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Darmkrebs: Früherkennung erhöht Heilungschancen enorm

Darmkrebs: Früherkennung erhöht Heilungschancen enorm

Müllheim

Rund 26.000 Menschen erliegen jährlich ihrem Darmkrebsleiden. Warum Vorsorge das A und O und heute keine große Sache mehr ist, erklären Dr. med. Thomas Truschel, Sektionsleiter der Gastroenterologie und Dr. med. Matthias Goos, Chefarzt der Chirurgie an der Helios Klinik Müllheim im Interview.

Warum erkranken in Deutschland rund 65.000 Menschen jährlich an Darmkrebs?

Truschel: Darmkrebs entwickelt sich oft über mehrere Jahre und entsteht, wenn gutartige Gewebeveränderungen wachsen und sich in bösartige Krebszellen wandeln. Diese sogenannten Polypen können über eine vorbeugende Darmspiegelung (Koloskopie) entdeckt und dann in der Regel im Rahmen derselben Untersuchung entfernt werden. Leider stößt die Darmkrebsvorsorge trotz bundesweiten Aufklärungskampagnen bis heute auf große Scheu. Viele kommen erst, wenn Beschwerden eintreten. Das ist fatal! Denn die gute Nachricht lautet: Bei keiner anderen Krebsart ist die Früherkennung so erfolgreich wie beim Darmkrebs. Wenn er frühzeitig entdeckt wird, ist er in den meisten Fällen heilbar. Frühzeitig erkannt, können wir diesen sogar verhindern, das ist besser als heilen. Umso alarmierender, dass nur zehn Prozent aller Frauen und Männer der darmkrebsgefährdeten Altersgruppe ab 50 Jahren zur Vorsorgeuntersuchung gehen.

Wer ist besonders gefährdet und gibt es Risikofaktoren?

Goos: Die Ursachen für Darmkrebs können vielschichtig sein und werden meist nicht eindeutig belegt. Wir wissen aber, dass es bestimmte Faktoren gibt, die das Risiko an Darmkrebs zu erkranken erhöhen. Dazu zählen zum einen verschiedene Vorerkrankungen, der Lebensstil oder auch die familiäre Veranlagung. Hier gelten in der Regel andere Vorsorgeempfehlungen, als bei Menschen ohne familiäres Risiko. Fettreiche oder faserarme Kost, stark gesalzenes, gepökeltes oder geräuchertes Essen zählen zu den Lebensmitteln, die das Risiko erhöhen können. Auch Übergewicht, Bewegungsmangel oder ein hoher Nikotinkonsum können die Entstehung bösartiger Krebszellen im Dick- oder Mastdarm begünstigen.

Wie kann man Darmkrebs vorbeugen und wann sollte man zur Vorsorge?

Truschel: Die allgemeine Empfehlung lautet, dass Frauen und Männer ab dem 50. Lebensjahr zur Vorsorgeuntersuchung gehen sollten. Bei Menschen, deren Risiko familiär erhöht ist lohnt es sich, die weiteren Schritte gemeinsam mit dem Hausarzt sorgfältig abzuwägen und im Zweifel einen Spezialisten hinzuzuziehen. Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung können das Risiko sicherlich senken, der beste Weg der Vorbeugung ist aber eindeutig die frühzeitige Vorsorgeuntersuchung. Wer erst zum Arzt geht, wenn Schmerzen auftreten, vergibt die Chance, dass der Darmkrebs in seinen Vorstufen erkannt und entfernt wird. Laut einer Studie des Robert-Koch Instituts gibt der Großteil der Befragten an, dass sie nicht zur Vorsorgeuntersuchung gehen, weil sie „keine Probleme mit dem Darm“ habe, es „persönlich nicht für notwendig“ hielten oder es „unangenehm“ sei. Auch Zeitmangel wird demzufolge häufig als Grund genannt – und kann fatale Folgen haben: In Deutschland erliegen rund 26.000 Menschen pro Jahr ihrem Darmkrebsleiden.

Wie läuft die Vorsorgeuntersuchung ab?

Goos: Für die sogenannte Vorsorge-Koloskopie sind unsere niedergelassenen Kollegen in der Regel die erste Anlaufstelle. Dort wird eine ambulante, rund 20-minütige Darmspiegelung durchgeführt, die durch eine Kurzschlafspritze bequem „verschlafen“ werden kann. Vorab trinkt der Patient eine Reinigungslösung, die übrigens heutzutage angenehme Geschmacksrichtungen hat. Sie muss auch nicht mehr in so großen Mengen wie früher getrunken werden. Wir arbeiten eng mit den niedergelassenen Spezialisten zusammen und können bei Bedarf und in komplizierteren Fällen spezialisierte Darmspiegelungen in der Klinik durchführen.

Was tun, wenn tatsächlich Darmkrebs diagnostiziert wird?

Truschel: In erster Linie schnell und konsequent handeln und dafür sorgen, dass alle notwendigen Professionen zusammenkommen. Deshalb sind wir Mitglied im Darmzentrum Freiburg e.V. Hier werden regelmäßig alle Fälle im großen Gremium der beteiligten Ärzte und Kliniken fachübergreifend diskutiert. Gemeinsam legen wir fest, ob ergänzende Untersuchungen notwendig sind, ob eine Chemo- oder Strahlentherapie individuell angezeigt ist, oder ob der Tumor operativ entfernt werden sollte. Bei einigen Tumorarten können wir auch strahlentherapeutisch vorbehandeln, sodass die Geschwulst schon vor der eigentlichen Operation deutlich verkleinert ist. Durch das Experten-Netzwerk können wir gewährleisten, dass Diagnostik und Therapie bei uns den gleichen international anerkannten Leitlinien entsprechen, wie an größeren Zentren.

Was kann die moderne Chirurgie bei Darmkrebs leisten?

Goos: Dank stetiger Weiterentwicklung der Operationsmethoden und fachübergreifenden Therapiekonzepten haben sich die Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen bei vielen Krebsarten, darunter auch Darmkrebs, in den letzten 30 Jahren erheblich verbessert. Wir haben heute die Möglichkeit, über die sogenannte Knopfloch-Chirurgie bösartige Veränderungen im Darm sehr schonend zu entfernen. Dieses minimal-invasive Verfahren ist video-unterstützt und ermöglicht uns eine optimale Sicht während der Operation. Selbst komplizierte Eingriffe sind inzwischen deutlich risikoärmer und werden von den Betroffenen bis ins hohe Lebensalter gut vertragen. Die Patienten sind heute schon nach wenigen Tagen wieder fit und haben weniger Schmerzen.

Und wie geht es nach der Operation weiter?

Truschel: Im Anschluss an eine Operation ist eine konsequente Nachsorge sehr wichtig. Die Helios Klinik Müllheim arbeitet hierbei eng mit niedergelassenen Krebsspezialisten zusammen. Durch diese gut funktionierende Kooperation können Darmkrebspatienten von der Diagnostik über die spezialisierte Dickdarm-Spiegelung und sämtliche Operationen bis hin zur Nachsorge umfänglich und kompetent versorgt werden.