Prostatakrebs besser erkennen und gezielt behandeln
PSMA-Therapie

Prostatakrebs besser erkennen und gezielt behandeln

Berlin

Jedes Jahr wird bei rund 60.000 Männern in Deutschland ein Prostatakarzinom diagnostiziert, etwa 12.000 Patienten sterben jährlich daran. Inzwischen ist Prostatakrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Doch es gibt Hoffnung für die Betroffenen: Forscher haben mit PSMA ein spezielles Eiweiß entdeckt, das sich sowohl zur exakten Diagnostik als auch Behandlung von Prostatakrebs eignet. Alle Fakten zu PSMA im Gespräch mit Prof. Dr. med. Stefan Dresel, Chefarzt der Nuklearmedizin in den Helios Kliniken in Berlin-Buch und Bad-Saarow.

Prof. Dresel, was ist PSMA und die damit verbundene Therapie?

„Die PSMA-Therapie ist eine Therapie mit einer radioaktiven Substanz, die an die Prostatakarzinomzellen bindet. Dabei werden der Tumor und die Metastasen vor Ort und von innen heraus bestrahlt und zerstört. Das kleine Molekül PSMA (Prostata spezifisches Membran-Antigen) ist mit einer radioaktiven Substanz, dem Lutetium 177, verbunden. Wir wissen, dass die Prostatakarzinomzellen an ihrer Oberfläche Strukturen besitzen, woran dieses Molekül binden und in die Zelle eingeschleust werden kann. Dort zeigt dann auch die Substanz durch den radioaktiven Zerfall ihre Wirkung und zerstört die bösartigen Zellen. Die direkt spürbaren Nebenwirkungen für den Patienten sind sehr gering und die Therapie sehr gut verträglich. Gesundes, umliegendes Gewebe wird geschont. Im Bereich des Tumors findet die Hauptstrahlenwirkung statt und im restlichen Körper ist diese niedrig. Der Anteil der Substanz, die nicht im Tumor aufgenommen wird, wird über die Nieren ausgeschieden und dann in die Abklinganlage, eine technische Anlage bei uns im Klinikum zur Aufbewahrung radioaktiven Abwassers, ausgeschüttet. Das ist auch der Grund warum die Patienten für drei Tage stationär bleiben müssen, damit sie zu Hause nicht radioaktive Substanzen in die Kanalisation abgeben.“

Wie gestaltet sich konkret die Diagnostik und Therapie?

„Bevor die Therapie beginnt, wird diagnostisch ein PSMA-PET/CT durchgeführt. Das geschieht mit der gleichen Substanz PSMA, nur ist dieses Molekül nicht an das, zu therapeutischen Zwecken eingesetzte Lutetium-177 gebunden, sondern für die Diagnostik an das Gallium-68. Wir können dann im PET/CT nachweisen, ob die Tumorherde des Patienten dieses PSMA auch aufnehmen. Nur wenn dies der Fall ist, ist die Therapie überhaupt erfolgversprechend. Zur Vorbereitung erfolgt eine Untersuchung der Nieren um sicher zu stellen, dass diese gut funktionieren. Dann kommt der Patient auf die Station und erhält das therapeutische Lu-177 PSMA über eine Infusion und wird für drei Tage stationär überwacht. Wir führen durch tägliche Bildgebung eine Qualitätskontrolle durch, um zu prüfen, dass die Substanz tatsächlich im Tumor angekommen ist. Dann wird der Patient nach Hause entlassen. Das gesamte Prozedere wird nach den aktuellen Empfehlungen der Fachgesellschaften in sechs Zyklen durchgeführt, das bedeutet sechs Einzeltherapien im Abstand von acht Wochen. Die Therapie mit Lu-177 PSMA ist eine klassische interdisziplinäre Therapie, die in direkter Zusammenarbeit mit den behandelnden Urologen stattfindet.“

Welche Therapieerfolge sind zu erwarten?

 „Momentan wird diese Therapie beim fortgeschrittenen metastasierten Prostatakarzinom eingesetzt. Die Betroffenen haben bereits eine Chemotherapie und in der Regel mehrere antihormonelle Therapien bekommen. Wenn die Erkrankung weiter progredient ist und die Patienten nicht mehr auf die „klassischen“ Therapien ansprechen, dann wird die Lu-177 PSMATherapie durchgeführt. Die Therapie hat zum Ziel, ein Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern, indem Nebenwirkungen, wie beispielsweise Knochenschmerzen, vermindert werden. Die oftmals schwerkranken Patienten blühen regelrecht unter dieser Therapie auf, können besser laufen als zuvor und benötigen wesentlich weniger Schmerzmedikamente. Sie sind allgemein mobiler und können besser am Alltagsleben und Familienleben teilnehmen. Dadurch ist ein echter Gewinn für die Patienten durch diese Therapie zu dokumentieren.“

Wer übernimmt die Kosten der Therapie?

„Unter den genannten Voraussetzungen, also das Stadium der Erkrankung betreffend und die Vortherapien, wird die Therapie von den Krankenkassen übernommen. In der interdisziplinären Zusammenarbeit wird mit den Strahlentherapeuten, den Urologen und Onkologen gemeinsam die Entscheidung gefällt, dass diese Therapie für den Patienten zu diesem Zeitpunkt die richtige ist.“

Julia Talman

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