Wenn Dr. Andreas Hachenberg über die Flure des Ortho-Campus geht, kommt er selten auf direktem Weg ans Ziel. Eine Patientin, deren Hüfte er vor fünf Tagen operiert hat, fragt ihn, ob sie die Gehstützen schon weglassen darf. Eine Physiotherapeutin bittet ihn, noch einmal mit einem Patienten zu sprechen, der sein neues Knie zu zaghaft belastet. Der Leitende Arzt des Endoprothetikzentrums der Maximalversorgung hält inne und nimmt sich Zeit für beide.
Hinter einer erfolgreichen Behandlung steckt mehr als eine Operation
In der Endoprothetik endet der Kontakt des Patienten zum Operateur meist an der Klinikpforte. Die Reha startet an anderem Ort mit neuem Team. „Warum nicht alles unter einem Dach vereinen – mit einem Team, das dem Patienten von der ersten Sprechstunde bis zum letzten Reha-Tag zur Seite steht?“, fasst Hachenberg den initialen Impuls zusammen, aus dem 2020 der Ortho-Campus entstand. So leitet er als Chefarzt dort auch die stationäre Reha. Durch die Konzentration rein auf die Endoprothetik, die gezielte Spezialisierung des gesamten ärztlichen, pflegerischen und physiotherapeutischen Teams sowie die enge Verknüpfung der auf dem Campus befindlichen stationären Rehabilitation ist eine hochspezialisierte orthopädische Einheit entstanden. „Die Patienten, die hier ihre Reha absolvieren, werden von denselben Therapeuten betreut, die ihnen nach der OP aus dem Bett geholfen haben“, sagt Dr. Artem Tuzhikov, Leitender Arzt der Revisionsendoprothetik. „Wir erleben immer wieder, wie sich diese Vertrautheit positiv auf die Behandlung und den Genesungsverlauf auswirkt.“
Zur richtigen Zeit das Richtige fürs Gelenk
Die Perspektive der Patientinnen und Patienten in die Behandlung einzubeziehen, prägt den gesamten Ortho-Campus. Die Operation wird hier nicht als isolierter Eingriff verstanden, sondern als Teil eines gemeinsamen Weges. „Jede Patientin und jeder Patient bringt eigene Erfahrungen mit. Uns ist es wichtig, ihre Hintergründe und Erwartungen zu berücksichtigen und in eine individuelle Therapie zu integrieren, die zu ihnen passt, mit der Zeit, die sie braucht.“ Dieser Ansatz zeigt sich heute in zwei verschiedenen Behandlungspfaden: Das Fast-Track-Konzept bereitet Patienten schon vor der OP mit Übungen und Gehstützentraining auf eine zügige Mobilisierung vor. „Je früher man nach der OP wieder auf eigenen Beinen steht, umso besser“, erklärt Hachenberg. Doch gerade ältere Menschen benötigen oft mehr Zeit, Unterstützung und Zuwendung: „Für sie haben wir daher den Senior-Track entwickelt. Hier begleiten unsere Geriater die Behandlung, Tempo und Schmerzmedikation werden dem Alter angepasst“, ergänzt Tuzhikov.
Ausgewiesener Standort für Wechseloperationen
Aber natürlich fußt die erfolgreiche Entwicklung des Ortho-Campus nicht allein auf menschlicher Zuwendung. Jährlich führt das Team rund 2.000 Eingriffe an Knie und Hüfte durch. Ob erstmaliger Gelenkersatz oder komplexe Wechseloperation an Hüfte und Knie, der NRW-Krankenhausplan bestätigte der Klinik die Expertise für alle vier endoprothetischen Leistungsgruppen. Bei den Operationen setzt das Team konsequent auf muskel- und knochenschonende Verfahren sowie modernste Technologie, etwa die roboterassistierte Chirurgie für eine größtmögliche Präzision. Für Hachenberg eine unschlagbare Kombination: „Die Patienten haben erfahrungsgemäß weniger Schmerzen und sind schneller wieder auf den Beinen.“
Doch nicht nur die Patienten profitieren vom ganzheitlichen Angebot: Wie wertvoll der regelmäßige Austausch mit Patienten ist, spürt Hachenberg jeden Tag. „Ihre Erfahrungen prägen meine Arbeit mehr als sie vielleicht denken. Dieser wertvolle Perspektivwechsel hat mich über die Jahre zu einem besseren Mediziner gemacht.“ Und so wird Dr. Andreas Hachenberg auch morgen wieder nicht auf direktem Weg ans Ziel kommen, sondern sich ganz bewusst die Zeit für den einen oder anderen kleinen Umweg nehmen.