„Wakamatu ist als Projekt einmalig!“
Neues Wahlunterrichtsfach an Realschulen feiert erfolgreichen Abschluss

„Wakamatu ist als Projekt einmalig!“

Erlenbach

Mit dem Schuljahr 2018/19 feierte ein neues Wahlunterrichtsfach Premiere: Wakamatu („Was kann man tun“). Im Fokus stand dabei der soziale und pflegerische Umgang mit Menschen. Am Mittwoch, 17. Juli 2019 feierte die erste Projekt-Runde ihren Abschluss. Insgesamt nahmen 24 Schüler aus zwei Realschulen teil.

Lena Ullrich, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheisregion plus, überreicht das Wakamatu-Zertifikat

Das vergangene Schuljahr startete für die Schülerinnen und Schüler der 8. und 9. Klassen der Main-Limes-Realschule Obernburg und der staatlichen Realschule in Elsenfeld mit einem ganz besonderen Wahlunterricht: Wakamatu. Hinter Wakamatu, der Abkürzung für "Was kann man tun?", verbirgt sich eine neue Arbeitsgemeinschaft, die durch das PflegeNetz Landkreis Miltenberg angeboten wird. Dabei sollen den Schülern vor allem soziale Kompetenzen vermittelt werden. "Es gibt nichts Schöneres, Erfüllenderes und Wertvolleres als sich um andere Menschen zu kümmern", bringt Landrat Jens-Marco Scherf den Kerngedanken von Wakamatu auf den Punkt. Als Schirmherr haben er und Lena Ullrich, Geschäftsstellenleiterin der Gesundheitsregion plus Miltenberg, das Projekt maßgeblich gefördert und mitgestaltet. Das persönliche Überreichen der Zertifikate ließen sich die beiden da natürlich nicht nehmen.

Die inhaltliche Organisation von Wakamatu übernahmen Lehrkräfte und Pflege-Schüler der BRK-Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe und der Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege "St. Hildegard" in Erlenbach. Der Unterrichtsschwerpunkt lag dabei auf dem persönlichen Erleben und Erfahren, also auf spielerischem Lernen. "Wakamatu ist als Projekt einmalig!", betont Beate Hoeltermann, Schulleiterin der Altenpflegeschule. "Wir möchten nicht nur zeigen, was für ein schöner und wichtiger Beruf die Pflege ist, sondern auch soziale Kompetenzen wecken", so Hoeltermann. Der wachsende Druck auf die Jugendlichen führe dazu, dass Sozialkompetenzen in unserer heutigen Gesellschaft immer mehr vernachlässigt werden. Wakamatu möchte hier auf spielerische Weise ansetzen und stößt dabei auf breite Zustimmung. Mittlerweile haben schon weitere Schulen ihr Interesse an dem Projekt bekundet. Auch Sven Axt, Klinikgeschäftsführer der Helios Kliniken Miltenberg-Erlenbach, ist von der großen Beteiligung begeistert: "Es ist extrem ungewöhnlich, dass sich Jugendliche dieser Altersgruppe über das normale Maß hinaus engagieren. Mein Kompliment."

Neben theoretischem Unterricht, wie etwa zum Thema Ernährung und der Bedeutung von Zeitzeugen, gab es natürlich auch Praxisstunden. Mit viel Spaß und Neugierde lernten die Teilnehmer, wie man zum Beispiel einen Verband anlegt. Das hat Kilian Seipel (13) aus der Main-Limes-Realschule in Obernburg besonders gut gefallen. Auch wenn er noch nicht weiß, wohin ihn sein beruflicher Weg führen soll, ist er sich sicher: "Wakamatu hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe echt viel gelernt."

Manchmal wurden sogar die eigenen Sinne auf die Probe gestellt: Mithilfe von Alterssimulationsanzügen, Rollstühlen und Co. schlüpften die Schüler in die Haut der Großeltern. Für viele eine spannende Erfahrung! "Die Schüler sollen spielerisch dazulernen und bestenfalls das Gelernte in ihren eigenen Alltag integrieren", erklärt Thomas Dauber, Schulleiter der Gesundheits- und Krankenpflegeschule.

Ein besonderes Highlight stellten auch die vier Exkursionen dar, bei denen die Realschüler Einblicke in den Arbeitsalltag an der Helios Klinik Erlenbach, bei der Rettungswache, bei der Tagesstätte der Caritas und im Obernburger Pflegezentrum erhielten. "Wir möchten die Pflege als Beruf nach außen tragen", so Dauber, "und vielleicht konnten wir so auch den ein oder anderen dafür begeistern." Eine von ihnen ist Kira Wimber (15). Die Schülerin der Elsenfelder Realschule steht kurz vor ihrem Abschluss und hat ihre Entscheidung bereits getroffen: "Ich möchte auf jeden Fall in den sozialen Bereich!"

PflegeNetz Landkreis Miltenberg

Das PflegeNetz Landkreis Miltenberg wurde im März 2017 auf Initiative der Gesundheitsregion plus Landkreis Miltenberg gegründet und ist ein trägerübergreifender Verbund von insgesamt 29 Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie den beiden Berufsfachschulen für Alten- und für Krankenpflege im Landkreis. Sein Ziel ist die langfristige Sicherung der Pflege und die Vernetzung der beruflich Pflegenden im Landkreis Miltenberg durch einen gemeinsamen Auftritt der Pflegeberufe in der Öffentlichkeit, eine gemeinsame Werbung für die Pflegeberufe sowie gemeinsame Fort- und Weiterbildungen für die beruflich Pflegenden.