Experteninterview: Periphere arterielle Verschlusskrankheit

Durchblutungsstörungen der Beine

Durchblutungsstörungen der Beine

Schmerzen in den Beinen sind für Betroffene nicht nur unangenehm, sondern führen zu Einschränkungen im Alltag. Hier erfahren Sie, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Herr Chefarzt von Gagern, Erkrankungen der Gefäße treten häufiger auf als man gemeinhin vermuten würde. Unter welchen Beschwerden leiden Patienten, die zu Ihnen kommen und welche Krankheiten stecken dahinter?

Die häufigste Gefäßerkrankung ist die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Hier kommt es durch Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) zu einer Minderdurchblutung. Sie tritt in der Allgemeinbevölkerung bei drei bis
10 Prozent auf. In der älteren Generation steigt die Häufigkeit auf 15 bis 20 Prozent an. Hier treten zunächst belastungsabhängige Beschwerden auf. Ansonsten kann diese Arteriosklerose natürlich auch die hirnversorgenden Gefäße betreffen und einen Schlaganfall verursachen. Beim Auftreten in den Herzkranzgefäßen können Herzinfarkte auftreten. Neben zu engen Gefäßen können aber auch zu weite Gefäße (Aneurysma) mit der Gefahr einer Ruptur oder eines Streuens von Blutgerinnseln auftreten.

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Herr Chefarzt von Gagern, wie erkenne ich Verschlusskrankheiten der Blutgefäße insbesondere die sogenannte Schaufensterkrankheit?

Den Patienten fällt meist ein Wadenschmerz beim Laufen auf. Zunächst bei besonderer Beanspruchung wie beim Bergauflaufen oder beim Treppensteigen. Die Patienten müssen wegen Schmerzen in der Wade stehen bleiben und warten bis wieder Blut in das Bein gelaufen ist. Während dieser Wartezeit schauen die Patienten dann gern in ein Schaufenster, um die Zeit zu überbrücken oder die Krankheitssymptome nicht öffentlich zu zeigen. Daher der volkstümliche Name „Schaufensterkrankheit“ für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK). Ich erkläre es in meinen Sprechstunden gern mit der Symptomatik eines verstopften Schwimmernadel-Ventils in einem Vergaser bei einem Auto. Da bekommt der Motor unter Last auch nicht genügend Treibstoff wie der Muskel nicht genügend Blut. Diese Minderversorgung der Muskulatur kann natürlich auch im Gesäß oder im Oberschenkel auftreten.
Selten auch in den Armen und Händen. Kalte Füße oder Gefühlsstörungen in den Füßen sind eher selten ein Symptom einer Durchblutungsstörung.

Was ist ein typischer Verlauf der Schaufensterkrankheit, wann ist ein Arztbesuch ratsam?

In der Regel werden die Symptome einer unbehandelten arteriellen Verschlusskrankheit stärker. Die Gehstrecke und damit die Lebensqualität nehmen weiter ab. Im Endstadium der Erkrankung (Schmerzen auch in Ruhe oder Läsionen im Bereich der Füße ohne Abheilung) droht die Amputation eines Beines. Allerdings wird es natürlich häufig nicht so dramatisch. Ich würde eine Vorstellung bereits bei den ersten Anzeichen einer „Schaufensterkrankheit“ empfehlen. Zunächst bei der Hausärztin oder beim Hausarzt und dann in einer Spezial- Sprechstunde. Dann kann häufig mit weniger gefährlichen Therapien geholfen werden.

Herr Chefarzt von Gagern, wie wird die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) behandelt?

Neben der konservativen Therapie mit Medikamenten können wir mit einer Intervention ein Gefäß aufdehnen und wieder für den Blutfluss durchgängig machen. Dafür werden Ballons und Stents (Gefäßstützen) verwendet. Das geht dann meist mit einer lokalen Betäubung ohne langen Krankenhausaufenthalt. Falls das nicht möglich ist, können wir mit einer Operation (z.B. lokale Entfernung eines verstopfenden Plaques oder eine Bypass-Anlage) für eine verbesserte Durchblutung sorgen.

Wir sind stolz, hier das gesamte Spektrum der Versorgung anbieten zu können.

Dr. med. Georg von Gagern, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Helios Vogtland-Klinikum Plauen

Was kann man tun, um mit dieser Verschlusskrankheit besser umzugehen?

Es gibt eine medikamentöse Begleittherapie mit Blutverdünnern und Blutfettsenkern. Im Anfangsstadium kann das als Therapie schon ausreichen. Ansonsten muss neben mediterraner Kost unbedingt körperliche Aktivität empfohlen werden. Der menschliche Organismus kann Kollateral-Gefäße
aktivieren und damit langfristig die Durchblutung verbessern. Deshalb ist z.B. ein Gehtraining (am Besten in einer Gefäßsportgruppe oder mit Gleichgesinnten) der richtige Weg zum Umgang mit dieser Krankheit. Dies konnte in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden. Patienten nach Interventionen oder Operationen sollten regelmäßig in gefäßmedizinischen Sprechstunden betreut werden.