Mit der Desensibilisierung startet René Jeske wieder voll durch
Bienengiftallergie

Mit der Desensibilisierung startet René Jeske wieder voll durch

Berlin

Wenn es nach einem langen kalten Winter endlich wieder warm wird und die Pflanzen zu wachsen und blühen beginnen, ist auch der Beginn der Bienensaison. René Jeske (47) aus Bernau kennt sich mit Bienen bestens aus. Der ehemalige Hobbyimker hat mit ihnen gearbeitet, sich an ihnen erfreut - bis die Bienengiftallergie kam. Er begibt sich in Behandlung bei den Allergologen im Helios Klinikum Berlin-Buch. Wie es ihm heute geht, hat er uns erzählt.

René Jeske, Abteilungsleiter technischer Support bei einem Internetprovider, ist vor sechs Jahren über einen Freund zur Imkerei gekommen. Er hat ihn auf seinen Bienenstand mitgenommen. Dann haben sie gemeinsam bis nachts zwei Uhr Honig geschleudert und da hat René Jeske seine Leidenschaft für das Imkern entdeckt.

Nach einem Imkerkurs und einem Honiglehrgang konnte Herr Jeske loslegen und startete 2016 mit einem Baby-Bienenvolk in die Imkerei. Zuletzt hatte René Jeske zehn Bienenvölker an drei Standorten an denen er Stadt und Waldhonig erntete.

Den Kopf freibekommen

Das Imkern bedeutet für Herrn Jeske den Kopf freizubekommen und „wenn man mal den eigen hergestellten Honig gegessen hat oder aus einer frischen Wabe den warmen Honig direkt aus der Beute auf den Finger nimmt und schleckt, das ist einfach ein erhabenes Gefühl. Die Imkerei ist einfach beruhigend und ausgleichend. Eine wunderbare Abwechslung von der anstrengenden Zeit“, betont René Jeske.

Die Bienengiftallergie

Beim Start der Imkerei waren regelmäßig ein paar Bienenstiche ganz normal. René Jeskes Körper reagierte darauf nicht. Je mehr Stiche er allerdings über die Jahre bekommen hat, desto deutlich stärker reagierte sein Körper. „Das war so schlimm, dass mir richtig übel wurde. Ich hatte Herzrasen, angeschwollene Stichstellen vom Knöchel bis zum Knie, bis ich irgendwann gemerkt habe – Oh hier stimmt irgendetwas nicht“, so René Jeske.

Sein Allergologe bescheinigt ihm eine sehr hohe Allergieausprägung. „In den üblichen Fällen ist es eigentlich umgedreht: Je mehr Stiche man bekommt, desto weniger reagiert man. Ich gehöre zu den 10%, bei denen der Körper deutlich stärker reagiert, desto mehr Stiche man bekommt“, berichtet René Jeske.

Auf zur Sensibilisierung ins Helios Klinikum Berlin-Buch

„Daher suchte ich nach einer Möglichkeit die Allergieproblematik zu lösen und bin auf die Dermatologie im Helios Klinikum Berlin-Buch aufmerksam geworden“, berichtet Herr Jeske. Bienenstiche können bei sensibilisierten Personen lebensbedrohliche Reaktionen auslösen.

Die ersten Beschwerden treten meist innerhalb von Minuten nach dem Stich auf und reichen von Symptomen der Haut wie allgemeiner Juckreiz, Rötungen und Nesselfieber über Augen- und Gesichtsschwellungen, Erbrechen, Bauchschmerzen, Atemnot bis hin zum Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand oder Herz-Kreislauf-Kollaps. Eine schwere allergische Reaktion – eine Anaphylaxie, ein so genannter allergischer Schock kann lebensgefährlich sein“

, erklärt Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Dermatologie und Allergologie im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Schon gewusst?

Die allergenspezifische Immuntherapie (Desensibilisierung) mit Bienengift ist die einzige effektive ursächliche Therapie. Die Behandlung dauert 3 bis 5 Jahre und führt bei 85 Prozent der Patientinnen und Patienten zu einem kompletten Schutz.

