vor allem hatte ich ständig das Gefühl, als hätte ich Muskelkater im Oberkörper“, so die Patientin. Hinzu kamen Schluckbeschwerden sowie Problemen beim Liegen und Atmen. Über Jahre hinweg suchte sie ärztliche Hilfe – unter anderem bei Fachärzten und auch in einer anderen Klinik. Dennoch wurden ihre Beschwerden wiederholt als psychosomatisch eingeordnet. Eine klare organische Ursache blieb lange unentdeckt.
Kurz vor Weihnachten verschlechterte sich der Zustand der Patientin deutlich: Essen und Trinken waren praktisch nicht mehr möglich. Am zweiten Weihnachtstag wurde die Patientin schließlich über die Notaufnahme der Helios Kliniken Mittelweser aufgenommen. In den darauffolgenden Tagen führten weiterführende Untersuchungen zur entscheidenden Diagnose. Dabei zeigte sich das außergewöhnliche Ausmaß der Erkrankung: Eine gesunde Speiseröhre hat normalerweise einen Durchmesser von etwa 2 bis 3 Zentimetern. Bei der Patientin war sie jedoch durch die jahrelange Stauung an einzelnen Stellen auf nahezu 15 Zentimeter erweitert. Insgesamt hatten sich dort rund drei Liter Speisereste angesammelt.
Kurz darauf erfolgte die Verlegung auf die Intensivstation, da aufgrund der massiven Überfüllung auch die Atemwege gefährdet waren. In zwei aufwendigen endoskopischen Eingriffen wurde die Speiseröhre vollständig leergeräumt. Zur akuten Entlastung wurde vorübergehend ein Metallstent eingesetzt, um den Abfluss zu ermöglichen und den Druck auf die Schleimhaut zu reduzieren.
„Achalasie ist eine seltene Erkrankung, doch ein Befund mit einer derart massiven Erweiterung der Speiseröhre ist selbst in diesem Kontext außergewöhnlich. Die jahrelange Fehlfunktion erklärt die schweren Beschwerden der Patientin. Entscheidend war hier das schnelle, interdisziplinäre Handeln, um weitere Komplikationen zu verhindern“, erklärt Markus Bauer, Chefarzt der Gastroenterologie.
Bereits unmittelbar nach dem Eingriff verspürte die Patientin eine deutliche Verbesserung. „Es war wie eine Befreiung, sofort hatte ich keine Beschwerden mehr“, freut sich die Patientin. Aktuell erfolgt die Ernährung vorsorglich ausschließlich flüssig. In etwa drei Wochen ist ein weiterer geplanter Eingriff vorgesehen, bei dem der verkrampfte Muskel am Übergang von Speiseröhre und Magen mittels Ballonaufdehnung behandelt werden soll.
„Ich bin dem gesamten Team unendlich dankbar – nicht nur der Gastroenterologie, sondern auch der Notaufnahme, der Intensivstation und allen weiteren beteiligten Bereichen. Jeder Einzelne war sehr bemüht, professionell und fürsorglich. Nach Jahren, in denen meine Beschwerden nicht ernst genommen wurden, habe ich hier endlich eine klare Diagnose und echte Hilfe bekommen. Meine Lebensqualität ist heute eine völlig andere“, sagt die Patientin.