„Bei der Desensibilisierung wird immer wieder das Gift der Bienen mit steigender Dosis gespritzt. Ziel ist es, dass der Körper wieder Bienenstiche toleriert“, erklärt Dr. med. Carolin Bouveret, Leitende Oberärztin der Dermatologie. „Personen, die bereits einmal auf einen Bienenstich allergisch reagiert haben, sollten über die Gefahr eines jeden weiteren Stichs aufgeklärt werden. An Herrn Jeske haben wir appelliert, die Imkerei unbedingt aufzugeben“.

Betroffene erhalten vom Arzt oder der Ärztin ein Notfallset mit Antihistaminika, Kortison und einer Adrenalinfertigspritze. Bei jedem weiteren Stich müssen die verordneten Medikamente sofort eingenommen werden, noch bevor es zu einer allergischen Reaktion kommt. Jetzt nach einem Jahr Therapie merkt Herr Jeske schon, dass sein Körper nicht mehr ganz so stark auf Bienengift reagiert. Doch um das Einstellen des Imkerhobbys kommt er nicht herum. Doch René Jeske lässt den Kopf nicht hängen. Hat er doch noch viele weitere spannende Hobbys und Zukunftswünsche.

Entspannung pur beim Motorradfahren

Seit über 30 Jahren fährt René Jeske leidenschaftlich gerne motorisierte Zweiräder. Auch beim Motorradfahren kann er vom Berufsalltag abschalten und auftanken.

„Für mich ist das einfach Entspannung pur. Da kann man alles um sich herum vergessen, die Landschaft aufsaugen, durch Kurven gleiten.“ Dank der Desensibilisierung kann er diesem Hobby wieder nachgehen. Wenn Herr Jeske mit dem Motorrad unterwegs ist und die Bienengiftallergie nicht behandeln lassen würde, wäre er immer wieder lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt.

 

Sein Dank gilt der Dermatologie-Abteilung im Helios Klinikum Berlin-Buch

"Man fährt ja öfters auch mit offenem Visier und wenn mich dann etwas in den Hals sticht, da schwillt dann der Hals an und es entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit eine Situation mit Atemnot. Bei mir würde sich dann in jedem Fall immer eine schwere allergische Reaktion zeigen und eine lebensgefährliche Situation entstehen. Ich danke der Dermatologie-Abteilung für die tolle Hilfe und für den großartigen Job, den dort alle machen. Danke, dass es dieses Team gibt. Ich bin wirklich beeindruckt", so Herr Jeske.

Soziales Engagement

Neben dem Motorradfahren, gärtnert René Jeske auch gerne – „ist ja mein ursprünglich gelernter Beruf. Ich war sogar erster Landesmeister der Junggärtner des Freistaates Thüringen. Kurz nach der Wende musste ich diesen Beruf leider aufgeben und mich neu orientieren. Ich bin dann von Thüringen nach Berlin gezogen und in der IT-Branche gelandet.“ Irgendwann möchte er seinen Gärtnermeister nachholen, oder doch gleich ein Theologie- und Philosophiestudium beginnen.

„Ich bin sehr sozial und möchte eigentlich auch nichts für mich und viel zurückgeben, ich unterstütze jeden Monat mit einem kleinen finanziellen Beitrag zwei tibetanische Mönche, die von Tibet nach Indien geflohen sind. In Thüringen unterstütze ich ein Projekt zum Orgelneubau. Vor kurzem habe ich mich dann noch bei einem Schreibprojekt angemeldet, wo man älteren Menschen, die alleine sind, Briefe schreiben kann. Meinem Imkerverein bleibe ich treu, denn hier bin ich Bienenweide-Obmann." 

Wenn er sich jetzt noch etwas wünschen könnte, wäre es ein kleiner Lottogewinn. „Aber nicht für mich, sondern für die Sanierung einer Stadtkirche bei mir zu Hause in Thüringen. Ach und einmal möchte ich mit einer Enduro (Geländemotorrad) durch die Mongolei – das wär`s!“ - Nicht zu stoppen der Herr Jeske!